ÜBER ALLES MÖGLICHE führt man heute wissenschaftliche Untersuchungen durch, deren Sinn und Nutzen sich dem Laien nicht immer erschliessen. Doch merkwürdigerweise ist noch niemand auf die Idee gekommen, unsere Essmoden unter dem kühlen Licht der Wissenschaft zu betrachten. Weshalb nur schwärmen plötzlich alle Köche vom Mais, um wenig später das Hohelied des Selleries anzustimmen und anschliessend gekochte Algen zum Dernier Cri zu erklären? Fragen, die uns alle beschäftigen, wenn wir jetzt staunend das Furioso betrachten, mit dem die Süsskartoffel die Küchenkultur erstürmt, um sich trotz ihrer rustikalen Gemütlichkeit sogar auf dem feinen Porzellan der Haute Cuisine breit zu machen.
So wie der Pareo als Beleg für verinnerlichte polynesische Lebensart herhalten soll und jene wie tausendfach gewaschen aussehenden Batikhemden auf die südasiatische Reiseerfahrung ihrer Träger hinweisen, verleiht die Knollenfrucht dem Geniesser die Aura der Weltläufigkeit: jeder Bissen eine Reminiszenz an den Mississippi Blues, an goanische Gestade, an die Kneipe an der Copacabana.
Bei einem solchen Image ist jede Werbung überflüssig, denn traurig sind die Tropen bekanntlich nur für die, die genau hinschauen, anstatt mit halb geschlossenen Augen einfach zu geniessen. Und so wollen wir nicht spitzfindig mäkeln, sondern beglücken lieber unsern Bauch mit der süssen Schwester der Kartoffel in allen möglichen Variationen. Die Batate, so ihr ursprünglicher Name in der Indianersprache Haitis, lässt sich in der Alufolie backen, sie brutzelt im Kokosfett, feiert mit dem Feuer des Currys Hochzeit oder verhilft einem hitzigen Cajun-Eintopf zur Vollendung: That's Soul!