Dieses Gespräch führen zwei Figuren aus zwei literarischen Werken. Wer sind sie?
EIN HELLER warmer Sommerabend. A, ein reich bepelztes Individuum mit seltsamen Zügen, grobschlächtig und animalisch zugleich, sitzt fröstelnd auf einem Hügel und ist wenig erbaut über die Ankunft von B, der zuverlässig schneidende Kälte um sich verbreitet. B, eher spillerig von Figur, mit Sportmütze, gestreiftem Trikothemd und karierter Jacke ausgestattet, mustert amüsiert seinen so anders gearteten Verwandten.
A: (den es offenbar unfreiwillig hierher verschlagen hat) 's ist kalt, kalt ? bei uns ist's wärmer. Satirische Grossmutter hat mir zwar, weil sieben am häufigsten in der Bibel vorkommt, sieben Pelzhemdchen, sieben Pelzmäntelchen und sieben Pelzmützchen angezogen ? aber hol' mich Gott, es ist sehr kalt! Könnt' ich nur Holz stehlen oder 'nen Wald anzünden!
B: (höhnisch, mit der geschulten Stimme eines Schauspielers) Hol' dir den Paletot, auch den Hut und das Plaid. Es geht kalt zu dir. Du wirst schnattern, mag es auch nicht zum Verkühlen sein.
A: (pikiert) Nicht immer. Wenn ich in einem wohleingeheizten Ofen sitze, nicht.
B: (unbeirrt) Holst du dir deine Sachen? Es ist kein Reden beim Zähneklappern. (mit tieferer Bedeutung) Wie heisst es von unserem Wirkungsbereich? «Da wird sein Heulen und Zähneklappern.» Gut, das sind ein paar Wortlaute, aus ziemlich extremer Sphäre der Sprache gewählt, aber eben doch nur schwache Symbole und ohne rechte Beziehung zu dem, was da «sein wird» ? rechenschaftslos, in Vergessenheit, zwischen dicken Mauern. Richtig ist, dass es in der Schalldichtigkeit recht laut, masslos und bei weitem das Ohr überfüllend laut sein wird von Gilfen und Girren, Heulen und Stöhnen, Brüllen, Gurgeln, Kreischen, Zetern, Griesgramen, Betteln und Folterjubel. Im Grunde nur eine Fortsetzung des extravaganten Daseins.
A: (beipflichtend) Was sie mit dem Namen Welt beehren, ist weiter nichts als ein mittelmässiges Lustspiel, welches ein unbärtiger gelbschnabeliger Engel, der in der ordentlichen, dem Menschen unbegreiflichen Welt lebt und, wenn ich nicht irre, noch in Prima sitzt, während seiner Schulferien zusammengeschmiert hat.
B: (anzüglich) Der Herr ist etwa Autor?
A: (nimmt den Scherz auf) Wir haben ja schon mehrere Werke ans Licht gestellt, wie erst kürzlich die Französische Revolution, ein Trauerspiel in vierzehn Jahren, mit einem Prolog von Ludwig XVI. und Chören von Emigranten. Das Stück ist aber schlecht aufgenommen worden.
B: (nickt) Man gilt als Inbegriff zersetzender Kritik. Verleumdung ? wieder einmal, mein Freund. Potz Fickerment! Was unsereins will und spendet, das ist gerade das triumphierende Über-sie-hinaus-Sein, die prangende Unbedenklichkeit!
A: (gähnt) Unsere Abteilung ist die ironische Partie des Stücks und ist dem Primaner, wie das so zu gehen pflegt, besser geraten als der Himmel, welches der rein heitere Teil desselben sein soll. Nun will ich noch ein Stündchen zu schlafen suchen. Es ist doch gut, dass ich mein altes unfehlbares Schlafmittelchen, Klopstocks Messias, mitgebracht habe. Ich brauche nur drei Verse zu lesen, dann bin ich so müde wie der Daus.
A liest zwei Verse und schläft ein.
B schickt sich an, einen Musiker heimzusuchen, den sein Schöpfer zum Titelhelden des hier beanspruchten Romans erkoren hat. Der Autor von A hat sich übrigens in seinem Stück, dessen Titel aus Wörtern der obigen Szene besteht, selber als «zwergigte Krabbe» eingebracht.
Wer und wer? A ist der Teufel aus Christian Dietrich Grabbes Lustspiel «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» (1827); B ist der Leibhaftige aus Thomas Manns Roman «Doktor Faustus» (1947).