Fleischverächter haben leichtes Spiel und gute Argumente. Das Schlachten eines Tiers ist tatsächlich wenig appetitlich, ebenso wenig sind es die Tierfabriken mit Batteriehaltung, in denen geschundene Kreaturen mit allerlei Doping in kürzester Frist zur Schlachtreife gemästet werden. Die BSE-Katastrophe förderte zutage, wohin das ruchlose Treiben in den Ställen führen kann, und weiter ist erwiesen, dass der Konsum von allzu viel Fleisch und Wurst nicht nur dick macht und Wohlstandskrankheiten aller Art fördert, sondern auch für den Hunger in der Welt, für das Abholzen der Regenwälder, die Zerstörung der Ozonschicht und weiteres Ungemach mitverantwortlich ist.
Kein anderes Nahrungsmittel ist so umstritten wie das Fleisch. Fleischverzicht und Fleischgenuss, das ist eine Frage der Ideologie. Trotzdem schmeckt Fleisch den meisten noch immer. Ein Lammkotelett vom Grill, ein Sonntagsbraten, eine St. Galler Bratwurst – dem ist nicht leicht zu widerstehen. Das Fleisch ist schwach. Rund 60 Kilogramm verzehrt jeder Schweizer, jede Schweizerin pro Jahr.
Die Vegetarier mögen ja irgendwie recht haben, denken wir. Aber nur so lange, bis uns der Bratenduft in die Nase steigt. Kann dieses Fleisch für alles Übel in der Welt verantwortlich sein? So beissen wir rein in die Herrlichkeit. Das Fleisch ist zart, wohlschmeckender als jeder Tofu.
Nicht das Fleisch sei das Problem, sagen die Bauern und Metzger, sondern der Konsument, der immer weniger bereit sei, für Lebensmittel einen anständigen Preis zu bezahlen. Die Folge ist eine Landwirtschaft, die, ganz auf Rentabilität ausgerichtet, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel produzieren will, ja muss. Aber es gibt durchaus auch Nischen, Biofleisch, dessen Verzehr nicht nur den Hunger stillt, sondern auch das Gewissen beruhigt. So frönen wir denn der Fleischeslust, frei nach dem Bonmot von Woody Allen: «Ich hasse die Wirklich keit, aber es ist der einzige Ort, an dem man ein gutes Steak bekommt.»