IN DER LETZTEN ZEYT ist in teutschen landen grosze Unsitt aufgekommen, dasz teutsch geschribn vil Romanswercke geheyszene Schweynzereyen vorliegen, welche der GOttgefälligkeyt stark appruch thun.
So wirt in Frankfurth seyt jar und tag eyne schwartze Mess gefeyert, welche Puchmess geheyszen izt. So seyt mir nimant etwas gegen eyn fromm Püchlein, das mit Zihtaten und Sprichwortten gepfeffert izt. Doch diser Pücher sint lützel, da vorzuhglich Lugen-Kram vnd Teuffelsdreck gedrucket wirt. So iszt viel Püchel voll mit lustigen Brunsten, Sehnungen, Eyfersüchten, Butzwerck, Hahnreden, Hinter-Thür-und-Fenster-Visiten, Verzweifflungen, Seestürm, Gefangenschafften, Warsagerey vnd allen garstig Fluch vnd Possen, die gottlose Schreyberling mit Dinte auf Pergamentum brunzzen.
Dasz ihr Papir hätten die Meuse fressen sollen, sagt Ewch der Docktor Luther! Denn nicht alleyn die Inhält sind eyn Aergerniss, welches jeden Rechtschaffenden sehr vexieret und plaget, sondern auch die bös Ruchlosigkeyt, welche die übel Thäter an den tag gelegt, so dasz sie die behauptung nit scheuen, dasz ire säuisch Schriften reyn und wolgefällig seyn, weyl nach allem Schandtat, Buhlerey und Mordbrennen stets das Gute siget, so dasz ez zum End zuo Heyrath der Jungfrawe und Galgenthode der Schurcken kommet. Dies Reden erzürnet GOtt ser, denn den Schundtschreybern gehtt es wie den Papisten, welche buhlen, morden, wider die Religion speyen vnt sich eyner Beychte wegen im Schosz des HErrn wehnen; so enden Romans mit Heucheley oder Moral, nach tausent Seyten mit sünd vnd schand.
Awch sagen die gelahrten Docktoren vnd Critici, dasz durch Tractati vnd Litterathurwissenschafften der gantze Vnflat gereyniget werde. Solche Torheyt lässt sich leicht auss der Welth schaffen, denn wer eynen Scheyszdreck durchkauet, ausspeyt vnd seynen Gästhen auff dem Teller serviret, soll nichts anderes als eyn Kotfresser, Kotkotz vnd Kotwirth genennet werden.
Denn im Aug GOttes ist alle Literathur nichts als eyn Schweynefurtz und vom Schwarzmann gestiftet. Denn jedwelche Fabel broucht Spannung, ohne das eyne izt daz andere nit, und es will das Gute also auch Böse in eyner Geschicht. So kann keyn Schreyberling nur von züchtigen Magdelein vnd Gottesfürchtigem Volch schreyben, denn seyne Leser würden eynschnarrchen als eyn Katzenthier am Offen, darumb will ez nothwendig böhse Frauen vnd vil Galgenbrüder, dasz eyn Geschichtleyn in trab komt, denn ohn Schurckerey keyne Romans. So braucht es selbst zur Ferfertigung eyner Heylandslegende die Mitwirckung des Teuffels vnt seyner lasterlichen Menschenbrut. Ohn den übel Wind der Hölle kann keyn Erzählung seyn Segel in die Luft hengen. Vnd im Paradeys, wo Löw vnd Schaf selbst nebenander ligen vnd eynander keyn Leit thun vnd alle Mensch wohlgeordnet wie auf dem Gottesacker ohn Arg vnd Hendel nebeneynandersorthiert sint durch die Gnade des HErrn, da wirt mit dem Hader ouch keyn Geschicht mer geschriben werden, denn es wirt eyn Jubel ohn ende herrschen. So iszt die Kunst des Paradeyses am nächsten jene der Opera, welche texte und libretti bekannttlich wie von eynem narren oder kindte geschripen sint. Nit umsonst sagt eyn spruch: die narren vnt kindter sind den Engelein nah.
So iszt selbst die Heylige Schrifft aus dem Paradeys verbannet, denn in ir mischeln Schlang vnd der Teuffel kreftiglich mitt. Keyn Theologicus kann leugnen, dasz der Böhse Eva, David vnt Herodias auf üble bahn führt vnt gar den HErrn Jesu selbst versuchet, ergo seynen Unflat somit an viele heyligen Seyten geschmiret hatt mit seynen übel Thaten, so dasz selbst das Puch der Pücher besudelt iszt durch des Teuffels Ars. So möchten fromme Selen die Bibel nicht zuvil lesen, umb der Kurzweyl vnt Romans sonder Zahl darin; denn dise sindt des Hertzens feindt.
Des Teuffels Ars ist breyt wie die Welt vnt seyn Loch hat er in Franckfurth aufgesetzet vnt in einjeder Druckerey, von wo seyn Stinck sich unter den Menschen verbreytet. Drumm musz der kluge Mann keyn Puch oder Poesien lesen unt auch in der heyligenn Schrifft nit vil, auff dasz er nicht seyn Sel verlire. Wer Drang zu lesen spühret, der halte sich an die Schrifften der Docktoren der Theologia, denn diese sint durch ire Trockenheitt dem Teuffel fern, der alsgleych der Natter das Schlupfrige vnt Feuchte lihbt. Doch sey er awch hier gewarnet: Selbst dis Tracktat wär ohn den bösen Teuffel nit geschripen worten, wiewohl ez gegen in anschreipt und stürmet, so handelt ez doch von im unt awch awf disen Seyten reckt die Sau den hellischen Berzel in die Höh!
So bleypt eynem nichts über, denn Lesen wie Schreyben zuo lassen vnt GOtt umb Blind- vnt Narheyt zu beten.
Transkription: Constantin Seibt.