NZZ Folio 06/99 - Thema: Krieg um Kosovo   Inhaltsverzeichnis

Abenteuer Freizeit -- Endviel Spass beim Sliden

Von Peter Haffner

ELTERN NEIGEN bisweilen zu Überreaktionen, wenn der Nachwuchs sich einer ihnen unvertrauten Sportart zuwendet. Angela Krapf aus Wertheim etwa, so lesen wir in der jüngsten Ausgabe des Magazins «skate», kündigte kurzerhand das Abonnement ihres Sohnes auf Jahresende mit der Begründung: «Da er dann doch ein reiferes Alter erreicht haben wird, hoffe ich, dass er sich anderen Zeitschriften zuwendet.»

Damit, liebe Frau Krapf, sollten Sie nicht rechnen - gerade jetzt nicht, wo der Sommer vor der Tür steht und das Wandern vielleicht des Müllers Lust, gewiss aber des Sohnes Frust ist. Worauf immer er abfährt, ob auf Agro - aggressives Skaten - oder auf Vert, ob auf Speed, Fitness oder Offroad: Besorgen auch Sie sich ein Paar Rollerblades, und begleiten Sie ihn auf der Fahrt ins Grüne, wo jede Menge Teer zum Run lockt. (Nein, Jungs, Äusserungen in Leserbriefen wie «Weiber sollten Fitness fahren mit engen Hosen und bauchfreien Tops» könnt ihr bleibenlassen. Auch Mädchen haben ein Recht, in allen Variationen zu tweaken.)

Indes - Vorsicht ist die Mutter aller Schlachten. Schon der übliche Parcours mit einem Planter und einem Wallride kann ganz schön fordern. Nicht zu reden von der Funbox mit Rail, der Quarterpipe zum Reindroppen oder der Miniramp mit Spine und Hip. Smoothe Oberfläche, perfekte Transition und ein gutes Coping für alle Grinds sind Conditio sine qua non - aber einen 540 über das Gap zwischen den Quarterboxen zu ziehen oder gar das Geländer auf dem Gap zu stallen braucht etwas mehr als bloss teure Bahnen und schnelle Boliden.

Ohne Übung ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Im Skate Camp im dänischen Thisted, das kürzlich über die Rampe ging, zeigte Tom Ahlqvist, was Sache ist: Er rippte in der Mini - mit True Spin Topside Pornstar, Fakie 360 Flatspin, 180 Flatspin über die Spine und dann noch Negative That Grab Fishbrain. Soll ihm mal einer nachmachen!

Gönnen Sie ihrem Jungen, liebe Frau Krapf, den Spass und die ungebremste Lebensfreude dieses Sports. Er wird seinen Doktor in Altphilologie schon noch machen. Jetzt will er einfach mit dabeisein - mit Freunden wie Dominik, Florian und Christopher, die in eben der Ausgabe von «skate» schreiben: «Wir drei sind zwei voll die lässigen Skater und ein Türken (Buffalo) Bruder!»


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