NZZ Folio 11/05 - Thema: Schweizer Qualität   Inhaltsverzeichnis

Läuft und läuft und läuft

© Kurt Pelda
Nur mit längst abgeschriebenen Maschinen kann man wirtschaftlich produzieren: Schweiter-Schussspulautomaten in Nairobi. Linktext
Madag-Strickmaschinen, Saurer-Lastwagen, Ascom-Handys leisten in Afrika gute Dienste – lange nachdem ihre Produktion eingestellt worden ist.

Von Kurt Pelda

Vierzig Tage dauerte der Marsch nun schon, durch den angolanischen Busch, durch Sümpfe, Savanne und Urwald. In der Nähe eines Dorfes machten wir in einem lichten Wald Rast. Der Kommandant der Rebellen schoss eine Taube vom Baum, unser Mittagessen. Es war Ende der 1980er Jahre, als Jonas Savimbis Rebellenbewegung Unita ihren Zenit noch nicht überschritten hatte. Damals wusste ich nicht, dass unser Marsch quer durch Angola noch mehr als vier Monate dauern würde. Meine Wanderschuhe hatten bereits den Geist aufgegeben. Jetzt waren meine Hosen an der Reihe. Dornen und spitze Zweige hatten ihnen so zugesetzt, dass sich die Rebellen meiner erbarmten. Aber woher sollten sie neue Kleider nehmen, mitten im Busch, mitten in einem Bürgerkriegsgebiet fernab von jeder Zivilisation?

«No problem», sagte der Kommandant und schickte seine Leute los, um in einem unterirdischen Waffenversteck nach etwas Passendem zu suchen. Zurück kamen sie kurze Zeit später mit einem Hemd und zwei Hosen, eine davon eine Jeans von Marcel Scheiner. Sie hatte zwar keine dieser weissen Streifen aussen am Hosenbein, für die Marcel Scheiner in der Schweiz bekannt war, aber das machte nichts. Schliesslich hatte ich weder ein dazu passendes Hawaii-Hemd noch weisse Socken.

Auch wenn die Läden von Marcel Scheiner inzwischen längst verschwunden sind und ich nie ein Fan seiner Kleider war: Vergessen werde ich Marcel Scheiner nie – wegen der Jeans, die mir mitten im angolanischen Busch in die Hand gedrückt wurden. Keine Ahnung, wie die Hose aus der Schweiz in ein Versteck der Unita-Rebellen gelangt war. Wahrscheinlich hatte sie ein netter Mensch in die Kleidersammlung gegeben, damit ein armer Afrikaner etwas anzuziehen bekam.

Apropos Kleidersammlung: Nachdem ich 15 Jahre später nach Nairobi in Kenya umgezogen war, brachte einer unserer beiden Nachtwächter eines Tages einen schicken Mantel von Strellson aus Kreuzlingen mit nach Hause: tadelloser Zustand, erstanden für umgerechnet vier Franken auf einem der vielen Occasionsmärkte in Nairobi. Für die kühlen Nächte im kenyanischen Hochland war der Mantel jedoch etwas zu dünn. Später gelangte deshalb ein Schweizer Militärmantel zum Einsatz. Nur die Schulterstücke mit den zwei dicken goldenen Streifen, dem Rangabzeichen eines Oberstleutnants, entfernte der junge Massai, wahrscheinlich weil sie ihm nicht gefielen. «Mitumba» nennen die Kenyaner jene Märkte, auf denen Kleider aus zweiter Hand für ein paar Shilling zu haben sind. Sie stammen aus Kleidersammlungen aus aller Welt. Doch während die Masse der armen Kenyaner gern auf dem Mitumba kauft, sind die Arbeiter der einheimischen Textilindustrie weniger froh. Allein in Kenya haben die Occasionskleider dazu beigetragen, Tausende von Arbeitsplätzen in der Textilindustrie zu vernichten.

Die katholischen Schwestern im «Cardinal Maurice Otunga»-Zentrum sind deshalb auf die Idee gekommen, ihren Schützlingen mit der Produktion von Schuluniformen ein Auskommen zu verschaffen. Jede Schule hat ihre eigene Uniform, die man in der Regel nicht auf dem Mitumba kaufen kann. 78 junge Frauen, allesamt ehemalige Prostituierte, lernen in dem Zentrum der Schwestern unter anderem schneidern, stricken und weben. Nach ihrer Lehre in Karen, einem Vorort von Nairobi, werden sich die Frauen mit Nähen und Stricken über Wasser halten und nicht mehr, indem sie ihre Körper verkaufen – hoffen die Schwestern.

In einem der Räume lernen die zwischen 14 und 19 Jahre alten Frauen mit drei handbetriebenen Strickmaschinen vom Typ Passap Duomatic 80 umzugehen. Die Passap hat in einschlägigen Kreisen einen guten Namen. Die ersten Modelle wurden 1 939 auf den Markt gebracht. Zuerst produzierte sie die Firma Madag in Uster, später in Dietikon. Von den Duomatic-Modellen wurden angeblich mehr als eine Million Exemplare in alle Welt verkauft. Die Madag hat die Fertigung von Strickmaschinen zwar vor ein paar Jahren eingestellt, aber in Karen leisten die Passap Duomatic noch immer gute Dienste. Nur das Beschaffen von Ersatzteilen sowie Reparaturen seien etwas schwierig geworden, meint Schwester Christine, eine der Aufseherinnen.

Hans Schweiter vertritt seit 30 Jahren europäische Textilmaschinenhersteller in Ostafrika. In der Branche kennt er alle und jeden. Sein Urgrossvater hat 1896 die Spulmaschinenfabrik Schweiter in Horgen gegründet. Ende der 1980er Jahre fusionierte Schweiter mit den Firmen Schärer und Mettler, ebenfalls in Horgen, zur SSM AG. In einer Segeltuchfabrik im Industrieviertel von Nairobi steht noch eine alte Schweiter-Maschine, ein sogenannter Schussspulautomat, Baujahr 1978.

Hier wird das Garn auf längliche Spulen umgespult. In der Fabrikhalle nebenan befinden sich die Webstühle. Die Spulen der Schweiter-Maschine werden dort automatisch in die Weberschiffchen, die sogenannten Schützen, gelegt. Die Schützen wiederum flitzen auf dem Webstuhl hin und her. Das so eingewobene Garn verleiht dem Segeltuch erst den gewünschten Halt. Das Garn spinnen Maschinen von Rieter aus Winterthur aus lokal angebauter Baumwolle. Nach der Auslieferung in den 1980er Jahren blieben die Rieter-Maschinen acht Jahre in der Originalverpackung liegen, weil die Vorgängerfirma der Segeltuchfabrik T. S. S. Spinning & Weaving Ltd. Pleite gegangen war. Nach dem Auspacken, schwärmt Hans Schweiter, habe man die Teile montiert und die Produktion gestartet – ohne Rost oder andere Probleme infolge der langen Lagerzeit.

Obwohl alle Maschinen in der Segeltuchfabrik alt sind, läuft der Produktionsprozess weitgehend automatisch ab. In den sauberen Hallen sind nur wenige Angestellte beschäftigt, vor allem mit dem Nachfüllen der Spulenmagazine. Das fertig gewobene Tuch wird anschliessend gebleicht und dann in einem sogenannten Jigger gefärbt. Danach kommt wieder eine Schweizer Maschine zum Zug, und zwar ein Zylindertrockner von Benninger aus Uzwil.

Die Maschinen aus Uswisi, wie die Schweiz auf Kiswahili heisst, seien sehr zuverlässig, erklärt der Direktor, Timothy Mwamisi, vor dem mehr als drei Meter hohen Trockner. «Seit 1976 benützen wir die Benninger, und weil sie grösstenteils mechanisch funktioniert, können wir sie problemlos selber warten und bei Bedarf auch reparieren.» Weil die Schweizer Textilmaschinen eine so hohe Lebensdauer aufweisen, denken Fabriken wie T. S. S. Spinning & Weaving kaum an einen Ersatz durch neues Material. Das ist bedauerlich für die Schweizer Maschinenindustrie.

Dass das Geschäft in Ostafrika mit Ausnahme von Äthiopien rückläufig sei, habe allerdings noch andere Gründe, meint Hans Schweiter. «Mitumba-Märkte und Billigkonkurrenz aus Asien sind nur die eine Seite der Medaille. Auf der andern Seite anzufügen wären die grassierende Korruption, die erratische und teure Strom- und Wasserversorgung, bürokratische Hemmnisse – einfach ein allgemein schlechtes Investitionsklima.» Obwohl Ostafrika hervorragende Baumwolle herstelle, fährt Schweiter fort, könne man hier kaum noch wirtschaftlich produzieren, es sei denn mit alten, längst abgeschriebenen Maschinen wie jenen in der Segeltuchfabrik.

Kaum über mangelnde Kundschaft aus Afrika kann sich dagegen der Uzwiler Getreidemühlenhersteller Bühler beklagen. In weiten Teilen des Kontinents stellen Mais und Sorghumhirse die Grundnahrungsmittel dar – manchmal ergänzt durch Weizen. Ein grosser Teil des Getreides wird lokal produziert. Auf dem Land mahlen die Frauen Mais oder Hirse ebenso wie getrocknete Maniok- oder Yamswurzeln in Holzmörsern. Für die Masse der in den Städten lebenden Afrikaner muss das Getreide jedoch in grossen Mühlen gemahlen werden.

Für die Mühlenbesitzer sei das ein Bombengeschäft, sagt Patric Tschudin, ein Basler Elektriker, der Bühler-Mühlen unter anderem in Algerien, Sudan, Nigeria, Rwanda und Kenya aufgebaut hat. Im Moment arbeitet er in der kenyanischen Hafenstadt Mombasa an einer aus den 1 970ern stammenden Bühler-Mühle, deren Produktionskapazität von 300 auf 400 Tonnen pro Tag aufgestockt werden soll. In Afrika sei es gang und gäbe, die Maschinen ohne Wartung ständig am Limit laufen zu lassen, erzählt Tschudin. Entsprechend werde das Material belastet.

Vom angenehm kühlen Nairobi in die brütende Hitze am Horn von Afrika: Die Uhr auf Gleis 1 im Bahnhof von Djibouti steht konstant auf 20 Uhr 41, auch wenn es für den Bahnhofvorstand Ali Douksieh erst Zeit fürs Abendgebet ist. Die Sonne ist gerade am Untergehen, dennoch sind die verbogenen Geleise in der Hafenstadt Djibouti immer noch glühend heiss. Von hier führt die Schmalspurbahn ins Hochland von Äthiopien, über mehr als 780 Kilometer bis in die Hauptstadt Addis Abeba. Beide Endbahnhöfe, der in Djibouti ebenso wie jener in Addis, sind völlig heruntergekommen, ein Trauerspiel der afrikanischen Eisenbahngeschichte. Wer es nicht weiss, dem würde angesichts der allgegenwärtigen Zeichen des Niedergangs nicht auffallen, dass die Geschichte des Chemin de Fer Djibouto-Ethiopien untrennbar mit der Schweiz und dem Frauenfelder Ingenieur Alfred Ilg verbunden ist.

Ilg, der 1879 auf einer abenteuerlichen Reise nach Äthiopien gelangt war, war ein Wegbereiter der Schweizer Industrie in Afrika. Als Berater und Aussenminister des äthiopischen Kaisers Menelik II. baute Alfred Ilg Paläste, Brücken und Wasserleitungen. Menelik, dessen Expansionsdrang mit jenem der Kolonialmächte Grossbritannien, Italien und Frankreich kollidierte, wollte die Unabhängigkeit seines Reiches um jeden Preis bewahren. Ein Techniker aus der neutralen Schweiz, der Äthiopien modernisieren konnte, kam ihm da gerade recht.

Als Binnenland blieb Äthiopien aber auf einen Zugang zum Meer angewiesen, nicht zuletzt, um moderne Waffen zu importieren. Der äthiopische Herrscher musste sich mit einer der Kolonialmächte arrangieren, die die Häfen an der Rotmeerküste kontrollierten. Die Wahl fiel auf das französische Protektorat Djibouti, wohl auch weil Frankreich – anders als Grossbritannien und Italien – am Horn von Afrika nur schwach vertreten war. 1894 erhielt Ilg von Menelik eine Konzession, um die Eisenbahnlinie von Djibouti über das äthiopische Hochland bis hin zum Weissen Nil im Westen zu bauen und zu betreiben. Menelik investierte 100 000 Maria-Theresia-Taler, die ihm die Italiener nach der verlorenen Schlacht von Adua 1896 als Reparation gezahlt hatten, in Aktien der von Ilg gegründeten Compagnie impériale d’Ethiopie. Das Unternehmen wurde an der Pariser Börse kotiert. Aus Frankreich kam auch der grösste Teil des Baumaterials, doch konnten die dortigen Hersteller die Lokomotiven nicht im gewünschten Zeitraum liefern.

Wohl nicht zuletzt dank Ilgs Beziehungen wurden daraufhin 1 899 die ersten sechs Dampflokomotiven bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur bestellt. Sie kosteten 49 000 französische Francs pro Stück und waren mit modernen Bremsen und beweglichen Hinterachsen ausgerüstet. Damit eigneten sie sich gut für die bergige Strecke und die engen Kurven auf der Fahrt ins äthiopische Hochland. Zudem, und das war für die damalige Zeit ungewöhnlich, konnten die Heizkessel sowohl mit Kohle als auch mit Heizöl befeuert werden. Beim Untergang des Dampfers «Basuto» versanken 1 902 zwei SLM-Lokomotiven mitsamt 450 Tonnen Geleisen und anderem Baumaterial im Roten Meer. Im gleichen Jahr erreichte die Eisenbahnlinie von Djibouti herkommend die äthiopische Ortschaft Dire Dawa, wo noch heute eine der SLM-Lokomotiven auf einem Podest in einem Verkehrskreisel zu bewundern ist.

Danach geriet der Bau jedoch ins Stocken, wegen Geldmangels und politischer Probleme. Kurz bevor die Compagnie impériale d’Ethiopie Pleite ging, kehrte Ilg in die Schweiz zurück, wo er 1916 starb. Ein Jahr zuvor hatten die Schienen «seiner» Eisenbahn die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba erreicht. Winterthur lieferte weiterhin Dampflokomotiven, bis ins Jahr 1938. Und noch 1950 wurden zwölf diesel-elektrische Lokomotiven der SLM nach Djibouti verschifft. Seither ist jedoch viel Zeit vergangen, und die SLM-Lokomotiven, vielleicht der erste Exporterfolg der Schweizer Industrie in Afrika, sind in Vergessenheit geraten. Ali Douksieh, der Bahnhofvorstand in Djibouti, kann sich nicht mehr erinnern, wann das Winterthurer Rollmaterial ausser Dienst gestellt wurde.

Weniger für den Export gedacht waren dagegen Lastwagen, die die Saurer-Werke in Arbon für die Schweizer Armee produzierten. Trotzdem gelangten einige Exemplare nach Afrika und sind dort noch heute im Einsatz, obwohl Saurer schon lange keine Fahrzeuge mehr herstellt. Der aus Oklahoma stammende Daniel Stern hat zum Beispiel einen Zwölftonner vom Typ Saurer 2DM an einer Armeeauktion ergattert. Stern hat familiäre Bindungen zur Schweiz und lebte einige Zeit in Genf. Den Lastwagen, Baujahr 1975, verschiffte er vor neun Jahren nach Mombasa.

An die Bürokratie und die Bestechlichkeit der kenyanischen Zollbehörden will der 1948 geborene Stern heute lieber nicht mehr denken. Gerne erinnert er sich jedoch an die abenteuerliche Fahrt durch die kenyanischen Nationalparks ins Nachbarland Uganda, wo er den Saurer als fahrendes Computerlabor einsetzen wollte. Unter anderem zusammen mit seinem Sohn Jed, einem Computerfreak, importierte er gebrauchte Rechner, die Schweizer Unternehmen wie die Mobilfunkgesellschaft Orange oder Genfer Privatbanken gestiftet hatten. Sterns Hilfswerk «Uconnect» rüstet Schulen mit Computern aus. Gelegentlich fährt Stern mit dem Saurer und zehn kompletten Computerarbeitsplätzen auf der Laderampe aufs Land hinaus, um den Ugandern die Segnungen der Informationstechnologie vorzuführen.

Bald soll der Lastwagen, vermutlich über Mobilfunk, ans Internet angeschlossen werden. Dann wird das weiss bemalte Schweizer Museumsstück als mobiles Internetcafé durch Uganda tingeln. Im Moment steht der Lastwagen vor einem Lagerhaus in der Industriezone von Kampala, der ugandischen Hauptstadt. Stern nimmt mich auf eine Rundfahrt mit, der sechszylindrige Dieselmotor ist noch bestens in Schuss. Kein Wunder bei einem Kilometerstand von erst etwas mehr als 54700. Der Saurer summt kraftvoll durch Kampala, es ist simple und dauerhafte Schweizer Technik. Selbst auf eine Dieselanzeige am Armaturenbrett haben die Konstrukteure verzichtet. Dafür gibt es einen Messstab aus Plastic, den man vor dem Ablesen in den Tank steckt.

Es sind allerdings nicht nur bewährte mechanische Erzeugnisse aus der Schweiz, die in Afrika immer noch Verwendung finden, auch wenn sie im Herkunftsland schon längst nicht mehr produziert werden. So stellte die Berner Firma Ascom zwischen 2001 und 2002 insgesamt 117 500 Satellitenhandys für die arabische Telefongesellschaft Thuraya her. Im Rahmen der Neuausrichtung auf das Dienstleistungsgeschäft habe Ascom beschlossen, die Produktion einzustellen, erklärt Corinne Hübscher, die Pressesprecherin des Unternehmens. In Afrika jedoch sind die Telefone mit der Aufschrift «Swiss Made» immer noch massenhaft im Einsatz, weil sie praktisch und robust sind.

Zwischen Dakar und Mogadiscio lieben Entwicklungshelfer, Missionare, Journalisten und Geschäftsleute, aber auch Kriegsfürsten, Terroristen und Schmuggler die Thuraya-Telefone von Ascom. Einer dieser Warlords war Félix Doh, der Chef der Rebellenbewegung Mouvement populaire ivoirien du Grand-Ouest. Im April 2003 traf ich ihn auf der Strasse in Bouaké, der Rebellenhochburg und zweitgrössten Stadt von Côte d’Ivoire. Er war ganz Warlord mit einem blaugemusterten Hemd, einem grossen goldenen Kreuz um den Hals – und einem Ascom-Satellitentelefon am Ohr. Wenige Wochen nach unserem Händedruck wurde Doh bei einem internen Händel der Rebellen erschossen.

Ihren zahlenmässig wahrscheinlich grössten Einsatz erleben die Ascom-Handys derzeit in der sudanesischen Krisenregion Darfur. Viele der etwa zehntausend Helfer setzen auf Thuraya, und auch die Rebellen der Sudan Liberation Army (SLA) vertelefonieren nach eigenen Angaben jeden Tag etwa 10 000 Dollar mit den Satellitenhandys. Jeder Kommandant und praktisch jeder Fahrer der klapprigen Toyotas, mit denen die Guerrilleros durch die Wüste brausen, besitzt eines der handlichen Geräte.

Telefoniert wird fast pausenlos, die Handys haben Funkgeräte bei den Rebellen völlig verdrängt. Wo sich die Ascom-Telefone nicht an der Autobatterie aufladen lassen, haben die SLA-Kämpfer längliche Schachteln aus Holz gezimmert. Darin werden gewöhnliche 1,5-Volt-Batterien in Serie geschaltet und an den Autolader des Telefons angeschlossen. Einheimische Low-Tech kombiniert mit Schweizer High-Tech.

Kurt Pelda ist Afrikakorrespondent der NZZ; er lebt in Nairobi.


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