NZZ Folio 08/05 - Thema: Männer   Inhaltsverzeichnis

Am Apparat -- Laptops

Von Franz Zauner
Die Laptops bilden ihre Stirnreihen nach Preisen. Links die Mopeds, rechts die Ferraris. Das ist die Hackordnung im Elektronik-Supermarkt. Aber was ist schon ein Ferrari? Frag drei Leute, und du kriegst drei Antworten: Ein Sony Vaio ist ein Ferrari (für einen Presales-Manager in Business-Uniform). Ein Alienware mit 3,8 GHz und Radeon-X800-Grafikkarte ist ein Ferrari (sagt ein Zwölfjähriger in Dreiviertelhose). Nur das Apple Powerbook ist ein Ferrari (eine Stimme in Designer-Schwarz). Schlank und stark muss ein Laptop jedenfalls sein. Das ist der Archetyp, den alle wollen. Amerikanische Forscher haben ihn aus Millionen Daten hundertprozentig destilliert.

Im wirklichen Leben kauft man ein 7-Kilo-Ding, das einem mit grellem Bildschirmschoner zuzwinkert. Das dazugehörige Dienstleisterlächeln gefriert mit der Zeit. In Fernsehserien, wo er als Nebendarsteller erfolgreich ist, schwebt der Laptop ballerinaleicht durch die Szenen. Ungeschminkt liegt er schwer in der Hand, und die Hände liegen schwer auf ihm. Irgendwo zwischen Plasticmatsch und Betonalphabet liegt die ideale Tastatur, gibt es ein Himmelbett für Fingerkuppen. So träumen wir bald vom nächsten Modell, dabei sind Laptops treu wie Hunde. Sie tragen die Arbeit ins Freie und längst nicht mehr nur in dunkle Schattenverstecke. Mit den Jupiterlampen ihrer Hintergrundbeleuchtung zeigen die Ferraris sogar der prallen Sonne, was Energieverschwendung ist.

Wer hinausgeht, sollte einen Gürtel mit Akkumagazinen über der Schulter hängen haben. Jenseits der Steckdose funktionieren Laptops immer nur zwei Stunden. Und auch das nur in der ersten Woche. Dann wird der Akku inkontinent und kann keine Stromkugeln mehr halten. Grafik-Schnickschnack, USB-Humbug und Bluetooth-Zeugs fressen Elektronen wie Popcorn. Bei Ölpreisen um die 60 Dollar können wir aber ein wenig Abwärme gut brauchen.

Manchmal schleudern Leute ihren Laptop plötzlich gegen die Wand wie The Who die Gitarren. Dabei wäre die Technik jetzt so weit, dass sie sich zuklappen lässt. Trotzdem ist sie schwer zu vergessen: Tragbar ist anscheinend ein listiges Wort.


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