GLEITSCHIRMFLIEGEN ist die Kunst, bei der kein Meister vom Himmel fällt. Vorausgesetzt, das Material ist top. Über die Features moderner Intermediates wie Kalotte, Bremsspinne, Expressschäkel zum problemlosen Ein- und Aushängen des Beinstreckers oder Gesamtleinenverbrauch und Anzahl der Anlenkpunkte, über welche die Schirmkappe abgestützt ist - über all das orientieren die einschlägigen Magazine.
Wie tauglich aber ein Schirm ist, erweist sich erst in der Praxis. Bei Nullwind sollte sich das Segel mit wenig Anfangsimpuls aufziehen lassen und gleichmässig über die ganze Spannweite füllen, damit der Strömungsaufbau schnell erfolgt, der Flügel den erforderlichen Startauftrieb erhält und nicht vorschiesst. Bei schwachem Aufwind sollte die Kappe ohne Impuls an den gespannten A-Leinen aufgezogen werden können. Hat der Schirm seinen Flugwinkel erreicht, wird das Achterliek kurz angebremst: einige beschleunigende Schritte, und dann - grenzenlose Freiheit! Wenn auch unter den Wolken.
Im Flug zeigt der Apparat, wie es um sein Stehvermögen bestellt ist, in der Landung, wie sicher er ist. Im B-Stall sollte er stabil bleiben, nicht in die Stallrosette wegklappen und keine Neigung zum Dauersackflug zeigen. Der B-Stall, als Abstiegshilfe selbst schon ein Sackflugzustand, ist die häufigste Sackflugursache neben der Anstellwinkelveränderung beim Soaren oder angelegten Ohren, die Sackflugzustände hervorrufen können, die oft schwer als solche erkannt werden und deshalb (Sackfluglandung!) besonders gefährlich sind.
Ein leidiges Kapitel dieses schönen Freizeitvergnügens sind Luftraumverletzungen. Zur Vermeidung von Konflikten sollten Hänge- und Paragleiter ein paar Grundregeln beachten, deren erste lautet: Auch Adler haben ein Recht auf ein Privatleben! Zeigt der König der Lüfte mittels wellenförmigen Girlandenflugs dem Piloten gewissermassen den Vogel, heisst es sofort abdrehen und sein Hoheitsgebiet verlassen, schon im Interesse der eigenen Sicherheit.
Wer die paar Punkte beachtet, kann mit Ernst Neidingers besinnlichem, einer brüderlichen Sportart gewidmetem Buch unbesorgt zum geistlichen Höhenflug starten: «Wie im Himmel, so auf der Erde - aus dem Leben eines Drachenfliegerpfarrers».