NZZ Folio 06/00 - Thema: Roboter   Inhaltsverzeichnis

Raucherfreuden -- Pfeifenklassik

Von Thomas Brunnschweiler

IN EINEM Basler Fachgeschäft trafen wir den Pfeifenmacher Ingo Garbe, der auf einer dänischen Ostseeinsel lebt. Er gilt als einer der Besten seiner Zunft. Demut vor der Natur und einer Jahrhunderte alten Kultur des Pfeifenmachens prägen sein Werk. Genauso wie das Understatement seiner Pfeifen wirkt auch das seine echt.

Ohne zu übertreiben, darf man Garbe den Klassiker der Pfeifenbauer nennen. «Klassisch», schreibt er, «ist für mich die Form, die in langen Zeiträumen durch schrittweise Weiterentwicklung dem vorbestimmten Gebrauchswert so nahe gekommen ist, dass sie mir gültig, ja fast endgültig erscheint, kaum noch zu steigern, jedenfalls nicht änderungsbedürftig.» Garbe, der sich an klassischen Formen orientiert, ist dem Modegag abhold. Selbst Zierringe verwendet er nur in Ausnahmefällen. Den Begriff Design mag er nicht und spricht lieber von Gestaltung. Wichtig sind für ihn «kleine Schritte um eine feste Mitte und nicht wilde Innovation».

Was den Meisterhandwerker ausmache, wollen wir wissen. Es sei das Gespür für die Reduktion auf das Wesentliche, Proportionsgefühl, Fingerfertigkeit, Augenmass, Farbempfinden und Akkuratesse. Garbe betont, dass auch die Gnade dazugehöre, die Arbeit im richtigen Augenblick abzuschliessen.

Garbes Pfeifen sind nicht gedrechselt, sondern geschliffen. Dies erklärt, warum sie nicht gleichförmig rund sind, dafür jene Plastizität besitzen, die Charakterpfeifen eigen ist. Garbe strebt in erster Linie nach der harmonischen Linie, erst in zweiter nach der vollkommenen Maserung. Der besondere Schwung einer Garbe-Pfeife und ihr perfekter Übergang vom Holm zum Kopf sind unnachahmlich. Auf die dünnen Mundstücke aus speziellem Kautschuk verwendet der Meisterhandwerker ebenso viel Sorgfalt wie auf den Rest. Raucher schwärmen von diesen Mundstücken, die im Biss sehr angenehm sind. Die Preise für Garbe-Pfeifen bewegen sich zwischen 500 und 5000 Franken. Bei Ausnahmestücken kann es aber auch mehr sein.

Ein Liebhaber weiss, was er an einer solchen Pfeife hat. Ihre klassische Eleganz hat auch schon Museen zum Kauf animiert.


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