NZZ Folio 08/03 - Thema: Wir Affen   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Didaktik mit dem Rasierapparat

Von Reto U. Schneider

FÜR BÄRTIGE PROFESSOREN, die didaktisch nicht auf der Höhe sind, gibt es Hoffnung: den Rasierapparat. Das hat Jürgen Klapproth von der Universität Erlangen-Nürnberg festgestellt. Für die Arbeit «Barba facit magistrum – eine Untersuchung über die Wirkung eines bärtigen Hochschullehrers auf seine Studenten» (Schweizerische Zeitschrift für Psychologie, Vol. 35, S. 16–27) unterrichtete er drei Semester ohne Bart und dazwischen eines mit.

Dass «stationäre Reizcharakteristika bei der Objektperson» – gemeint sind in diesem Fall Bärte – auf das Urteil über die Persönlichkeit in einer Alltagssituation durchschlagen, vermutete der Professor aufgrund anderer Studien.

Für seine eigene Untersuchung liess Klapproth die Studenten, zehn Minuten nachdem sie ihn zum ersten Mal gesehen hatten, Beurteilungsbogen zu seiner Person ausfüllen.

Die Resultate sprechen eindeutig gegen das Barttragen bei Hochschullehrern: Klapproth mit Bart wurde von den Studenten als weniger zielstrebig, weniger genau, weniger freundlich, weniger hartnäckig, weniger gewandt, weniger scharfsinnig, weniger rational und weniger intelligent wahrgenommen. Auf der positiven Seite gibt es wenig zu vermelden: Mit Bart schien Klapproth ungezwungener, lässiger, progressiver – wenn das denn wirklich positiv ist für einen Professor.




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