Die Zeiten des schnellen Geldes gehören der Vergangenheit an: Die Imperien der Finanzwunderkinder Maxwell, Trump, Rey und Konsorten sind unter der Zinslast der Schulden zusammengekracht; und auch die Yuppies ein paar Stufen tiefer sind wohl endgültig dem reichen Fundus flüchtiger Modeerscheinungen zuzurechnen.
Nein, die allzu flinken Karrieristen sind nicht Ausdruck der neunziger Jahre (es sei denn, man wende den Blick nach Osteuropa, dorthin, wo der Wechsel zur Marktwirtschaft erst jetzt den Raum für eigene Initiative geöffnet hat). Die westliche Wirtschaft dümpelt in einer Konjunkturflaute. Da wird nun schärfer kalkuliert, gespart, entlassen; der direkte Weg nach oben ist folglich von einem andern Schwierigkeitsgrad. Denkbar, dass sich jetzt behauptet, wer auch Rückschläge verkraftet und über den berühmten langen Atem verfügt, auch Umwege zu gehen. Eine Prognose sei immerhin gewagt: In den neunziger Jahren werden andere Laufbahnen von sich reden machen als im Jahrzehnt zuvor.
In diesem Heft ist denn auch eine Reihe von sogenannten Karrieren beschrieben, die geprägt sind von unvorhersehbaren Wendungen. Nicht die nahtlose Karriere, sondern der Bruch war das Kriterium der Auswahl. Die Erkenntnis am Schluss dann nur auf den ersten Blick verblüffend: Oft sind es die Umwege, die auf höchste Gipfel führen. Weil in einer zunehmend vernetzten Umwelt Erfahrung in verschiedensten Bereichen eben doch ein immer dringenderes Erfordernis ist?
Wie die Grenzen zerfliessen, mögen zwei Aussagen in diesem Heft illustrieren: Carlo Rubbia, mit dem Nobelpreis ausgezeichneter Physiker und heute als Generaldirektor des Cern in Genf vor allem als Manager tätig, sagt: «Ein wissenschaftliches Team zu führen ist, wie ein Opernhaus mit lauter Pavarottis zu leiten.» Alexander Pereira, ehedem Manager einer Computerfirma und heute Direktor des Zürcher Opernhauses, fordert, von der andern Seite her argumentierend, dass Kriterien des Managements auch in Kulturinstitutionen Einzug halten. Zum Ausdruck gebracht haben im Kern beide dasselbe: Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst sollten wieder vermehrt zueinander finden - auch ein Plädoyer für interdisziplinäres Denken.