Roh ist auch der reinste Diamant nur ein Versprechen, das man zudem erst noch wahrnehmen muss: Als Edward VII. von England den Cullinan, den mit 3106 Karat grössten je gefundenen und ihm von der Regierung von Transvaal geschenkten Diamanten in Händen hatte, hielt er ihn für ein Stück Glas. In Facetten geschliffen hingegen ist der Diamant ein funkelndes Farbenspiel, ein flackerndes Feuer, eine Verführung zu Schönstem, eine Verlockung zu Schandtaten - eine Botschaft aus dem Jenseits, wo immer es liegt.
150 Dollar kostet in New York der Diamantschliff per Karat im Schnitt, 100 Dollar in Antwerpen, 40 in Tel Aviv. 7 Dollar kostet er in der Vorstadt Bombays, wo Subhas Mali 30 Rupien am Tag mit Schleifen verdient, einen Dollar, genug, um seiner Frau und den drei Kindern das Leben erträglich zu machen. Einen kleinen, 0,2karätigen Stein schleift Subhas Mali für den Dollar in die 58 Facetten des Brillanten. 18 000 Dollar bezahlt der Juwelier an der Zürcher Bahnhofstrasse seinem Lieferanten für den schönen zweikarätigen Stein, den er für eine Kundin in einen Ring fassen wird. 25 000 Karat Rohsteine werden in der botswanischen Jwaneng-Mine pro Tag aus den 16 000 Tonnen Erdreich gewonnen, die man dort täglich bewegt. Gegen 103 Millionen Karat ist weltweit die jährliche Ausbeute an Rohdiamanten (Umsatz: 5 Milliarden Dollar), über 20 Tonnen, nur zum kleinen Teil selbstverständlich Schmucksteine von Rang. Und nur sehr ausnahmsweise Steine von der Art, wie ihn 1934 die Frau des südafrikanischen Diggers Jacobus Jonker fand, der sich für den Erlös des 726karätigen Steines eine neue Frau kaufen konnte.
Diamanten bestehen aus nichts als Kohlenwasserstoff, dem Hauptbestandteil von Kohle. Man kann sie heute in bemerkenswerter Qualität, chemisch und kristallographisch identisch, kostengünstig künstlich herstellen; diese Diamanten sind aber nur für industrielle Zwecke gefragt. Denn wie sollte ein im Druckapparat erzeugter Stein über Heilkräfte verfügen, Gift wirkungslos machen, Angst und böse Geister vertreiben können wie es seit Menschengedenken die Diamanten vermögen, die es aus dem indischen Gott Bala auf die Erde geregnet hat, nachdem der Blitz ihn erschlug?