Modellflug: Freizeitsport für Technikfreunde (Frauenanteil 0,0021 Prozent weltweit). Disziplinen: Segelflug, Motorflug, Elektroflug, Helikopter, Raketen. Wichtige Regel: Einsteiger beginnen mit einfachen Freiflug-Segelmodellen; bei guter Führung ist dank hoher Eigenstabilität auch ein Hochdecker-Motormodell möglich. Die Schweizer Koryphäen: Andreas Böhlen (Weltmeister F3B ferngelenkte Segler), Andreas Lüthi (Welt- und Europameister massstabgetreue Modelle) sowie Andreas Tschanz (Weltmeister magnetgesteuerte Freiflugmodelle).
ES PASST ZUM MODELLFLUG, dass sein Pionier lieber Seemann geworden wäre. Männerhobbies haben immer eine leicht tragische Note. Und so ist denn auch der Absturz des in tausend Stunden Fronarbeit liebevoll gebastelten Kleinstflugzeugs für den Modellflieger nicht etwa eine Katastrophe, vielmehr die conditio sine qua non dieses geflügelten Steckenpferds: Nur wer hin und wieder im Massstab 1 : 4 am Boden zerschellt, weiss das Hochgefühl des wirklich gelungenen Freiflugs zu schätzen. Nur wer auf dem Flugfeld mit seinem Semiscale-Dreidecker Fokker DR 1 tausend Tode stirbt, kann nach ausnahmsweise gelungener Landung das tiefe Glück des Überlebenden geniessen.
Alphonse Pénaud, Sohn eines Admirals, musste die Idee einer Laufbahn zu hoher See infolge Krankheit aufgeben. Statt aufs Wasser richtete er sein Augenmerk in die Luft, und das Resultat war ein geniales Flieg-Zeug namens Planophore, voller aerodynamischer Innovationen. Es hatte eine Stabilisierungsflosse und offenbar auch schon eine ausgeklügelte Einstellwinkeldiffe renz (ein bis heute unter Modellfliegern heftig diskutierter Begriff), wies einen halben Meter Spannweite auf, wog 16 Gramm und wurde von einem sogenannten Gummimotor angetrieben, dessen Propeller ein Uhrmacher aus vergoldetem Aluminium massfertigte.
Planophore flog, per Handstart lanciert, auf Anhieb sensationelle 60 Meter, was Alphonse Pénaud umgehend der Société française de navigation aérienne vorführte. Allein, ihre Mitglieder hielten es (im Zeitalter der Dampfmaschinen) für absurd, dass so ein Winzling aeronautisch etwas taugen könnte. Tragisches Ende des ersten Modellflugs: Der verkannte Pionier brachte sich, erst 30-jährig, um, dies notabene, nachdem er auch seine Flugmodelle in einen kleinen Sarg gebettet hatte.
Alphonse Pénaud würde Augen machen, geriete er anno 2004 in die Abflugschneise eines modernen Modellflugvereins! Allein in der Schweiz gibt es heute 162 Modellfluggruppen mit 6800 Mitgliedern (50 davon weiblich). Sie sind im normalen Leben Liegenschaftsverwalter, Turnlehrer, Dermatologen oder Steuerberater, doch kaum haben sie die Tragriemen der Fernsteuerung um den Hals, sind sie ein einig Volk von Bodenpiloten.
Treffpunkt ist bei fast jedem Wind und Flugwetter eine sauber abgemähte Wiese. Am Rand des Flugfelds, direkt neben der Grillecke, steht eine lange Theke, auf der die Clubmitglieder die Palette ihrer aktuellen Modelle aufreihen: schmucke Segler, militante Mini-Pilatusporter (mit dem klassischen Rasenmähersound), Elektrohelikopter, mehrstufig abschiessbare Modellraketen und neuerdings auch die beliebten «Swifts», ein rumpfloses Propellerflugzeug, das sich dank unzerstörbaren Kunststoffflügeln gut für kleine Luftkriege eignet.
Noch wichtiger als die Flugbewegungen sind die Fachgespräche zwischen den Starts. Neulinge brauchen Jahre, bis sich ihnen die Modellflieger-Rhetorik erschliesst: «Ich habe ein Dual-Rate-Problem, weil mit den zwei Querruder-Servos brauchst du ja einen Mischer.» Oder: «Er sollte zuerst am Boden mental durchspielen, wie er knüppeln muss, um ihn zu halten!» – Immerhin allgemeinverständlich sind des Modellfliegers letzte Worte kurz vor dem Einnachten: «Hast du noch Akku, oder bist du leer?»