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Editorial -- Wo Hänschen gelernt hat
Von Reto U. Schneider
Keine Frage, wir sind alle Experten. Lange genug haben wir diese Etablissements mit ihren Wandtafeln, geflochtenen Papierkörben und Linoleumböden von innen kennengelernt. Wir haben Quadratmeter von Tintenklecksen gekillt und kilometerlange rote Linien gezogen - drei Zentimeter vom Rand weg. Wir haben Stunden damit verbracht, die Nebenflüsse des Orinoco auswendig zu lernen, und Tage, Ausreden zu finden, weshalb wir sie noch immer nicht intus haben.
Wir haben das Wissen in uns aufgesogen, und waren wir nicht saugfähig genug, wurden wir darin getunkt. Und dann warteten wir Jahrzehnte darauf, den Satz von Pythagoras beim Anlegen eines Gartenbeetes endlich anzuwenden. Leute in Stadtwohnungen warten noch immer.
Wenn es um die Schule geht, kann uns niemand etwas vormachen. Wo Hänschen gelernt hat, vergisst Hans nimmermehr. Trotzdem enden die meisten Schuldiskussionen in einer Flut von gegensätzlichen Ratschlägen: Die alte Schule muss wieder her oder eine ganz neue; die Eltern sollen sich mehr einmischen oder weniger; ein strikter Lehrplan führt zu den besten Leistungen oder ein offener Lehrplan. Einig wird man sich allenfalls darin, dass die Lehrer zu viel Ferien haben - sofern kein Lehrer mitdiskutiert.
Wir sind auf Schulbesuch gegangen. Haben bei je einer Klasse in den USA, Japan, Schweden, der deutschen und der französischen Schweiz vorbeigeschaut, ihren Unterricht beobachtet, einen Schüler porträtiert, die Lehrer befragt. Einfach so, ohne bestimmte These im Kopf. Es sind alles öffentliche Schulen ohne grössere finanzielle Probleme. Schulen, die ihren pädagogischen Idealen einigermassen nachleben können.
Dabei haben wir herausgefunden, dass sich Gegensätze nicht unbedingt ausschliessen müssen. Viele Wege führen zum Ziel.
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