SOBALD das zarte Bimmeln der Schneeglöcklein vom etwas heftigeren Geläute der Osterglocken abgelöst wird, ist in den Gärten landauf, landab die Hölle los. Denn dann wird es höchste Zeit, dem Rasen endlich wieder seinen zackigen Bürstenschnitt zu verpassen, die Hecken militärisch zu frisieren sowie Bäume und Sträucher auf wenig mehr als ihren Stamm zu reduzieren. Allfällige Eigenmächtigkeiten, die sich die Grünflächen im Laufe des Winters wegen zu lascher Aufsicht angemasst haben, werden jetzt gründlich und gnadenlos abrasiert und ausgetrieben.
Die Stadtbewohner träumen zwar gerne davon, hinaus ins steuergünstige Grüne zu ziehen, doch kaum wohnen sie dort, sagen sie ihm den Kampf an und eliminieren es bis auf winzige Reste. Diese ambivalente bis schizophrene Beziehung zur Natur zeigt sich besonders krass in der Rasenpflege: man düngt wie verrückt, nur damit das Grünzeug so schnell wächst, dass man jeden Samstag aufs neue Grund zum Mähen hat.
Überhaupt ist der Rasen nur dazu da, den Kauf und Einsatz eines möglichst repräsentativen Rasenmähers zu legitimieren. Handbetriebene Geräte sind selbstverständlich Kinderkram, und elektrische haben den Nachteil, dass sie viel zu leise sind. Wenigstens ein Modell der gehobenen Mittelklasse mit Benzinmotor muss verwenden, wer sich als Gartenbesitzer nicht völlig lächerlich machen will. Doch wer wirklich etwas auf sich hält, wählt einen sogenannten Aufsitzmäher, auf welchem er stolz durch seine Ländereien kurven und dem Rasen den Meister zeigen kann.
Seit sich breitere als nur grüne Kreise über die Lächerlichkeit von Präriefahrzeugen mit Allradantrieb auf geteerten Strassen einig sind, sind Aufsitzmäher für manche zur willkommenen Alternative geworden, um geheime Rancher-Träume auszuleben, ohne dafür ausgelacht zu werden.
Wer jedoch nicht über den nötigen Grundbesitz verfügt, um ein solches Gefährt auf der eigenen Parzelle wenden zu können, verzichtet besser darauf. Und tröstet sich mit einer Kettensäge, einer Motorsense oder einem Häcksler, welche genauso geeignet sind dafür, den Frühling lautstark einzuläuten.