Walter Bürki, Sie sind der Schweizer Landesvertreter im Verein zur Verzögerung der Zeit, haben Sie kurz Zeit?
Ja, kurz.
Warum haben wir immer weniger Zeit?
Wir fühlen uns bedrängt von Strukturen, Abläufen, Konsumdiktaten, dadurch büssen wir die Zeitsouveränität ein. Aber dessen sind wir uns nicht bewusst, mit extremer Terminplanung tragen wir selber dazu bei. Der manische Planungszwang erzeugt Stress.
Wie hilft Ihr Verein?
Er betont die Qualität von Zeit. Fragen Sie sich nicht auch manchmal, wann der richtige Zeitpunkt ist, etwas zu tun?!
Laufend.
Wir versuchen, in Publikationen, an Workshops und Symposien diese und andere Fragen anzuregen und uns zu unterstützen. Aber letztlich ist alles eine Frage der Selbstverantwortung.
Aber ist Vereinsmeierei nicht die reinste Form von Zeitverschwendung?
Ja, sicher. Darum haben wir auch fast keine Strukturen im Verein. Wir sind allergisch auf Vereinsmeierei.
Wie sieht Zeitverzögerung ganz praktisch bei Ihren Konferenzen aus?
Oft wurde gescheit über Pausen referiert – und dann haben die Dozenten selber samt und sonders die Zeit überschritten, die Pausen fielen aus. Da habe ich eine Rebellion angezettelt. Ich unterbinde jede Nachlässigkeit.
Ist nicht Unpünktlichkeit die konsequenteste Verzögerung der Zeit?
Wenn ich gegenüber meinen eigenen Terminplänen unpünktlich bin, finde ich das sehr im Sinn unseres Vereins. Aber wenn ich unpünktlich Dritten gegenüber bin, ist das nur rücksichtslos.
Zwei praktische Tipps, wie man im Alltag Zeit verzögert, bitte.
Erstens: Wenn mir etwas zuwider ist, tue ich es nicht. Zweitens: Zwischendurch den Autopiloten abschalten und sich fragen: Warum mache ich diesen Zirkus hier eigentlich?
Was geht Ihnen zu langsam?
Die Schweizer Demokratie.
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