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Zerlegt -- Glamour mit Bodenhaftung
© Patrick Rohner, Zürich
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| Handtasche D-Bag, naturfarbenes Vacchetta-Kalbsleder, Tod’s, 1590 Franken. |
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In Italien gegerbtes Kalbsleder und altbewährtes Sattlerhandwerk machen eine Handtasche zum wertstabilen Klassiker jenseits des launischen Zeitgeists.
Von Jeroen van Rooijen
Es gibt sie noch, die «guten Italiener», die nicht (wie der Premierminister) lügen, andere Leute reinlegen, in die eigene Tasche wirtschaften und ihr Land vergammeln lassen, sondern die traditionellen Werte der italienischen Design- und Handwerkskultur hochhalten. Einer von ihnen ist Diego Della Valle, 57, Gründer und Patron der Tod’s Group, zu der Marken wie Tod’s, Hogan, Fay oder Roger Vivier gehören. Herzstück der Gruppe ist das Label Tod’s, das Della Valle einst als «J. P. Tod’s» gründete und unter dem er seine ersten Erfolge mit genoppten Autofahrer-Mokassins feierte. Heute ist Tod’s ein «Global Brand», der weit mehr als die bekannten «Gommini» produziert: Kleidung, Accessoires – und Handtaschen.
Mit Modellen wie der eleganten D-Bag hat sich Diego Della Valle auch den Respekt der Fachleute geholt. Die D-Bag nimmt es mit klassischen Evergreens wie der Kelly von Hermès oder der Speedy von Louis Vuitton auf – jedenfalls, seit das 1997 erstmals vorgestellte Modell vor fünf Jahren von Tod’s Kreativchef Derek Lam überarbeitet worden ist. Die D-Bag will eine elegante und praktische Universaltasche sein für Frauen mit Glamour und Bodenhaftung, so wie Nicole Kidman, Julianne Moore oder Diane Kruger, die alle mit D-Bags von Tod’s unterwegs sind.
Zugeschnitten wird die D-Bag aus einem einzigen grossen Vacchetta-Kalbsleder, das in Italien gegerbt wird. Die Haut wird nicht künstlich gefärbt, sondern behält ihren natürlichen Farbton, der sich mit der Zeit etwas verändert und eine Patina bekommt. Genäht wird in Vallina in der Nähe von Florenz. Dabei kommt Handwerk zum Einsatz, das Tod’s bei traditionsbewussten Sattlern gelernt hat.
Die Nahtkanten sind sorgfältig ausgeschärft, die von Hand im Sattelstich genähten Fäden werden rückseitig verleimt, die Beschläge felsenfest verschraubt. Auch sind die Schnittkanten aller Teile fein säuberlich mit einer leicht kontrastierenden Farbe abgestrichen. Dutzende von Einzelteilen, bis hin zum Futter, werden erst zu kompletten Bausätzen zusammengestellt. Von diesem Moment an begleitet jeder Mitarbeiter «seine» Tasche bis zur Fertigstellung.
Die D-Bag hat für Tod’s grosse strategische Bedeutung. In einem Luxusmarkt, der sich verstärkt den wertstabilen Klassikern zuwendet, soll sie dafür sorgen, dass die Marke die Launen des Zeitgeists, der auch die italienischen Marken heftig durchgeschüttelt hat, gelassener wegsteckt. Drei Grössen sind erhältlich: ein kleines Tagestäschchen für den unbeschwerten Stadtbummel, eine mittelgrosse Universaltasche und eine extragrosse Version, fast schon ein Weekender.
Wem eine solche Tasche «ab Stange» noch nicht exklusiv genug ist, der kann sich seine D-Bag nach eigenen Wünschen fertigen lassen: Bei Tod’s an der Rue du Faubourg-St-Honoré in Paris lässt man sich im Séparée beraten und holt nach drei Monaten seine D-Bag ab. Die kostet dann natürlich mehr als die Standardversion. Aber für den Preis bekommt man bei den Konkurrenten höchstens eine exklusive Schreibmappe.
Jeroen van Rooijen ist Moderedaktor bei der NZZ am Sonntag.
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