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NZZ Folio 06/08 - Thema: Perlen aus dem Internet Inhaltsverzeichnis
Das Duell der Stadtpläne
© Anna-Lina Balke, Zürich
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| Bei Search.ch ist Zürich mit vielen lokalen Infos gespickt. |
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Soll man sich eher auf die Karten von Google Earth oder von Search.ch verlassen? Ein Ausflug von Luzern nach Zürich soll Gewissheit bringen.
Von Claude Settele
Die Suche in alphabetischen Listen ist nicht meine Stärke, Bilder kann ich mir besser merken als Namen. Deshalb liebe ich Onlinedienste wie Search.ch oder Google Earth und Maps, die lokale Informationen graphisch mit Karten verknüpfen. Es sind clevere Werkzeuge, um einen Ausflug zu organisieren. Zum Beispiel einen Abstecher von Luzern nach Zürich, wo ich eine Kamera abholen und einen Freund zum Mittagessen treffen will.
Ich fahre den PC hoch und starte mit der Suchmaschine Search.ch, die Luzern recht pixelig zeigt. Bei Google ist die Bildqualität auch nicht berauschend, doch gehen die Amerikaner viel näher ans Geschehen. 1:0 für Google. Die Stärke von Search sind die «Points of Interest». Die Tochter der Schweizer Post hat lange vor der Konkurrenz dynamische Informationen in ihre Karten eingebaut. Fährt man mit der Maus über ein Symbol, springt ein Fensterchen auf, das etwa das Livebild einer Webcam zeigt, die Zahl der freien Plätze eines Parkhauses oder Bus- und Bahnverbindungen samt Fahrplan.
Bei der Entscheidung «Zug oder Auto» hilft der Routenplaner von Google Maps, der die Strecke zum Kamerashop in der Nähe des Escher-Wyss-Platzes berechnet. Die Funktion gibt es bei Search nicht. 2:0 für Google. Nach dem Luftbild zu urteilen, sind Parkplätze im Quartier kein Problem, doch am Kreuzplatz, wo wir essen werden, müsste ich ein Parkhaus finden. Maps muss hier passen, so starte ich Google Earth und zoome mich heran. Die Karte neigt sich von selbst, und Zürich wächst zum dreidimensionalen Modell mit aufgeklebten Fotofassaden. Das Ganze sieht zwar aus wie ein Bastelbogen in 3-D, doch die Perspektive ist verblüffend. Ein Parkhaus in der Nähe finde ich aber nicht, obwohl Search mehrere anzeigt – 2:1. Also nehme ich den Zug.
Der Weg vom Hauptbahnhof Zürich zum Shop scheint klar: S-Bahn bis zur Hardbrücke, dann ein Fussmarsch. Die Karte, die ich mir zu Hause ausgedruckt habe, führt mich zielgenau zur Pfingstweidstrasse 60. Hier finde ich viele Firmenschilder, doch keinen Shop. Ich klappere erfolglos Nachbarhäuser ab, greife dann genervt zu meinem Smartphone. Google und Search beharren darauf, die Adresse stimme. Da steh ich nun, ratlos und verschwitzt – es googelt mich an, könnte man sagen. Bei einer Firma im Gebäude erfahre ich, dass der Shop auf der andern Seite des Blocks liegt, an der Förrlibuckstrasse. Seltsam. Das findet auch der Verkäufer, der mir rät, das Tram gleich um die Ecke zu nehmen, das sei viel näher als die S-Bahn. In der Regel fährt man mit Google und Co. gut, doch dieses Mal wäre ich mit einem simplen Anruf beim Shop besser beraten gewesen.
Das Restaurant habe ich in Googles 3-D-Stadt nicht gefunden, sie zeigt am Kreuzplatz nur zwei Gaststätten und hat Koordinationsprobleme: Ein Lokal ist mitten auf einem Fussgängerstreifen placiert, gleich neben dem Symbol für ein YouTube-Filmchen. Dieses zeigt die Forchbahn in Fahrt. Bei Search – die Karte ist schärfer als jene von Luzern – finde ich fünf Lokale im Umkreis, darunter den «Italiener», den ich von früher kenne. 2:2. Ein Klick auf das Symbol zeigt Telefonnummer und Adresse. Dienlich wären auch die Speisekarte und ein Foto. Die Strassenkarte zum Bilderbuch machen dürfte demnächst Google mit der Lancierung von Street View. Die in den USA schon aktive Funktion zeigt fotografierte 360-Grad-Ansichten von Strassen. Blogger wollen auch hierzulande schon knipsende Google-Autos gesichtet haben; die Firma aber dementiert.
Wir speisen und unterhalten uns gut. Für die Rückfahrt zum Bahnhof wähle ich mich per Handy bei Search ein: Der Service liefert prompt die Abfahrtszeiten des Trams für die nächsten Minuten, eigens für das Mobiltelefon aufbereitet. Ich sehe auch, dass Mobility Car Sharing drei Standorte in der Nähe hat, doch der Versuch, zum Utoquai zu navigieren, klappt nicht. Dort könnte ich die Wassertemperatur im Freibad abrufen und würde sehen, dass sich am See zwei Public-Viewing-Standorte für die Euro 08 befinden. Davon wiederum weiss Google Earth nichts. Die Amerikaner bieten zwar viel fürs Auge, doch Search liefert mehr Information. 3:2 für die Schweiz.
Claude Settele ist Redaktor für Medien und Informatik bei der NZZ.
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