ES WAR EINMAL ein Käfer, der sich in der Wärme eines Cigarrenlagers in der Karibik sehr wohl fühlte. Er legte seine Eier in eine Cigarre und hauchte bald darauf sein Leben aus. Aus den Eiern wurden Larven, die mit der Cigarre auf die weite Reise nach Europa gingen. Bald krabbelten über die andern Cigarren viele niedliche Käferchern - und später einem verdutzten Raucher entgegen.
Das Käferchen mit dem klingenden Namen Lasioderma serricorne ist der grösste Feind des Aficionados, wenn man einmal von den militanten Nichtrauchern absieht. Obwohl der Käfer sich auch an Reis, Gewürzen, Trockenfrüchten, Samen und Tierfutter gütlich tut, heisst er auf Deutsch Tabakkäfer. Er wird bis zu vier Millimeter lang, besitzt einen hellbraunen behaarten Panzer, ist flugfähig, bevorzugt eine feuchtwarme Umgebung und legt seine Eier vorzugsweise an Tabak oder Tabakwaren ab. So finden sich seine Eier gerne in Zigarettenfabriken, Tabaklagern und in importierten Cigarren.
Der Befall ist erkennbar an kleinen Bohrlöchern. Die Folgen sind abzusehen: Im feuchtwarmen Klima des Humidors entwickeln sich vier Millimeter lange weisse Larven innerhalb von sechs Wochen zum Käfer, dessen Weibchen während seiner drei- bis vierwöchigen Lebensdauer bis zu 100 Eier legt. Der Zyklus vom Ei bis zum erwachsenen Käfer dauert zwei bis drei Monate. In warmem Klima gibt es bis zu sechs Generationen pro Jahr. Wer den Lasioderma serricorne einmal erwischt, kann also eines Tages vor einer veritablen Krabbelkiste stehen.
Es empfiehlt sich darum, Cigarren auf Bohrlöcher hin zu kontrollieren und auf jeden Fall die Finger von schwarzer Ware zu lassen, die erfahrungsgemäss schlecht oder gar nicht auf Lasioderma untersucht worden ist. Besonders Cigarren aus Spanien können zum Trojanischen Pferd im Humidor werden, wie verschiedene Berichte von Cigarrenrauchern belegen. Wer seine Cigarren im Fachhandel kauft, dem sollte eine solch böse Überraschung eigentlich nicht passieren; aber sicher ist bekanntlich nichts.
Eindeutig befallene Cigarren sollte man wegwerfen. Den Rest des Kistchens kann man retten, indem man ihn in Plasticsäcke einpackt und zwei bis drei Tage in die Kühltruhe legt. Dadurch werden Eier und Larven abgetötet.
Diese Methode ist natürlich nur suboptimal, denn sie entzieht den Cigarren Feuchtigkeit. Zudem kann beim Auftauen das Deckblatt reissen. Und natürlich ist es nicht besonders lustfördernd, wenn man davon ausgehen muss, dass man mit dem Tabak auch noch eine Portion abgetötete Lasioderma-Larven mitraucht.
Falls man diese Behandlungsweise je anwenden muss, sollte man die Cigarren sehr langsam auftauen lassen. Von der Bekämpfung des Tabakkäfers mittels Mikrowelle raten wir ab, obwohl die Methode im Internet kolportiert wird. Im grösseren Stil greift die Tabakindustrie auch zum Einsatz von Kohlendioxid.
Lasioderma serricorne ist in der Tabakindustrie nach wie vor ein gefürchteter Schädling. Kein Wunder, lässt sie über den Umfang des Schadens nur wenig verlauten.