WAS DEN GÖTTERN Mittelamerikas der Tabak, war den Gottheiten der Alten Welt der Weihrauch (Olibanum). Jene rauchten selbst, diese liessen sich beräuchern. Doch ist die Weihrauchkunde fast komplexer als die Tabakologie. Schon vor mehr als 4000 Jahren wurde Weihrauch in Babylon als Heilmittel erwähnt. Auch aphrodisische Kräfte wurden dem Harz des in Südarabien, Somaliland und Indien heimischen Boswellia-Strauches nachgesagt. Weihrauch galt einst als wertvolles Staatsgeschenk; deshalb beschenken in der Weihnachtsgeschichte die Magier Jesus - den neugeborenen König - mit Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Noch vor kurzem war mir die Weitläufigkeit des Themas nicht bewusst, bis ich in Mariastein auf einen kleinen Laden für schöne Dinge stiess, in dem verschiedene Weihrauchsorten angeboten werden: Rosen- und Jasmin-Weihrauch aus dem orthodoxen Raum, normaler Kirchenweihrauch wie Pontifical und Gloria, bunte Mischungen mit getrockneten Lavendelblüten oder goldfarbenen Körnern. Gar über 60 verschiedene Sorten und Mischungen umfasst die Sammlung von Pfarrer Rudolf Heller, der in Bad Königshofen zu finden ist.
Der uralte und doch trendige Weihrauch in Bröckchenform kennt zwei Anwendungsformen. Das Harz kann entweder im Rauchfässchen auf glühender Kohle verbrannt oder auf einem Edelstahlsieb mittels einer Kerze - aber nie direkt darüber - erhitzt und so rauchlos zur Abgabe seiner Aromen gebracht werden. Auch wenn der Duft nicht jedermanns Sache ist, wenigstens vor Weihnachten könnte man das Räucherwerk ja einmal versuchen - ohne zu vergessen, dass es die aufsteigenden Gebete der Gläubigen symbolisiert.