DIE ZEITEN, wo man zu Sport fast jeglicher Art einen blauen oder roten Nabholz-Trainingsanzug und Stoffturnschuhe mit weissen Gummiapplikationen trug, sind längst Geschichte. Angefangen hat die Marotte der artenspezifischen Sportbekleidung, von der Badehose mal abgesehen, wohl mit der klassischen Wanderhose. Praktische Gründe eher als modische dürften ihre Farben auf Sand, Marine und Kuhfladen beschränkt haben. Nichts gegen diese zeitlosen Hosen, die vom Spaziergang bis zur Bergtour von Männern und Frauen gleichermassen getragen werden können. Doch sie ebneten nolens volens einer unseligen Entwicklung den Wanderweg, welche langsam untragbare Formen annimmt.
Es geht ja nicht darum, dem Eislauf im Nadelstreifenanzug das Wort zu reden oder dem Joggen im grauen Deux-pièces. Aber was sich die Freizeitsportler heute überziehen, geht in seiner Geschmacklosigkeit jedem auch nur ansatzweise empfindsamen Auge einfach zu weit. Da muss man sich etwa Männer bzw. Biker mit enganliegenden, in grellem Grün gehaltenen Spielhöschen aus dehnbarem Synthetics-Mischgewebe mit lebensgrossem Werbeaufdruck gefallen lassen. Oder Frauen auf noch weitem Weg zur Fitness, angetan mit pink Leggins, kombiniert mit einem Aerobic-Body in Türkis, auf welchem z. B. «Crazy Cat» steht oder «Top Ten». Kleidung also, die mit «unziemlich» noch ziemlich gnädig umschrieben wäre.
Dagegen wäre zwar ebensowenig einzuwenden wie gegen die bizarren Verkleidungen aus schwarzem Leder und rotem Latex, in welchen sich gewisse Leute mit gleichgesinnten zu beglückendem Tun treffen. Bloss: die Fetischisten alter Schule bleiben unter sich und treiben ihr Wesen in diskreten Zirkeln. Die Neofetischisten jedoch beanspruchen den öffentlichen Raum, machen ganze Naherholungsgebiete samt Restaurants für uns und unsere Kinder unbenützbar. Und dagegen sollten wir uns wehren, notfalls sogar mit Knickerbockers.