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NZZ Folio 04/07 - Thema: Heiraten   Inhaltsverzeichnis

Zerlegt -- Den Frauen Beine machen

© Patrick Rohner
Leggings, Viskose und Elastan, H & M, 19 Franken 90. Linktext
Von Jeroen van Rooijen
Die Leggings sind zurück. Hier ist von jener eng anliegenden Stretchhose die Rede, die Mitte bis Ende der 1980er Jahre letztmals gross in Mode war und dann ein Schattendasein als sicheres Merkmal für schlechten Geschmack führte. Aber jetzt zeigt kaum eine internationale Modenschau keine Leggings, und alle sogenannten «It-Girls» tragen sie: Lindsay Lohan, Sienna Miller, Kate Moss – sogar die «Leggings-Urmutter» Madonna, die 1985 im Film «Desperately Seeking Susan» die letzte Leggings-Welle verkörperte, trägt sie wieder.

Kostümhistorisch lassen sich die engen Hosen viel weiter als bis in die 1980er zurückverfolgen. Sie waren als «Culottes» schon im 18. Jahrhundert ein Hit, bevor sie von der Französischen Revolution und den «Sansculottes» aus den Palästen verjagt wurden. Robin Hood und seine Männer fühlten sich im Sherwood Forest wohl darin. Und auch die nordamerikanischen Ureinwohner sollen mit ihren «Lederstrümpfen» sehr gut ausgesehen haben.

Was soll man von diesem Comeback halten? Eine Frau, die den Trend vor zwanzig Jahren mitgemacht hat (und damals zwischen 15 und 25 war), ist heute wahrscheinlich besser beraten, das Thema mit einiger Vorsicht anzugehen. Immerhin braucht man für Leggings lange, schlanke Beine und ein nicht zu breites Becken. Deswegen hängen die meisten Leggings derzeit in den Young-Fashion-Abteilungen der Modehäuser und nicht mehr bei der Homewear, wo sie in der Zwischenzeit lagerten.

Heute werden die Leggings nicht mehr «pur» getragen, sondern als fusslose Strumpfhose unter einem kurzen Rock oder als Kontrast zu den gerade auch wieder angesagten weiten Röcken – vor zwanzig Jahren mussten sie bekanntlich mit hohen Hacken, Lederjacke und Dauerwelle kombiniert werden, um authentisch zu sein. Heute sind die Leggings zudem meist schwarz oder dezent gemustert; früher waren schreiend bunte Muster oder glänzendes Neon gefragt.

An Schnitt und Material der Hose hat sich seit ihrem letzten Erscheinen allerdings nicht viel geändert. Die «80’s-Faser» Lycra, die schon für den ersten Boom der Stretchhose verantwortlich war, ist auch heute noch unerlässlich. Lycra oder andere Stretchfasern wie Spandex oder Elastan sorgen dafür, dass die Leggings auch nach mehrmaligem Tragen keine Kniebeulen bekommen.

Die auf dieser Seite zerlegten Leggings sind aus dem wöchentlich wechselnden Frühjahrssortiment von H & M. Die in Litauen genähte, mit kleinen silbergrauen Dreiecken und rosa Punkten gemusterte Hose besteht aus einem weichen, leichten Stretch (96 Prozent Viskose, 4 Prozent Elastan). Sie ist aus lediglich zwei Teilen geschnitten und kommt ganz ohne Seitennaht aus. Die am Innenschenkel verlaufende Längsnaht ist mit einem hochelastischen Overlockstich genäht, der Bundabschluss wird nur umgelegt und mit einem eingenähten Gummiband gesichert. Mit demselben zweireihigen Stich wie der Bund wird auch der Saum versäubert. Der Arbeitsaufwand für eine solch schlichte Hose dürfte, inklusive des mehrlagigen Zuschnitts, nicht mehr als vier Minuten betragen. Dafür ist der Preis von unter 20 Franken vertretbar.

Jeroen van Rooijen ist Moderedaktor bei der NZZ.



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