NZZ Folio 03/94 - Thema: Im Gehirn   Inhaltsverzeichnis

Raucherfreuden -- Wunderdosen

Von Peter Haffner

Wer ein Joghurt kauft, weiss ziemlich genau, wie es schmecken wird, orientiert doch der Deckel über die eingerührten Früchte, Zusatzstoffe oder was immer im Becher drin ist. Wer eine Dose Pfeifentabak erwirbt, findet darauf kaum mehr Information als die Warnung des Bundesamtes für Gesundheitswesen - eine Desinformation, da Pfeiferauchen erwiesenermassen so schädlich ist wie Nichtrauchen.

Das Angebot an Pfeifentabaken ist unübersehbar; weniger erfreulich ist die Tatsache, dass die meisten Tabakhersteller - und beileibe nicht die schlechtesten - aus ihren Mischungen ein Geheimnis machen. Das ist um so ärgerlicher, als die aufgedruckten Angaben - «mild», «aromatisch», «leicht zu rauchen» - ungefähr so aussagekräftig sind wie das «fruchtige» Joghurt der Werbesprache.

Dabei geht es durchaus anders. Tabakhändler, die etwas auf sich halten, führen eigene Hausmischungen, deren Deklaration einen Vorgeschmack erlaubt auf das, was einen erwartet. Unter einer «Englischen Mischung, feiner Mittelschnitt, drei Virginias, wenig Java und vier Prozent Latakia (sehr leicht, naturrein, ohne Zusätze)» kann sich der passionierte Raucher durchaus etwas vorstellen und, wie beim Wein, dann die Erwartung an der Wirklichkeit messen.

Traditionellen englischen Mischungen verleiht der in Syrien angebaute Latakia ihren gewohnten rauchigen Geschmack. Grössere Überraschungen kann man bei den sossierten Tabaken erleben, jenen Mixtures, die von den Amerikanern und Dänen bevorzugt werden. Honig, Fruchtessenzen, Rum und Whisky sind noch gängige Stoffe, mit denen die Burley- und Cavendishtabake aromatisiert werden. Wer's mag, der mag's. Unsereins merkt spätestens, wenn die Füllung in Brand ist, dass Schokolade nicht unbedingt das ist, was er zu rauchen vorhatte.


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