Ehrfurchtgebietend hängt ein Frauenrock
Ehrfurchtgebietend hängt ein Frauenrock an eines Hauses hellgestrich'ner Mauer. In irgendeiner Badewanne liegt vielleicht um diese liebe Morgenstunde in's kos'ge Nass gebettet eine Frau, die ich unmöglich anders mir als reizend denken kann, über jede Art von Reim bin heute, wie Sie sehen, ich erhaben. Mag sein, dass ich den Kopf nicht gern mir quäle, wo sich ein üpp'ger Regenschirm vor meinem Blicke prunkvoll präsentiert, und hinter seiner erheblichen Gestalt sitzt eine Kanne von himmelblauer Unbescholtenheit, auf der Veranda, die ich mit den Augen, den manchenorts bekannten, überprüfe, vertändelt sich auf einem Tisch ein Brief die Zeit, die ich mir mit Gedichtemachen zu kürzen suche, bis ich wissen werde, was mir ein lieber Mensch zu sagen hat, der mir versprochen hat, mir mitzuteilen, wann ich in seiner Näh' mich zeigen darf. O, wie sich leise, so als wüssten sie um alle meine vielen zärtlichen Verbindlichkeiten, jetzt die schlanken Zweige in dieses feinen Lüftchens stummer Geige bewegen, wie ich denn ja nun auch schweige und mich entzückt an's kleine Fenster neige.
Ehrfurchtgebietend hängt ein Frauengewand
Ehrfurchtgebietend hängt ein Frauengewand an eines Hauses hellgestrichener Wand. O wunderherrlicher Gedichtbeginn! Was kommt mir fernerhin noch in den Sinn? Auf der Veranda, die ich überschaue mit Augen, denen ruhig man vertraue, indem man allzeit emsig auf sie baue, sitzt hinter einem üpp'gen Regenschirm von annerkennenswerter alter Firm' eine himmelblau angestrichene Kanne, in einer unsichtbaren Badewanne erquickt um diese holde Morgenstunde ein Mädchen sich des Leibs gemessene Runde im kos'gen Nass, auf einem Tisch vertändelt ein Briefelchen, das allerliebst berändelt, bekränzelt ist, die Zeit, die ich mir hier verkürze mit dem göttlichen Plaisier der Drechselei von Versen, die sich reimen, wird eine Pflicht mir irgendwo noch keimen? Gewiss klingt dies Gedicht erstaunlich trocken. Ich glaub', es duftet hier nach sauren Mocken, was Appetit in mir heraufbeschwört. Inzwischen finde ich es unerhört schön, wie sich leise jetzt die schlanken Zweige in des Lüftchens lispeliger Geige bewegen, wie denn ja auch ich nun schweige, indem ich mich entzückt an's Fenster neige.
Unveröffentlichte Mikrogramme, 1925. Transkribiert von Bernhard Echte und Werner Morlang.