NZZ Folio 09/01 - Thema: Europa   Inhaltsverzeichnis

Vier Fragen zu Europa an . . .

Von Eva Matter

. . . Olli Kivinen, Senior Editor und Kolumnist von «Helsingin Sanomat», Finnland.

1. Woher kommt der Widerstand gegen die Osterweiterung in Ihrem Land?

Die EU-Osterweiterung wird von allen wichtigen politischen Gruppierungen und einer klaren Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Für das neutrale Finnland hat die EU-Mitgliedschaft immer einen sicherheitspolitischen Aspekt gehabt. Deswegen wollen die Finnen so viele Länder wie möglich in die EU einbeziehen. Einige Gewerkschafter sind allerdings besorgt darüber, dass eine Flut günstiger Arbeitskräfte vor allem aus Estland über das Land hereinbrechen könnte.

2. Wie sieht die EU im Jahr 2010 aus?

In der Debatte über Erweiterung und Vertiefung der Union vermischen sich leider Wunschdenken und Realität. Der institutionelle Charakter der Union ist vollkommen unklar, und die Entscheidungsfindung ist hoffnungslos. Im Jahr 2010 wird die EU wahrscheinlich ein ebenso loser, vorwärts stolpernder Block sein wie heute.

3. Wie hat sich Finnlands Position innerhalb Europas seit dem EU-Beitritt verändert?

Der EU-Beitritt war ein Schritt auf dem steinigen Weg zur Stabilität. Finnland konnte die sowjetische Besetzung im Zweiten Weltkrieg zwar verhindern, aber es musste im Kalten Krieg ständig politische Pressionen abwehren. Dieser Kampf verlor mit dem EU-Beitritt an Bedeutung.

4. Wie sollte das Verhältnis der EU zu Russland aussehen?

Russland ist zu gross und chaotisch, um je EU-Mitglied zu werden. Russland betrachtet sich noch als Grossmacht und ist nicht bereit, gleichwertiges Mitglied einer Union zu werden. Es wird aber ein wichtiger Handelspartner und Energielieferant sein. Die EU kann Russland bei der Verbesserung der Umwelt, dem Aufbau der Demokratie und des Rechtsstaates behilflich sein, sollte dabei aber nicht zu viele Konzessionen eingehen.

Die Fragen stellte Eva Matter, NZZ-Korrespondentin in Stockholm.


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