NZZ Folio 10/02 - Thema: Der Traum vom Buch   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Karpfenquintett

Von Reto U. Schneider

IMMER wieder wird der Eindruck erweckt, Höchstleistungen im Tierreich würden ausschliesslich von Geparden und Elefanten erbracht. Doch die Studie «Schafe vergessen kein Gesicht» (Nature, Vol. 414, S. 165–166) belegt, dass auch Schafe ins Guinness Book of Records gehörten. Mindestens 50 andere Schafgesichter konnten die Tiere im Experiment auseinanderhalten – auch noch zwei Jahre nachdem sie sie zum ersten Mal gesehen hatten.

Der Karpfen hat dagegen unerwartet musische Fähigkeiten entwickelt. Für die Studie «Unterscheidung von Musik durch Karpfen (Cyprinus carpio)» (Animal Learning & Behaviour, Vol. 29, S. 336–353) lernten die Karpfen Beauty, Oro und Pepi den Unterschied zwischen Blues und klassischer Musik. Nach mehreren hundert Trainings mit John Lee Hookers «Blues Before Sunrise» und Bachs Oboenkonzerten konnten die Fische problemlos Muddy Waters’ «I’m Ready» von Schuberts Forellenquintett unterscheiden. Einzig Vivaldi stellte sie vor Probleme. Aber man wusste schon aus der Studie «Unterscheidung von Musik durch Tauben» (Journal of Experimental Psychology, Animal Behaviour Processes, Vol. 10, S. 138–148), dass Tiere ein gespaltenes Verhältnis zu Vivaldi haben. Dort verwechselten die Tauben seine Violinkonzerte mit Strawinsky.




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