NZZ Folio 02/92 - Thema: Kuba   Inhaltsverzeichnis

Stimmen zu Fidel Castro


«Die Jesuiten schulten ihn, er sollte die weisse Hoffnung der Rechten werden.» (Ein Schulfreund)

Die Pläne, die er entwickelte, schienen ausserhalb seiner Reichweite zu liegen, und ich empfand ein gewisses Mitleid mit diesem Freiheitskämpfer, der so ganz in seiner Aufgabe aufging und voller Selbstvertrauen und fester Überzeugung war. Und seine Unschuld rührte mich (. . .) Dennoch konnte ich mich nicht zu der tiefempfundenen Bewunderung verstehen, die er bei seinen jungen Leuten auslöste (. . .) Fidel und seine Schar schienen mir einer verlorenen Sache zu dienen. (Teresa Casuso über Castro, Juli 1956, in Mexiko. Im Haus der italienischen Fotografin in Lomas de Chapúltepec konnten die Revolutionäre ein Waffenlager anlegen und die letzte Ausbildung vor der Rückkehr nach Kuba absolvieren.)

Die Persönlichkeit dieses Mannes ist überwältigend (. . .) Es sprang ins Auge, dass seine Leute ihn vergötterten (. . .) Er war ein gebildeter, seiner Sache völlig ergebener Fanatiker, ein Mann mit Idealen, mit Mut und bemerkenswerten Führungsqualitäten (. . .) Man hatte das Gefühl, dass er jetzt unüberwindlich ist. (Herbert L. Matthews in der «New York Times» vom 24. Februar 1957 nach einem Gespräch mit Castro in der Sierra Maestra.)

Ich sagte zu Cintio und Fina, ich hätte diese Revolution nur oberflächlich kennengelernt. Aber sie sei von einschneidender Bedeutung in meinem Leben gewesen. Es sei nach meiner religiösen Berufung das wichtigste Erlebnis meines Lebens gewesen. Und in gewissem Sinne eine zweite Berufung. Ich habe entdeckt, dass in der heutigen Zeit und in Lateinamerika seinen Glauben leben Revolution machen bedeutet. Es kann keine glaubwürdige Eucharistie geben als nur in einer klassenlosen Gesellschaft (. . .) Die Zuteilungskarten machen von neuem die Liebesmahle möglich. Und in Kuba hatte ich auch gesehen, dass der Sozialismus es möglich macht, das Evangelium mitten in der Gesellschaft zu leben. Früher konnte man das Evangelium nur als Individuum oder aber in den Klöstern leben. Fidel hat uns mit dem Kommunismus versöhnt. (Ernesto Cardenal: In Kuba. Bericht einer Reise. Wuppertal 1972. Der nicaraguanische Priester Cardenal war später Kulturminister des sandinistischen Regimes.)

Es hat spanische Monarchen gegeben, die gross und berühmt sein wollten und sich deshalb mit Zwergen, Idioten und Krüppeln umgaben. Die Geschichtsschreibung ist nicht gnädig mit ihnen verfahren und hat ihre Zeit «Dekadenz» genannt. Doch Ihr Ziel ist nicht die Dekadenz, sondern die Steinzeit. Sie fordern von Ihren Getreuen, der Intelligenz, den Selbstmord, um sie dann mit versteinertem Hirn in die Steinzeit der Seele zurückzujagen. Ist dieses Ziel erst erreicht, können alle verkünden: «(. . .) Kuba ist das erste freie Land Amerikas.» Nehmen Sie Ihre Hände von Kuba. (Fernando Arrabal: Im Schatten der roten Inquisition, 1984. Der Text hat die Form eines offenen Briefes an Fiedel Castro.)

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