Schwimmen: Die nebst dem Gehen älteste Sportart der Welt. Materialtip: «Um den neuen Rennanzug Speedo Fast Skin II™ voll zu nutzen, sollten seine Nähte entlang den Hauptmuskelgruppen sitzen.» Vorschrift: «Im Ausland erzielte Schweizerrekorde werden nur anerkannt, wenn eine Auslandstartbewilligung erteilt wurde» (SSCHV, 2005).
Was das Trinken dem Körper ist, ist das Schwimmen der Seele. Dank der Flüssigkeitszufuhr kann sich der Mensch überhaupt erst bewegen, dank der harmonischen Bewegung im Flüssigen findet die menschliche Seele inneren Halt: Wer täglich zwei Kilometer im Freibad obenaufschwimmt, lässt sich auch die übrige Zeit nicht unterkriegen. Schwimmen macht glücklich! Es besänftigt bösartige Politiker, es entgiftet ver härmte Werber, es lockert verbissene Ban ker. Schwimmen macht bessere Menschen aus uns, und zwar für mindestens drei Stunden! Präzis so lange hält das bei Schwimmern nach dem Bade wissenschaftlich nachgewiesene Glücksgefühl an.
Einerseits mag diese temporäre Seligkeit daher rühren, dass sich der schwimmende Mensch im Unterbewussten seines pränatalen Fruchtwasserschwaderns entsinnt. Die richtige Euphorie aber entsteht beim Schwimmen wie beim Laufen erst durch Bewegung, durch das rhythmisch-rituelle Strampeln und Kraulen, das den Körper von seiner Kopflastigkeit befreit, bis selbst der mitgenommenste Geist nur noch des Lebens lichte Seiten sieht. Für bis zu drei Stunden.
Der beste Schwimmer aller Zeiten ist weder Ian «Torpedo» Thorpe noch Johnny «Tarzan» Weissmuller, sondern Mark «der Schnauzer» Spitz. Während die heutigen Cracks nur noch aalglattrasiert und in aerodynamischen Fischhäuten antreten, gewann der kalifornische Zahnarzt seine sieben Goldmedaillen 1972 in München noch mit einem Besen unter der Nase, dessen Widerborstigkeit nicht einmal Tom «Magnum» Selleck etwas entgegenzusetzen hatte. Als Schauspieler war Spitz später allerdings noch schlechter als Selleck und Weissmuller, weshalb er heute in Immobilien macht.
Die beste Schwimmerin aller Zeiten ist die «Königin von Seoul», Kristin Otto, die damals in Südkorea sechs Goldmedaillen erschwamm. Ihren ersten von 20 internationalen Titeln gewann die Leipzigerin 1982 über 100 Meter Rücken, und mit einem Sieg in derselben Disziplin beschloss sie ihre Laufbahn ein paar Wochen vor dem Mauerfall an den Europameisterschaften 1989 in Bonn. Wenig später wurde die Effizienz der DDR-Dopingfabriken publik, und heute beschwört Kristin Otto als Schwimmexpertin des ZDF die Integrität einer Sportart, die schon immer etwa gleich sauber war wie der professionelle Radrennsport.
Selbige Sauberkeit ist womöglich auch der Grund, warum wir bekanntlich exzessiv cleane Schweizer im Schwimmen nie Weltmeister werden. Unsere stärkste Athletin, Flavia Rigamonti, die neuerdings für die Southern Methodist University Dallas antritt, musste sich neulich zum zweiten Mal mit WM-Silber bescheiden, und auch der beste Schweizer aller Zeiten, Dano Halsall, wurde nie Weltmeister. Immerhin hat der smarte Genfer 1 985 als einziger Schweizer Sportler überhaupt einen relevanten Weltrekord erzielt, nämlich über 50 Meter Freistil. Die historische Dimension jener Leistung mag man daran erkennen, dass Halsall heuer zum 20. Jahrestag seines Exploits vom offiziellen Olympia-Zeitnehmer Omega eine wasch echte «Planet Ocean» erhielt.
Am für Weltmeistertitel nötigen Wasser würde es in unserem Land trotz Mangel an Weltmeeren ja nicht fehlen, und auch die gesellschaftlichen Voraussetzungen dafür wären ideal. Im Gegensatz zu andern Staaten blieb die Eidgenossenschaft von jener höfischen Prüderie verschont, die dem gemeinen Volk im Lauf der Geschichte das Schwimmen immer mal wieder untersagt hat. So sorgte sich ein Zürcher Chronist anno 1 692 eher wegen der allzu explosiven Vitalität unserer Wasserratten: «Es machet einem die Haar gen Berg stehen, wann man sie siehet ab dem Helmhausdache, ja gar ab dem Rathaus sich in das Wasser stürzen …»
«Kann man im Gebirge schwimmen?» fragt sich in Max Frischs Roman «Homo Faber» der Titelheld ironisch, als ihm die Stewardess im schlingernden Flugzeug hoch über dem venezolanischen Bergland eine Schwimmweste überreicht. – Die richtige Antwort lautet: Im Prinzip ja.