Es soll Leute geben, die sich auf einer Bergwanderung mit Kaviar verproviantieren und Havannas verpaffen. Wer Stil hat, greift nach Wurst, Brot und Sauermost gern zur würzigen Virginia - wie etwa der Brissago Blauband. Die schlanke Zigarre ist aus überseeischen feuergetrockneten Virginia- und Kentuckytabaken gefertigt; den Geschmack macht die Tabakbeize, die concia, mit der das Deckblatt, bevor es um Einlage und Umblatt gewickelt wird, befeuchtet wird. Deren Rezeptur ist ein gehütetes Geheimnis der Fabbrica Tabacchi Brissago SA, die mit der Herstellung ihrer Zigarren 1847 begonnen hat. Spanischer Weisswein, vermischt mit verschiedenen natürlichen Aromen, dient als Grundlage.
Das Markenzeichen der Brissago ist der Strohhalm, der in ihr steckt und den man - einst, um teure Streichhölzer zu sparen - als Fidibus verwendet; der Luftkanal, den er ausspart, garantiert den guten Zug. Wie man eine Brissago anzündet, steht bei Friedrich Glauser: «Umständlich setzte Studer den Strohhalm in Brand, den er aus der Brissago gezogen hatte, hielt die Flamme unter das Ende derselben, wartete, bis der Rauch oben herausquoll, und steckte sie dann in den Mund.»
Die Brissago ist eine einfache Zigarre, aber erst wer die Freuden, die sie spendet, schätzen lernt, wird seine Sinne entwickeln für die Delirien, die einem nur die Königinnen aus Kuba zu verschaffen wissen. Und denen huldigt man niemals im Freien.