NZZ Folio 03/92 - Thema: Karrieren   Inhaltsverzeichnis

Managerworte

Gerüstet für die Zukunft - Unternehmer formulieren ein Anforderungsprofil.

Von Andreas Heller

Zu welcher Rolle die Schweiz im vereinten Europa auch findet: Der Zusammenschluss Europas zu einem grossen gemeinsamen Binnenmarkt sowie der härtere Konkurrenzkampf zwischen den Handelsblöcken werden die schweizerische Exportindustrie auf eine Bewährungsprobe stellen. Wer wird die Prüfung bestehen? Wir baten drei Unternehmer mit internationaler Erfahrung um ein Anforderungsprofil für den Manager der neunziger Jahre. Ihr Idealbild skizzieren: Urs Bühler, Vorsitzender der Konzernleitung der in Uzwil SG domizilierten Bühler AG, ein weltweit operierendes Familienunternehmen des Anlagen- und Maschinenbaus; Enrico A. Tissi, Delegierter des Verwaltungsrates der Elco Looser Holding AG, führender Produzent von Öl- und Gasbrennern; und Alfred N. Schindler, Vizepräsident des Verwaltungsrates und Vorsitzender des Konzernleitungsausschusses der schwergewichtig im Bereich Aufzüge und Fahrtreppen tätigen Schindler AG.

Offen und beherrscht

«In der Welt der neunziger Jahre brauchte es Manager, die in der Ausübung ihrer unternehmerischen Verantwortung den Mut haben, zeitgerecht weitreichende Entscheide zu fällen. Zögerer werden überrollt.

Der Topmanager entscheidet als Generalist. Dennoch sollte er Erfahrungen als Könner in einem Fachgebiet mitbringen. Nur so vermag er seine Spezialisten zu Spitzenleistungen zu führen.

Auch in Zukunft muss der Manager Sicherheit ausstrahlen. Er muss offen und beherrscht auftreten, darf sich selbst aber nie zu wichtig nehmen. Dank seiner Kreativität, seiner Ausstrahlung und seinem Fachwissen wirkt er auf die Mitarbeiter motivierend und vermittelt ihnen das Gefühl, sich für das richtige Unternehmen und die richtige Sache einzusetzen.» Urs Bühler, Bühler AG

Generalist mit Spürnase

«Voraussetzung für den Einstieg in eine Karriere ist nach wie vor eine gute Ausbildung in einem Spezialgebiet, wobei die jeweilige Richtung, technisch oder ökonomisch, von sekundärer Bedeutung ist. Im weiteren Verlauf seiner Laufbahn sollte der Manager dann zum Generalisten geworden sein. Er muss sich für Politik, für Kultur, seine Umwelt interessieren, denn nur so wird er mit einer feinen Spürnase neue Trends erkennen können.

Internationalität ist heute unabdingbar, weshalb wir grosses Gewicht auf einen Auslandaufenthalt, sei es noch während des Studiums oder während eines Praktikums, legen. Die ideale Führungspersönlichkeit von heute ist sodann Teambildner, Motivator und Animator. Und nicht Befehlender, nach dem Muster der Unteroffiziersschulen von ehedem. Er muss mit Menschen umgehen können; wenn er in einem Verein oder bei den Pfadfindern schon einmal Verantwortung übernommen hat, so ist dies bei der Selektion zweifellos ein gewisser Vorteil.

Ein Manager ist ein Macher. Er ist oft vor Ort und verharrt nicht als Delegierender hinter dem Schreibtisch. Er muss ein Verkäufer sein und sich mit seiner Firma und ihren Produkten hundertprozentig identifizieren können.

In einem Satz: Persönlichkeit, Kommunikationsfähigkeit und Ausbildung sind ? in dieser Reihenfolge ? die Kriterien, an denen der gute Chef zu messen ist.» Enrico A. Tissi, Elco Looser Holding AG

Richtige Mischung

«Das Anforderungsprofil einer Führungskraft hat sich in den letzten 2000 Jahren wohl kaum verändert ? was sich hingegen stark verändert hat, sind die Management-Tools, die Zeitkonstanten und die Dimensionen der >Spielwiese<.

Wirkung im Ziel erfordert immer eine Mischung verschiedener Eigenschaften. Auf der Ebene der Persönlichkeit zum Beispiel: Kreativität, Mut, analytisches und intuitives Denken, Ausdauer, Ehrlichkeit, Geduld, Humor, Bescheidenheit und Lernfähigkeit. Auf der Ebene der Führungsprinzipien: Frontnähe und Teamfähigkeit, Flexibilität, Sinn für Prioritäten, Durchsetzungsvermögen sowie Kunden- und Benutzernähe, Empathie. Je nach Aufgabenstellung muss die Mischung anders gewichtet werden, und daher ist Führung dem Wesen nach eher eine Kunst, bei der auch das Glück mitspielt. Künstler ohne Glück machen selten Karriere . . .» Alfred N. Schindler, Schindler AG




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