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Beim Coiffeur -- «Hochzeiten mache ich nicht mehr»
© Ernst Jaeger
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| Eric Bouquet, Port Camargue |
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Von Ernst Jaeger
Eric Bouquet, Port Camargue, Frankreich, ist 46 Jahre alt. Er ist ledig und lebt mit seiner Freundin in einer Wohnung über seinem Salon «Chez Eric». Neben dem Haareschneiden sind das Malen und das Herstellen von Skulpturen Erics Leidenschaft.
Was würden Sie mir für einen Haarschnitt empfehlen?
Ich denke, Sie sollten Ihre Haare lang tragen. Ich zupfe Ihnen auch noch die Augenbrauen. Sonst nehme ich nur an den Seiten ein paar kleine Schnittkorrekturen vor.
Haben Sie eine spezielle Methode?
Ich habe keine spezielle Technik entwickelt. Ich schneide so, wie ich mich gerade fühle, und hoffe, dass mein Kunde danach glücklich ist.
Warum sind Sie Coiffeur geworden?
Ich habe diesen Beruf von meiner Mutter gelernt. Sie lebt derzeit in Sète, südwestlich von Montpellier, und schneidet nur noch ihren besten Freundinnen die Haare.
Wie haben Sie Ihr Handwerk erlernt?
Sowohl das Haareschneiden als auch die Herstellung von Skulpturen und das Malen von Bildern habe ich im Blut. Es ist zu einer Passion geworden.
Was sind Ihre wichtigsten Werkzeuge?
Ich mache alles mit einem Kamm und einer Schere, für Feinkorrekturen benutze ich noch eine Rasierklinge. Ich brauche keine Lockenwickler oder sonstiges Zubehör. Ich verwende auch keine Gels, keinen Haarspray oder was man in anderen Salons sonst noch alles findet.
Was ist im Moment angesagt?
Es gibt keine Modeerscheinung mehr! Jeder Mensch hat seine eigene Mode. Also hat jeder die Frisur, die zu ihm passt.
Haben Sie viele Stammkunden?
Fast alle meine Kunden sind Stammkunden. Gelegentlich kommen noch neue hinzu, denen ich von Stammkunden empfohlen wurde. Mein Leben und auch mein Salon sind anders als die meisten anderen, sehr speziell eben. Ich höre gerne laute Musik, offeriere meinen Kunden mal ein Glas Wein und rauche während der Arbeit. Bei mir sehen Sie keine modernen Geräte, nur Kunst. Meine Malereien, meine Plastiken, meine selbstentworfenen Spiegel.
Wie oft kommen die Kunden zu Ihnen?
Die Leute aus der Region kommen alle ein bis zwei Monate zu mir. Ich habe aber auch viele Touristen in meiner Kundenkartei, weil Port Camargue ein Ferienort ist. Die rufen mich schon Monate vor ihren Ferien an, um während ihres Aufenthalts einen Termin zu reservieren.
Was für Leute sind das?
Meine Kundschaft kommt aus allen sozialen Schichten, es sind Junge, Alte, Lebensfreudige. Der Kunde, den ich nach Ihnen frisieren werde, ist behindert, und ich werde zu ihm nach Hause gehen, um ihm dort die Haare zu schneiden. Nur Hochzeiten mache ich nicht mehr, weil ich Gels und Haarspray nicht mehr benutze.
Welche Kunden sind die grösste Herausforderung für Sie?
Ich sehe das Haareschneiden nie als eine Herausforderung an. Alle meine Kunden vertrauen mir!
Haben Sie prominente Kunden?
Ich habe den Chansonnier Vivien Savage, der in den 1980er und 1990er Jahren in Frankreich sehr bekannt war, frisiert und auch Michel Sardou, einen Regisseur, Schauspieler und Sänger. Früher habe ich in St-Tropez Hunderte von Mannequins für ihren Auftritt auf dem Laufsteg frisiert.
Wem würden Sie gerne die Haare schneiden?
All den Leuten, die einen wirklich schlechten Haarschnitt haben.
Wann ist eine Frisur aus Ihrer Sicht gelungen?
Wenn sich der Kunde nach dem Haarewaschen selber problemlos frisieren kann.
Welche Reaktionen erleben Sie?
Das Glücksgefühl und das Lachen meiner Besucher und Besucherinnen sind mir am wichtigsten! Falls ich von Seiten des Kunden Zweifel verspüre, schneide ich natürlich auch nach «Rezept», so wie es gewünscht wird.
Wer schneidet Ihre Haare?
Da lasse ich niemanden ran. Nur meine Mutter oder ich selber schneiden meine Haare.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Die Leute mit meinem Handwerk glücklich zu machen. Leute von meinen Ideen zu begeistern. Ich habe den schönsten Beruf der Welt.
Ich sehe bei meiner neuen Frisur keinen grossen Unterschied, bin aber trotzdem sehr zufrieden.
Ihnen stehen lange Haare sehr gut. Schneiden Sie sie niemals zu kurz!
Chez Eric ist ein kleiner Salon in Port Camargue / Le Grau du Roi. Eric gestaltet seine Salons mit eigenen Skulpturen und Spiegeln. Bei seiner Arbeit verzichtet er auf jeglichen Schnickschnack; er arbeitet nur mit Kamm und Schere.
Preis für einen Haarschnitt Über seinen Umsatz äussert Eric sich eher zurückhaltend, an guten Tagen mache er etwa 300 Euro. Für einen durchschnittlichen Haarschnitt verlangt er 19 Euro.
Frankreich Einwohner: 64 102 140 BIP pro Kopf: 25 137 € Milch: 1l € 0.70 Kinobillett: € 8.– Zigaretten: € 5.40 Taxi: 10 km € 24.60
Ernst Jaeger ist Redaktions-Produzent bei NZZ Folio.
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