Was Alain Gérard in Moskau macht, hätte ihn noch vor zehn Jahren direkt in die Keller des KGB gebracht. Der jovial wirkende Nuklearphysiker aus Paris hat sich an der Luganskaja-Strasse in den Räumen eines ehemaligen staatlichen Forschungslabors einquartiert, von wo aus er jetzt Tag für Tag mit den besten Köpfen der russischen Wissenschaft verhandelt, um sie von der militärischen Forschung auf zivile Kooperationen mit dem Westen umzulenken. Dabei handelt Gérard mit seinen 120 Helfern aus 11 Nationen im vollen Einverständnis der russischen Regierung - ja die Besucher gelten heute als Retter in der Not.
Eine Not, die man sich grösser kaum denken kann. Arbeiteten in der Sowjetunion im Jahr 1990 zwei Millionen Männer und Frauen in den Wissenschaften, so schrumpfte dieser Bestand mit dem Untergang des Imperiums nach 1991 innert drei Jahren auf noch 640 000 Leute. Noch dramatischer war der finanzielle Aderlass. Investierte die Weltmacht für Forschung und Entwicklung 1990 umgerechnet etwa 12 Milliarden Dollar, so sackte das Budget 1996 auf 2,4 Milliarden ab - wobei aber nur ein Drittel ausbezahlt wurde. Die Rubelkrise im Sommer 1998 liess das staatliche Forschungsbudget 1999 schliesslich auf mickrige 640 Millionen dahinschmelzen - eine Summe, wie sie in der Schweiz jedes Jahr allein der ETH-Bereich erhält.
Für die russische Forschergilde als besonders nachteilig erwies sich, was ehemals zu Ansehen und Wohlergehen geführt hatte: Gegen 80 Prozent aller wissenschaftlichen Tätigkeit waren in der Sowjetunion mit dem gehätschelten «militärisch-industriellen Komplex» verknüpft, der neben Raketen, Atomwaffen und Unterseebooten auch Fernsehapparate und Waschmaschinen produzierte. Als Moskau sein Imperium und damit auch das gigantische Waffengeschäft verlor, platzte die rüstungstechnische Seifenblase. Flugzeugindustrie und Schiffsbau kollabierten - es gibt heute in Russland keine nennenswerte aviatische und marine Forschung und Entwicklung mehr. Und die Weltraumfahrt, ehemals der Stolz der Nation, hat heute ein Budget vergleichbar mit jenem Indiens. Um nicht ganz unterzugehen, versuchen die russischen Weltraumhelden jetzt für eine Handvoll Dollar sich mit ihrer veralteten Mir-Raumstation im Tourismus zu vermarkten.
Auf solches Elend stiessen 1994 Alain Gérard und seine Crew. Sie sind die Vollstrecker des International Science & Technology Center (ISTC). Gegründet von den USA, der EU, Japan und Russland, setzte sich die Organisation zum Ziel, möglichst viele Waffenspezialisten der ehemaligen Sowjetunion für friedliche wissenschaftliche Arbeit zu gewinnen. Denn mindestens so brisant wie die russischen Lager an Atomsprengköpfen sind in den Augen westlicher Abrüstungsexperten die arbeitslos gewordenen Köpfe, welche diese Massenvernichtungswaffen ausgeheckt hatten. Aufgeschreckt durch Begehrlichkeiten atomarer Möchtegerne wie Iran, Libyen oder Nordkorea, richteten die westlichen Nationen das Süppchen der Nonproliferation mit der grossen Kelle an: Bis Ende 1999 sind mit einem Budget von 250 Millionen Dollar 840 Forschungsprojekte für insgesamt 350 Institute der GUS (die Staaten der ehemaligen Sowjetunion) unterstützt worden. Mittlerweile haben 24 000 Waffenforscher Stipendien erhalten; Zehntausende sind auf der Warteliste.
«Wir sind vor allem an den Topleuten interessiert, denn nur diese könnten mit ihrem Know-how gefährlich werden», sagt Gérard, «wir haben jetzt immerhin einige Tausend der besten Leute unter Vertrag.» Das mehrere Seiten lange Verzeichnis der beteiligten Institute enthält fast alles, was in der Sowjetforschung Rang und Namen hatte. So auch die Decknamen Arzamas-16 und Tscheljabinsk-70, geheime Atomforschungszentren, die im grünen Nirgendwo aus dem Boden gestampft worden waren. «Solche Orte sind im Prinzip immer noch geschlossen», erklärt Gérard die Praxis, «im Rahmen der ISTC-Projekte erteilen die Russen aber den westlichen Forschungspartnern selektiven Zutritt.» Was man dort zuweilen sehe, lasse die Experten staunen. So entdeckten amerikanische Physiker in einem geheimen Labor eine riesige Explosionskammer, wie man sie sich nie erträumt hatte. Umgekehrt machten Russen dem ISTC Vorschläge für «wichtige technische Entwicklungen», die im Westen längst Laborschrott waren.
Das ISTC will die russischen Wissenschafter nach jahrzehntelanger Isolation mit der internationalen Fachwelt in Kontakt bringen. 1999 reisten mit dem Programm 1300 russische Spezialisten in die offene Welt. Auch nach Genf ans Cern. Das Europäische Laboratorium für Teilchenphysik hatte schon zu Sowjetzeiten Kontakte zu russischen Physikern; nun ist eine noch intensivere Zusammenarbeit möglich. Im letzten November gab das Cern den Russen einen Auftrag über acht Millionen Dollar. In Bogoroditsk soll bis ins Jahr 2002 eine Massenproduktion von Blei-Wolfram-Kristallen auf die Beine gestellt werden, die man in Genf in der künftigen LHC-Maschine (Large Hadron Collider) als Detektoren für hochenergetische Strahlung einsetzen will.
Damit die Russen auf dem unternehmerischen Neuland nicht übers Ohr gehauen werden, gibt das ISTC auch Nachhilfeunterricht, wie man seine Geistesblitze mit Patenten absichert und faire Kooperationsverträge schliesst. Unlängst ist ein Forschungskontrakt zwischen dem US-Ölgiganten Mobil und theoretischen Physikern aus Tscheljabinsk-70 für das Erarbeiten von Modellen für eine optimale Ölförderung aus porösen geologischen Lagerstätten abgeschlossen worden, wobei sich die Partner die Rechte am geistigen Eigentum teilen.
Und wie sieht Gérard die Chancen, dass man die Gefahren des militärischen Know-how tatsächlich in den Griff bekommt? Das Risiko eines heimlichen russischen Transfers von Raketen- oder Nukleartechnologie sei eher klein, denn derart komplizierte Technologie lasse sich nur mit grossem Aufwand verpflanzen. (Immerhin sahen sich die USA letztes Jahr veranlasst, nach dem Start einer iranischen Trägerrakete etliche russische Institute wegen vermuteten Know-how-Exports aus dem ISTC-Programm zu kippen.) Angst hat der Franzose aber vor den biologischen und chemischen Waffen, die technisch weit simpler sind. So gebe es in Russland noch umfangreiche Lager an Nervengiften und hochgefährlichen Viren wie Ebola.
Irina Moskalenko ist Ende Vierzig und Doktor der Physik. Sie arbeitet am Institut für Kernfusion, einem der legendären «Kurchatow-Institute», dem Zentrum früherer sowjetischer Atombombenforschung. In ihrem klapprigen Auto fahren wir zum riesigen Gelände im Norden Moskaus, passieren die strenge Polizeikontrolle, dann geht es über holprige Strässchen weiter zu ihrem Labor, vorbei an Häusern mit blinden Fenstern. Hier habe man gerade an einer Institutserweiterung gebaut, als mit dem Ende der Sowjetunion auch für die 14 000 Wissenschafter und Ingenieure des Kurchatow die Armseligkeit begann. Mittlerweile sei die Belegschaft auf 6000 gesunken. «Wir hatten hier die weltbesten Theoretiker für Plasmaphysik. Heute arbeiten von diesen 43 Spezialisten ausser zwei aber alle im Westen.»
Solcher «Brain drain» ist ein Hauptproblem des heutigen Russland. Um die 70 000 Forscher sind seit 1991 den Lockrufen aus dem Westen gefolgt - oftmals die besten. Dazu ist eine noch zehnmal grössere Zahl von Wissenschaftern in irgendein Business, vom Taxifahren bis zur Datenhackerei, abgewandert. Und ein paar Hunderttausend weitere gescheite Köpfe hocken ohne Arbeit zu Hause herum - in Moskau soll die arbeitslose Bevölkerung zurzeit im Durchschnitt einen höheren Bildungsgrad haben als die arbeitende.
Irina Moskalenko hat Glück gehabt. Nachdem sie noch im letzten Winter im Büro bei acht Grad Kälte geschlottert hatte, weil das Institut nicht einmal mehr die Heizrechnung (geschweige denn die Löhne) bezahlen konnte, hat das Kurchatow inzwischen finanziell wieder Tritt gefasst. Dem Institut ist es gelungen, einige der nutzlos gewordenen Forschungsgebäude der nach wie vor florierenden russischen Erdgasgesellschaft Gazprom als Büroraum zu vermieten. Irina selber hatte sich 1996 einen der begehrten ISTC-Kontrakte ergattert.
Sie ist Spezialistin für Laserdiagnostik und gehörte bereits vor 15 Jahren zum illustren Team der Fusionsforscher. Am Kurchatow war in den fünfziger Jahren der Tokamak erfunden worden, eine Technik, heisses Plasma mittels Magnetfelder in einen ringförmigen Metallschlauch einzusperren. Damit will man Atomkerne verschmelzen und so eines fernen Tages zum Zweck der Energiegewinnung auf der Erde nachvollziehen, was am Himmel die Sonne zum Leuchten bringt. Nachdem der Westen jahrzehntelang die Russen belächelt hatte, wollen jetzt Europa, Kanada, Japan und Russland gemeinsam den Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktor (ITER) bauen, eine Tokamak-Maschine, die erstmals für längere Zeit Fusionsenergie liefern soll.
Irina untersuchte mit ihren Lasern nicht nur das Plasma in den Fusionsmaschinen, sondern auch dünne Gaswolken im Weltraum. Nach dem Prinzip von LIDAR (Light Detecting and Ranging) schickte sie Laserstrahlen bis zu 200 Kilometer himmelwärts und analysierte aus dem reflektierten Licht, was für Gase im Weltraum vorhanden waren. Diese Arbeit brachte sie mit der Rüstungsforschung in Kontakt. Denn ihr LIDAR-Laser konnte jene Barium-Gaswolken messen, die die Russen als künstliche Störwolken gegen feindliche Raketen versuchsweise im Weltraum placierten.
Dank ISTC ist jetzt aus dem «Star war girl» (wie Irina ihre Vergangenheit nennt) eine Umweltlady geworden. Sie hat den Weltraumlaser zu einem mobilen LIDAR-System für das Messen von Luftverschmutzung umgebaut. Irina legt die Rechnung offen: Das ISTC hatte ihr 1996 für das Projekt eine halbe Million Dollar gutgesprochen. 200 000 Dollar kostete der Bau des neuen Lasers mit drehbarem Spiegelsystem. Den Grossteil des Kredites verschlang allerdings die Entwicklung der Elektronik. Sie musste auf Geheiss des Ministeriums vom Moskauer Research Institute of Pulse Technique bezogen werden, einem nach wie vor geheimen Betrieb, der für die Analyse von Nuklearexplosionen zuständig gewesen war. «Die haben dort jetzt schlicht keine Arbeit mehr, weshalb man mir halt 300 000 Dollar für die Entwicklung einer Elektronik abknöpfte, die ich auf dem freien Markt für einen Zehntel des Geldes hätte kaufen können. Auch eine Art Forschungsförderung», kommentiert Irina den Handel leicht säuerlich. Als persönliches Einkommen zahle ihr das ISTC monatlich 500 Dollar, was - verglichen mit den 1000 Rubel (35 Dollar), die sie als Laborchefin vom Staat erhält - geradezu fürstlich ist.
Für ihre Zukunft ist die Physikerin optimistisch, denn der Umweltlaser hat ihr gute internationale Kontakte gebracht. Für das Kurchatow stehen die Sterne weniger günstig. Auf dem Rundgang wandern wir durch menschenleere Hallen. Von der ehemals glorreichen Tokamak-Maschinenwelt sind bloss Relikte übriggeblieben. In Betrieb ist nur noch T-10, ein 25 Jahre alter Veteran. Das Prunkstück aber, T-15, der welterste Tokamak mit supraleitenden Magnetspulen, ist seit vier Jahren ausser Dienst. Für den Betrieb der Riesenmaschine wären jährlich 2,5 Millionen Dollar nötig, eine Summe, die das Ministerium für Atomenergie nicht mehr aufbringen kann oder will.
Während bei uns die Grundlagenforschung die Domäne der Hochschulen ist, gehen in Russland weniger als ein Prozent des nationalen Forschungsbudgets an die Universitäten. Die ehrwürdige Lomonossow-Universität, die mit ihren Türmen und Zinnen an eine Trutzburg erinnert, ist eine der wenigen Hochschulen, wo namhafte Forschung zu finden ist. Inga Poletajewa, knapp sechzig, ist Professorin für Neurobiologie und leitet ein Labor für Genetik und Verhaltensforschung. Nach dem Kollaps von 1991 hatte sie gerade noch Geld, um ihre Mäuse, Ratten und Krähen durchzufüttern; für Forschung blieb schlicht nichts.
So suchte sie in der internationalen Fachliteratur nach potentiellen Partnern im Westen. Dabei stiess sie auf Hans-Peter Lipp, Professor am Anatomischen Institut der Universität Zürich, und über das Osteuropaprogramm des Schweizerischen Nationalfonds kam schliesslich eine Forschungskooperation zustande. Inga Poletajewa konnte sich nun endlich eine Videokamera für die Tierbeobachtungen und einen Computer zur Auswertung der Daten beschaffen. Auch für den Zürcher Professor scheint die Rechnung zu stimmen. Denn er kann jetzt in Russland sein Forschungsprojekt dank billigem Laborpersonal mit einem Sechstel der in der Schweiz üblichen Kosten durchziehen. In einem Freilandgehege in der Taiga beobachtet Lipp nun mit seinen russischen Partnern, wie sich Schweizer Labormäuse an eine fremde Umgebung, inklusive gefrässiger Eulen, gewöhnen.
Bereits nach wenigen Generationen lassen sich charakteristische Veränderungen an den Tiergehirnen feststellen: die harte Natur scheint einen eher aggressiven Mäusetyp zu bevorzugen. «Solche Mikroevolution passiert jetzt wohl auch bei uns russischen Forschern, indem sich vermehrt die frecheren durchsetzen», witzelt Inga. «Was mir aber grosse Sorgen macht, ist der Nachwuchs.» Man könne nur noch in Moskau oder Petersburg eine brauchbare wissenschaftliche Ausbildung erhalten. Und an diese Hochschulen komme praktisch nur, wer bereits in Moskau im Gymnasium gewesen sei oder reiche Eltern habe. So gingen der russischen Forschung sehr viele Talente verloren, was sich früher oder später bitter rächen dürfte.
Mein letzter Besuch gilt einem Exoten unter den russischen Forschern: einem High-Tech-Unternehmer. Khassanbi Erganokow ist Mitte Vierzig und Physiker. Er war in der Grundlagenforschung mit Supraleitung beschäftigt, bis auch seinem Institut der Schnauf ausging. Da für Supraleitung sehr tiefe Temperaturen nötig sind, hat Erganokow viel Erfahrung mit Kryotechnik, was er jetzt für eine neue Karriere nutzt. Zusammen mit einem Kollegen gründete er 1996 die Firma Cryotec. Die Jungunternehmer entwickelten für die Kryochirurgie eine lange Sonde, deren Spitze mit flüssigem Stickstoff bis auf minus 190 Grad Celsius hinunter gekühlt werden kann. Damit lassen sich in der Gynäkologie oder in der Dermatologie kranke Zellen unblutig und fast schmerzlos zerstören. Die Cryotec verkauft nun pro Jahr 250 Geräte.
«Wir könnten noch 70 mehr absetzen», sagt Erganokow, «da wir aber nicht selber produzieren und die Geräte von externen Zulieferanten bauen lassen müssen, sind wir vorderhand limitiert.» Er versuche jetzt für das Einrichten einer eigenen Fabrik Bankkredite zu bekommen, die jedoch zu vernünftigen Zinssätzen kaum zu haben seien.
Cryotec ist nur eines von 1300 neuen Kleinunternehmen, die seit 1994 vom Fund for Assistance to Small Innovative Enterprises unterstützt werden. Der Fonds ist der Versuch Russlands, technisches Wissen auch ausserhalb der sonst allumfassenden staatlichen Forschung einzusetzen. Dazu investiert die Regierung jährlich sieben Millionen Dollar, etwa ein Prozent des staatlichen Forschungsbudgets.
Der Besuch am Sitz des Fonds am Leninsky Prospekt zeigt ein Bild, wie man es sonst in russischen Büros kaum sieht: hübsche Möbel aus Chromstahl und Leder, helle Räume, moderne Telefone und Computer auf dem Tisch. Der Fonds wird vom jugendlich wirkenden Piotr Begidschanow geleitet. «Wir spielen keineswegs den Weihnachtsmann, denn Geld bekommt nur, wer eine harte Selektion besteht.» Bei jedem Gesuch prüfen mehrere externe Experten, ob die Sache wissenschaftliche Qualitäten hat, der Finanzplan solide ist und für das anvisierte Produkt auch ein Markt besteht. Natürlich müsse man auf dem Weg in die freie Marktwirtschaft noch viel lernen, meint der Geburtshelfer für kleine High-Tech-Firmen. Mittlerweile aber bringe bereits die Hälfte der Fonds-Projekte ihre Produkte in den Handel.
Begidschanow klickt seine Kinder eins ums andere auf den PC-Schirm. Eine Gruppe von fünf Ingenieuren hat früher Metallskelette für Raketen entwickelt. Mit einer Starthilfe von 100 000 Dollar begannen sie 1995 Metallgerüste für Gewächshäuser zu fabrizieren. Heute stellen 700 Leute 150 verschiedene Metallprofile mit einem Jahresumsatz von 12 Millionen Dollar her. Der Kredit ist längst an den Fonds zurückbezahlt, die Firma verkauft jetzt sogar Lizenzen nach Deutschland. Ein Renner beim Fonds sind Softwarefirmen, denn dafür scheinen die Russen ein besonderes Flair zu haben. Und so schwappt nun auch über Russland Multimedia, vom Lernprogramm für die Atomindustrie bis zur CD-ROM «Treasures of the Tsars».
In Moskau und in Petersburg betreibt der Fonds mittlerweile eigene Technoparks, wo bis zu zwanzig Jungfirmen günstig unterkommen. Und damit nicht nur die ohnehin privilegierten Grossstädte zum Zuge kommen, hat man auch in Penza, Taganrog, Tula und 50 weiteren Orten Vertretungen eingerichtet. Was da so alles an Ideen zusammenkommt, zeigt ein Gang entlang der Produkteschau in der Moskauer Zentrale: Schweisselektroden und künstliche Herzklappen, Ventilatoren und Hörgeräte, Salben und Pillen. Geradezu rührend ist, was ausrangierte Raumfahrtingenieure hier verkaufen: Sie haben den Bauplan der russischen Raumfähre 500mal geschrumpft und offerieren «Buran» nun fürs Kinderzimmer.
Herbert Cerutti ist Wissenschaftsredaktor der NZZ.