. . . Léon Zeches, Chefredaktor des «Luxemburger Wort».
1. Woher kommt der Widerstand gegen die Osterweiterung in Ihrem Land?
38 Prozent der Bevölkerung treten für die EU-Osterweiterung ein, 39 Prozent sind dagegen. Das ist wohl auf die grosse Zahl der Bewerber und einen Mangel an Vorstellung über das für den Bürger unübersichtlich werdende Europa zurückzuführen. Eine behutsamere Erweiterung würde auf weniger Widerstand stossen.
2. Wie sieht die EU im Jahr 2010 aus?
Sie dürfte 25 bis 27 Mitglieder umfassen, darunter vielleicht auch die Schweiz. Sie wird auf der Basis des Vertrags von Nizza funktionieren, mit der bisherigen Kompetenzaufteilung zwischen Rat, Parlament und Kommission. Eine europäische Verfassung wird die Kompetenzabgrenzung zwischen den Mitgliedstaaten und der Union regeln. Der Euro, die gemeinsame Verteidigung, justizielle und polizeiliche Zusammenarbeit werden die EU weiter zusammenschweissen.
3. Sind die Ängste über die Zukunft des Finanzplatzes Luxemburg berechtigt?
Der Finanzplatz Luxemburg zittert nicht. Seine Zukunft ist nicht allein von der Einführung einer Zinsbesteuerung abhängig. Unsere Regierung ist bereit zur Einführung einer Quellensteuer für Gebietsausländer, wenn Drittstaaten wie die Schweiz, die USA, die abhängigen und assoziierten Gebiete von EU-Mitgliedern vergleichbare Massnahmen einführen.
4. Wie wirkt sich der freie Personenverkehr auf den Arbeitsmarkt in Luxemburg aus?
In Luxemburg hat der Binnenmarkt bereits vor 1993 funktioniert. Wir schaffen jährlich mehr Arbeitsplätze, als die Einheimischen einnehmen können. Von den rund 230 000 Arbeitsplätzen sind 90 000 von Grenzgängern aus Frankreich, Belgien und Deutschland besetzt. Insgesamt überwiegt der Ausländeranteil. Die Arbeitslosenquote ist seit Jahren die niedrigste in der EU.
Die Fragen stellte René Vautravers, NZZ-Korrespondent in Amsterdam.