JEDES MAL wenn eine Cigarre entzündet wird, ist es, als bringe Prometheus dem Menschen von neuem das Feuer. Ein feierlicher, persönlicher Akt ist sie, die Allumage, eine rituelle, fast sakrale Handlung, die in der Öffentlichkeit gleichzeitig etwas Theatralisches annehmen kann. Ein viriler, abweisender Gestus ist ihr eigen. Was will mir die Welt!, scheint zu sagen, wer sie stilvoll vollzieht und in diesem Moment im besten Falle mit sich eins zu werden scheint. In Anwesenheit des andern Geschlechts kann die Allumage ein sublimes erotisches Gleichnis sein. Da fängt sie oder er Feuer . . .
Komme da einer und sage, die Allumage sei bloss die Ingangsetzung einer trockenen Destillation. Er hat nie oder nie richtig geraucht! Nur Cabrera Infante, der Gigant unter den Cigarropoeten, darf sagen, man zünde eine Cigarre an wie eine Zigarette - nur brauche man dazu etwas länger. Irgendwie geben wir ihm ja Recht, denn in Kuba macht kaum jemand ein solches Pipapo um die Allumage wie in der Alten Welt. Aber da für uns die Cigarre nicht ein Stück Alltag ist, verteidigen wir das Ritual gegen seine Verächter. Wer Cigarren raucht, wird je länger, je mehr das wahre Gefühl für die Dramaturgie des Anzündens entwickeln. In welchem Winkel man nun die Cigarre über die Flamme hält, ob man Streichhölzer oder den berühmten Zedernspan benutzt - all das ist weniger wichtig als die innere Haltung. Achtsam und bedächtig, ja andächtig müssen wir eine gute Cigarre in Brand setzen; denn ein schlecht angezündeter Puro bereitet nur Ärger. Schräg- und Hohlbrand sowie unerwünschter Nebengeschmack sind programmiert. Bevor man die Cigarre überhaupt in den Mund nimmt, drehe man das Brandende über einer kurzen, breiten Flamme, bis sich ein kleiner gleichmässiger Aschenkranz bildet. Mit etwas Blasen lässt sich der glühende Kranz zu einem regelmässig glosenden Rund vergrössern. Erst nach diesem Vorspiel, das sich über Minuten hinziehen lässt, wird der erste Zug genossen.
Natürlich gibt es hilfreiche Hinweise. Die Flamme sollte keinen Eigengeruch haben; damit scheiden Benzinfeuerzeug, Schwefelhölzer und auch Kerzen aus. Praktischer als der Zedernspan ist ein gutes Feuerzeug mit Doppelflamme, die man möglichst niedrig einstellen sollte. Nie darf man eine Cigarre direkt ins Feuer halten. Ordinär wirkt das Turbofeuerzeug, der Schweissbrenner en miniature für neureiche Qualmer, die in der Allumage nur noch ein effizient zu lösendes technisches Problem erkennen können. Da das Anzünden ein persönliches Üben der Achtsamkeit ist, sollte man als Cigarrenraucher andere nie um Feuer bitten. Darf man sich im gehobenen Restaurant die bereits angezündete Premium-Cigarre an den Tisch bringen lassen? Man darf natürlich, aber eine echte Aficionada, ein echter Aficionado verzichtet gerne auf diesen Service. Wer lässt sich schon gerne um das Vorspiel bringen - im buchstäblichen wie übertragenen Sinne.