WILLI BRÜNDLMAYER zählt zu den besten Weinproduzenten Österreichs, dessen Markenzeichen überaus klare, saubere Weine sind. Dazu gehört besonders auch der «Grüne Veltliner», der nichts mit dem Veltlin zu tun hat und der bei manchem Schweizer immer noch unangenehme Erinnerungen an die Jahre 1979 bis 1982 weckt, als die Eidgenossen in grossem Umfang österreichische Billigweine importierten, um den heimischen Ernteausfall zu kompensieren.
Doch diese Zeiten sind glücklicherweise endgültig vorbei. Neben frischem, unkompliziertem Heurigen werden heute von dieser vielseitig einsetzbaren Rebsorte einige grossartige Weissweine gekeltert, die in Blinddegustationen - wie erst wieder kürzlich in London gezeigt wurde - sogar teuerste weisse Burgunder übertreffen können. Die besten Gewächse reifen erstaunlicherweise im Vergleich zum Riesling länger und entwickeln mit höherem Alter auch keinen störenden Petrolton.
Einige der besten Grünen Veltliner kommen zweifellos aus Willi Bründlmayers Rebgärten in Langenlois bei Krems, einer Region, die den unschätzbaren Vorteil hat, dass sie gewissermassen im Windschatten der Alpen liegt. Oktober und November gehören dort zu den trockensten Monaten. Und es besteht somit kaum Gefahr, dass Regenfälle die Qualität der Trauben beeinträchtigen, wie dies in so vielen europäischen Weingebieten der Fall ist. Deshalb kann auch die Reifeperiode stark ausgedehnt werden. Die nur wenige Kilometer von der Donau entfernten Rebberge profitieren ausserdem von der ausgleichenden Wirkung des Wassers, ohne unter einer hohen Luftfeuchtigkeit - mit dem Risiko von Pilzkrankheiten - zu leiden.
Seinen besten Grünen Veltliner erntet Bründlmayer in der Lage «Lamm», die östlich an den berühmten «Heiligenstein» anschliesst. Im Vergleich zum vorgelagerten «Heiligenstein» ist die Lage «Lamm» windgeschützter und noch etwas heisser; Bründlmayers Stöcke stammen aus den fünfziger Jahren und wachsen auf kalkreichem Lehm. Sie erbringen häufig Weine von gewaltiger Konzentration, ohne dabei plump zu wirken.
Die Vegetationsperiode verlief 1997 nahezu bilderbuchmässig und ohne irgendwelche Probleme. Die Trauben des 97er «Lamm» wurden erst im November gelesen und ergaben - ohne Botrytis - einen geradezu barocken, überaus kraftvollen Wein mit 14,5 Prozent natürlichem Alkoholgehalt. Er wurde während einiger Monate - ähnlich wie die weissen Burgunder - im kleinen Eichenfass auf der Hefe gelagert. Bereits in seiner Jugend hat Bründlmayers Grüner Veltliner aus der Spitzenlage viel Schmelz und eine intensive, im Moment noch etwas neutrale Frucht mit einer erfrischenden, mineralischen Note.
Mit zunehmendem Alter dürften sich dann noch weit komplexere Aromen entwickeln. Der Wein ist somit bestens geeignet für eine längere Lagerung im dunklen Keller, wo er gut und gerne über zwanzig Jahre vor sich hin schlummern kann.