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NZZ Folio 09/07 - Thema: Sicherheit   Inhaltsverzeichnis

Zerlegt -- Rennen, nicht laufen!

© Patrick Rohner
Freizeitschuh «Olympia», Wildleder und Segeltuch, Hogan, etwa 400 Franken. Linktext
Von Jeroen van Rooijen
Jahrzehntelang galt das grosse H in der Mode als unantastbar, weil das Initial Markenzeichen und Anfangsbuchstabe der Weltmarke Hermès war – und es noch immer ist. Doch heute bedienen sich auch andere ungeniert dieses Grossbuchstabens – nicht einmal nur die Kopisten, sondern auch Marken, die es inzwischen zu überregionaler Bedeutung gebracht haben, wie etwa das in Mailand ansässige Accessoire-Label Hogan.

Hogan, wie Tod’s oder Fay eine Erfindung des italienischen Geschäftsmanns Diego Della Valle, ist drauf und dran, das grosse H zu seinem Markenzeichen zu machen. Das geschieht mit einer publikumswirksamen Strategie: Della Valle beschenkt die Schönen und Reichen dieser Welt mit seinen Produkten, und über die Schnappschüsse in den Illustrierten potenziert sich dann die Bekanntheit seiner Marke.

Natürlich prangt das grosse H auch auf den Längsseiten des sportlichen Freizeitschuhs «Olympia». Er wurde anlässlich der Olympischen Spiele in Athen im Jahr 2004 lanciert und hat sich seither zu einem Dauerläufer im Hogan-Programm entwickelt. Laut Hogan ist der Schuh «das Resultat avantgardistischer Forschung und Technologie». Das ist etwas hoch gegriffen, aber tatsächlich geht das Modell einen erfolgreichen Mittelweg zwischen den unversöhnlichen Kategorien der Halb- und Sportschuhe. Einen «Olympia» trägt der italienische Mann zu Baumwollhosen und Kaschmirpulli, teilweise auch schon zu Anzug und Krawatte. Das ist zwar nicht chic, aber bequem.

Auch aus technischer Sicht finden sich im «Olympia» Merkmale klassischer wie neuzeitlicher Fertigungstechnik. Die schlanke Leistenform kommt aus der traditionellen Schuhmacherei, in der die Wurzeln von Della Valles Imperium liegen. Schaftaufbau und Sohle dagegen sind amerikanischen Sportschuhen abgeschaut. Die Herausforderung für die Näherinnen in den Hogan-Werkstätten in der italienischen Region der Marche ist es, diese beiden Welten zu verschmelzen – im Fall der Gummisohle im wahrsten Sinn des Wortes. Hier wird nicht mehr rahmengenäht, sondern mit Druck und Hitze gearbeitet. Für Schnitt und Montage des Schafts werden zwei Stunden gebraucht, doch bis der fertige Schuh samt Sohle in Form ist und verpackt werden kann, vergehen zwei Tage.

Den geschnürten «Olympia» gibt es in zahllosen Farb- und Materialvarianten, wobei die Basismaterialien immer Leder und Textilien sind. Der Vorfuss mit den weit nach hinten gezogenen Flügeln ist im Fall des abgebildeten Modells mit den Schnürungsleisten verbunden und wie die verstärkte Ferse aus Wildleder, die Seitenteile sind aus grobem Segeltuch gefertigt. Puristen können den Schuh aber auch fast unifarben aus Glattleder bestellen, wagemutigere Geister werden sich für eine stark kontrastierende Variante aus technischen Stoffen entscheiden. Übrigens: Hogan preist diesen Schuh mit dem Slogan «Race, don’t run» an, was natürlich ein völliger Unsinn ist, weil kein Mensch in diesem Schuhtyp je Rennen laufen wird – er eignet sich weit besser für geschmeidige Flaneure denn für ambitionierte Sprinter.

Von Jeroen van Rooijen ist  Moderedaktor bei der NZZ.



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