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Beim Coiffeur -- Das Hauptthema im Salon ist Fussball
© Daniel B. Peterlunger, Murten
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| Aziz, Zagora, Marokko |
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Aziz ist Coiffeur geworden, weil es sich so ergeben hat und weil es Gott so gefiel. Doch ihm gefällt es auch. Einmal Haareschneiden, bitte!
Von Daniel B. Peterlunger
Aziz, Zagora, Marokko, 40, ist verheiratet und hat fünf Kinder. Er wohnt mit seiner Familie in einem eigenen Haus mit vier Zimmern in der Nähe seines Salons. Aziz besuchte fünf Jahre die Grundschule. Die Höhe seiner Einnahmen ist sein Geheimnis, die Ausgaben betragen 65 Franken für die Miete des Salons, inklusive Wasser, dazu kommen Stromkosten bis zu 20 Franken. Während des Hammelfestes und des Ramadans bleibt der Salon geschlossen. Aziz und seine Familie können es sich leisten, Ferien zu machen, was der Mehrheit der Marokkaner nicht möglich ist.
Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?
Die Kopfrasur! So wie die Fussballer von Casablanca es tragen. Zunächst liessen sich unsere Kicker des FC Zagora den Kopf rasieren. Und jetzt wollen alle Jungs diesen Look. Ältere Männer, vor allem Bauern, lassen sich auch den Kopf rasieren, aber nur, weil es praktisch ist.
Haben Sie eine spezielle Methode?
Ich arbeitete mit der traditionellen Technik: Haarbüschel zwischen die Finger klemmen und, was übersteht, mit der Schere wegschneiden. Doch wegen des erwähnten Trends ist heute die Tondeuse, eine elektrische Schneidemaschine, mein Hauptwerkzeug.
Warum sind Sie Coiffeur geworden?
Ich musste irgendwie mein Leben meistern, eine Arbeit finden. Das ist in Marokko nicht ganz einfach. Glücklicherweise konnte ich nach der Schule ein Jahr lang in einem Herrensalon arbeiten. Ich lernte schnell und wurde Coiffeur. Das bin ich jetzt seit 23 Jahren. Etwa gleich lange besitze ich auch diesen Salon. Und wenn es Gott gefällt, bleibe ich ein Leben lang Coiffeur.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Die Bevölkerung von Zagora wächst, und da wir Marokkaner Wert auf einen gepflegten Haarschnitt legen, geht mir die Arbeit nicht aus. Es gibt hier zwar mehrere Salons, aber ich sehe durchaus Bedarf für einen weiteren. Den würde ich nächstes Jahr eröffnen und ein paar Arbeitsplätze schaffen – so Gott will.
Haben Sie viele Stammkunden?
Ja. Die meisten sind Städter. Junge und Alte, Händler, Handwerker, Lehrer, Beamte. Aber es kommen auch Bauern. Besonders samstags, wenn der grosse Markt stattfindet, besuchen mich viele Bauern aus den Oasen des Draa-Tals.
Welche Art Kunde ist die grösste Herausforderung für Sie?
Ausländische Touristen. Zagora ist das Tor zur Sahara, die Kameltrekkings beginnen hier. Viele Touristen kommen vor oder nach der Wüstentour zu mir, weil es billiger ist als in ihren Heimatländern. Aber die Haare der Ausländer sind anders als unsere, widerspenstiger und dicker.
Wem würden Sie gern die Haare schneiden?
Es kommt mir niemand in den Sinn.
Vielleicht dem landesweit verehrten jungen König Marokkos, dessen Bild in Ihrem Salon hängt?
Nicht doch, ich habe keine Präferenzen, jedermann ist willkommen.
Wann ist eine Frisur aus Ihrer Sicht gelungen?
Wenn der Kunde zufrieden ist! Hauptthema im Salon ist übrigens meistens der Fussball, besonders das letzte Spiel: Marokko gegen Kamerun. Wir haben verloren, das ist traurig.
Haben Sie sich schon einmal geweigert, einen Kundenwunsch auszuführen?
Ja, das kommt schon mal vor. Und zwar, wenn der Kunde einen Schnitt verlangt, den ich nicht beherrsche.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Stadt?
Einfach alles: Ich bin hier geboren worden, aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe hier geheiratet, Zagora ist meine Heimat. Am meisten sagt mir das Klima zu: Es ist nie kalt, und die Luft ist trocken.
Warum ist Ihr Salon in diesem Quartier?
Die Lage ist gut. Die Menschen flanieren hier gern, weil es schattenspendende Lauben gibt und viele Strassencafés. Denn im Sommer sind Temperaturen über 40 Grad Celsius normal. Auch die Moschee ist nur zwei Gehminuten entfernt. Wenn die Arbeit es zulässt, besuche ich sie mehrmals täglich.
Wie verbringen Sie Ihren Abend?
Abends bleibe ich meistens zu Hause und schaue Fernsehen, am liebsten Fussball. Und wenn ich ausgehe, dann zusammen mit der Familie. Wir veranstalten ein Picknick unten am Fluss im Palmenhain.
Wo machen Sie Ferien?
Wenn die Einnahmen es erlauben, fahren wir im Hochsommer ans Meer, an die Atlantikküste. In Casablanca waren wir schon, auch in der Hafenstadt El Jadida und diesen Sommer in Essaouira. Dort hat es mir sehr gut gefallen. Die alte Stadt ist schön und sauber, die Strände sind breit und lang, und immer weht ein erfrischender Wind vom Meer her.
Daniel B. Peterlunger ist Journalist; Er lebt in Murten.
Coiffeursalon «El Farah» (der Glückliche) Der Salon mit drei Stühlen liegt an der Hauptstrasse Zagoras. Aziz beschäftigt zwei Angestellte, die als Lohn fünfzig Prozent Kommission erhalten.
Preis für durchschnittlichen Haarschnitt Herren bezahlen 2 Franken 50, Jugendliche 2 Franken, Kinder 1 Franken 25.
Marokko Einwohner: 34,8 Millionen BIP pro Kopf: 3900 Fr. Milch: 1 Liter 1.05 Fr. Brot: 1 kurze Baguette 40 Rp. Kinobillett: In Zagora gibt es kein Kino. Zigaretten: 1.30 bis 4.50 Fr. Taxi: 10 km ca. 3.50 Fr.
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