In Deutschland schiessen die Spione aus der Versenkung wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden. Das gesamte Personal der westdeutschen Nachkriegsrepublik ist vertreten: Bonner Vorzimmerdamen, hochrangige Sicherheitsbeamte und kleine Polizisten, graumelierte Christ-, Sozial- und Freidemokraten, Grüne, Rechte, Linke, Linksradikale, RAF-Verteidiger, Ingenieure der Rüstungs- und der Atomindustrie. Der Bundesbürger reibt sich die Augen. Ihm kommt ein schrecklicher Verdacht. Seine ganze geruhsame Nachkriegsgeschichte - ferngesteuert aus dem Osten. Selbst um ihre spärlichen Skandale sieht die westdeutsche Republik sich geprellt. Der gekaufte Abgeordnete, der Willy Brandts Sturz erst verhinderte, und der falsche Freund, über den er wenig später doch stürzte - Puppen der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA), des Geheimdienstes der DDR. Vom obersten Puppenspieler Markus Wolf gab es jahrzehntelang nicht einmal ein Foto, so geheim war dieser Geheimdienst und so effektiv, dass er in den Geheimnissen des Westens las wie in einem offenen Buch und in einigen seiner Schicksalsstunden Schicksal spielte. So atemberaubend die Erfolge der Männer des Markus Wolf waren, so niederschmetternd war ihre Unfähigkeit, die Implosion der DDR vorauszusehen, geschweige denn zu verhindern. Wer sind diese Leute?
In jenen Tagen, die die DDR erschütterten, sass Oberst Klaus Eichner in seinem Dienstzimmer der Hauptverwaltung Aufklärung vor dem Fernsehgerät. Er verfolgte die live übertragenen Debatten am runden Tisch zwischen Bürgerrechtlern, den bis dato «feindlich-negativen Elementen», und seinen Genossen, den Parteifunktionären. Ganze Tage sass der Oberst so da. Seinen Leuten hatte er verbieten müssen, zur grossen Demonstration am 4. November zu gehen - als was eigentlich? Als Beobachter einer staatsfeindlichen Zusammenrottung oder als deren Teilnehmer? Sie wussten es wohl selbst nicht mehr. Sie hatten ja selbst schon demonstriert, unten im dunklen Hof, nach Dienstschluss: «Ideologie raus! Für einen professionellen Nachrichtendienst!» Jäh war das Undenkbare eingetreten. Ihre geschlossene Welt war aus den Fugen, und ihr legendärer Exchef, Markus Wolf, den sie heute noch respektvoll und zärtlich Mischa nennen, war einer der Redner bei jener Demonstration. Ein letzter, vergeblicher Versuch, den Dingen eine Wendung zu geben, die nicht in der Selbstauflösung der DDR endete.
Oberst Eichners fünfzigster Geburtstag lag in jenem November ein halbes Jahr zurück. Es waren sechs Monate der Agonie gewesen, Botschaftsflüchtlinge, Wirtschaftschaos, Montagsdemonstrationen. Was er war, verdankte der Geheimdienstoberst dem Staat, dessen Untergang er nun im Fernsehen verfolgte, ohne etwas dagegen tun zu können. Wollte er es noch? Was er da sah, faszinierte ihn, aber die Faszination lähmte ihn auch. Sein ganzes bisheriges Leben hatte er in den Dienst des Staates gestellt, dessen führende Kreaturen nun auf dem Bildschirm eine so jämmerliche Figur abgaben. «Unsere Leute am runden Tisch stammelten nur. Mich beeindruckte das Auftreten der Bürgerrechtler. Sie stellten klare Fragen, gebrauchten eine klare Terminologie.» Auch ihre Art zu debattieren nötigte dem Oberst Bewunderung ab, ebenso die Moderation der Kirchenleute. «Und bei Uneinigkeit gab es ein Minderheitsvotum.» Immer noch, nach drei Jahren, horcht der frühere Geheimdienstoberst diesem Wort mit einem Lächeln nach.
Damals, nach dem Abitur, hatten sie ein «Kadergespräch» mit ihm geführt: Ob er ins Ministerium für Staatssicherheit eintreten wolle? Er kam aus kleinen Verhältnissen in einer kleinen thüringischen Stadt. Eigentlich hatte er zur See fahren, Marineoffizier werden wollen. Sein Vater war Arbeiter und Sozialdemokrat gewesen. Im SED-Staat sah er sein Streben verwirklicht. Der Sohn erlebte seine Eltern als überzeugte Parteigänger, die nach Feierabend politische Versammlungen organisierten. «Ich betrachtete das Angebot als ehrenvoll, begrub die Seefahrt und sagte Ja.» Sein Weg zur Elitegruppe des Markus Wolf war lang. Zehn Jahre Kreisdienststelle der Stasi. HVA-Bezirksstelle. Erst nach einem mühseligen Abendstudium ging es voran. Abfällig spricht er von «überheblichen Hochschulkadern», die den kurzen Weg von der Universität in die HVA-Zentrale nahmen. Zuletzt war er Stellvertreter des Generals Harry Schütt, der die Gegenspionage leitete und dessen Pilotprozess wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit Eichner nun mit seinen Kollegen verfolgt. Als Anfang 1990 die Dinge eskalierten, stand die Staatssicherheit im Zentrum der Angriffe. Am 15. Januar wurde ihre Zentrale gestürmt.
Wer da stürmte und wer den Sturm gesät hatte, erscheint im nachhinein durchaus dubios. Der Bürgerrechtler Andreas Schreier erinnert sich, die Stürmer hätten sich weitaus mehr für den Weinkeller der Stasi interessiert als für deren Akten. Oberst Eichner und seine Leute hatten ein grosses Schild an ihrem Gebäude angebracht: «Auslandsaufklärung». Es wirkte. Die Menge machte vor der HVA-Zentrale kehrt. «Wir hatten noch unsere Waffen, aber geschossen hätten wir nicht. Wir hatten eine mehrfache Menschenkette gebildet. Um an die Panzerschränke zu kommen, hätten sie uns totschlagen müssen. Unsere Quellen zu schützen war eine Sache der Ehre.»
Die «Quellen» im «Operationsgebiet». Der zupackend-professionellen Nüchternheit dieses Terminus entsprach eine beispiellos extensive Spionagepraxis der HVA in der Bundesrepublik. 500 bis 600 menschliche «Quellen», heisst es, sprudelten dort in Regierung, Wirtschaft, Armee und bei den Gegenspielern der westdeutschen Dienste. Um diese entweder angeworbenen oder eingeschleusten Agenten herum gruppierte sich eine üppige Infrastruktur. Kuriere, Werber, Instrukteure, Führungsoffiziere, konspirative Wohnungen, Funkstationen, Depots. Sogar Speditionen und Firmen aller Art wurden gegründet.
Der Stolz, leitender Teil dieses wegen seiner spektakulären Erfolge gefürchteten Apparats gewesen zu sein, steht Eichner ins Gesicht geschrieben, wenn er, auf seinem Stuhl zurückgelehnt, über das Katz-und-Maus-Spiel der Geheimdienste spricht und gelassen lächelnd pointiert: «In diesem Spiel waren wir die Katze.»
Jetzt hat die Stunde der Mäuse geschlagen. Sie tanzen der Katze auf der Nase herum und fahren Schlitten mit ihr; sie muss es sich gefallen lassen. Markus Wolf studiert seine Anklageschrift und schweigt. Es schweigt die HVA-Generalität. Als sie dem Verfassungsschutz die ehrenhafte Kapitulation Preisgabe der Quellen gegen Amnestie - anbot, war der Zeitpunkt dafür verpasst. Zu lange hatte sie an die Fortexistenz ihres Staates und damit der HVA geglaubt. Und es schweigen, bis auf drei «Verräter», die zum BND überliefen, die anderen 4000 HVA-Leute. Klaus Eichner versucht nun, die Selbstachtung und die Ehre seiner Männer zu retten. Er organisiert sie in einem «Insider-Komitee». Es soll - hier fällt das Wort der Saison - alles aufarbeiten. Keine Aufarbeitung der HVA-Geschichte ohne die Beteiligten, lautet das Credo. Es geht wohl vorderhand eher um deren juristische Beratung, um ein soziales Sprungtuch. Seine Leute sollen nicht in Wut und Verbitterung fallen. «Natürlich neigen wir zu Nostalgie und Rechtfertigung. Aber unsere innere Loslösung vom System war fortgeschrittener, als uns bewusst war.» Seltsame Zeiten, in denen Spione den Waffenrock ausziehen, um Sozialarbeiter und Historiker in eigener Sache zu werden.
Am Mittag des 16. Mai 1969 betrat ein unauffällig gekleideter Gast von zierlicher Statur das Café de la Paix am Pariser Opernplatz. Niemand, der gross beachtet wurde. Blasser Teint, schmale Lippen, schlanke Hände, eine geläufig knappe Bestellung. Ein Handelsreisender aus dem Elsass vielleicht oder ein Angestellter einer der umliegenden Banken. Etwas in dieser Art stand wohl auch in seinen Papieren.
Jahrelang war alles gut gegangen, doch an diesem Mittag war Hans Voelkner unruhig. Ein paar Gesichter, die er auf der Strasse sah, gefielen ihm nicht - «mit den Jahren entwickelt man ein Organ dafür» -, und das Café de la Paix gefiel ihm auch nicht. Dummerweise hatte das andere, in der ersten Etage gelegene Café, von dem aus er den ganzen Platz überblicken konnte und in dem er eigentlich verabredet gewesen war, geschlossen. Als einige Männer auf ihn zutraten, wusste Voelkner, dass ihn sein Organ nicht getäuscht hatte. Sie nahmen ihn fest.
Es war die Zeit, in der das Nato-Hauptquartier von Fontainebleau nach Brüssel umzog, eine günstige Zeit voll personeller Veränderungen. Hans Voelkner hatte einen Pariser Journalisten zu instruieren, der mit seinen guten Verbindungen half, andere Agenten in der Nato-Zentrale zu placieren, jene Dame zum Beispiel, die als Sekretärin in der türkischen Nato-Vertretung auf ihre Stunde gewartet hatte. Leider war Hans Voelkners Mann, der Journalist, nicht ganz unproblematisch. «Er war Franzose und ausserdem ein wenig exzentrisch.» Eine Zeitlang hatte er seinen Instrukteur gedrängt, die HVA möge ihren Einfluss nutzen, um seine kleinen Geschäfte zu fördern. Dann war er mit der Idee gekommen, sie solle ihm einen Wahlkampf finanzieren, damit er Abgeordneter und also ein noch nützlicherer Agent werde. Voelkner hatte ihm das ausgeredet. Überhaupt hatten sie über alles mögliche gesprochen. Voelkner, der fliessend französisch sprach und einen Teil seiner Jugend in Frankreich verbracht hatte, war sein vertrauter Freund geworden, der Idealfall für einen Agentenführer.
Nun war sein exzentrischer Agent einfach gestorben. «Ich musste sofort nach Paris.» Verabredet war er mit der Freundin des Journalisten, die dieser ins französische Aussenministerium eingeschleust hatte. Hatte sie Nato-Material von ihm? Was wusste sie? Der Pariser Blitzbesuch des HVA-Mannes Hans Voelkner vom Mai 1969 endete im Spätsommer 1974 nach über fünf Jahren Haft mit seiner vorzeitigen Entlassung und einem klassischen Berliner Agentenaustausch.
Hans Voelkners Verhaftung enthüllte die wahre Identität des unscheinbaren DDR-Bürgers und Wochenendspions, der hauptberuflich im DDR-Reisebüro für die Vergabe von Ferienplätzen an der Ostsee zuständig war. In «Le Monde» erschien ein langer Artikel über ihn. Der abenteuerliche Lebensroman des frankophilen Spions war so recht nach dem Geschmack des Pariser Publikums. Als Sohn des Danziger Artistenehepaares «Oldais» 1928 geboren, trat der kleine Hans mit den Eltern in halb Europa auf. Ende der dreissiger Jahre blieb man in Paris, wo Vater und Mutter bei den deutschen Besatzungsbehörden und zugleich für die Rote Kapelle arbeiteten, bis sie enttarnt, verhaftet und, wie viele andere dieser Gruppe, in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurden. Hans war längst nach Deutschland geschickt worden. Als einer von Hitlers Kindersoldaten versuchte er kurz vor Kriegsende zur Roten Armee überzulaufen, wurde aber erwischt und entging knapp der Erschiessung. Es verschlug ihn nach Frankreich, zuerst ins hungernde Nachkriegsparis, dann in ein wunderbares protestantisches Elite-Internat auf dem Lande - die Chance seines Lebens. Er warf sie weg, wurde wenig später als kommunistischer Strassenkämpfer ausser Landes gewiesen und fasste, nach einer wegen eines Diebstahls unglücklich endenden Episode in Westdeutschland, den verrückten Entschluss, illegal in die damalige sowjetische Besatzungszone zu gehen - das Paradies seiner kommunistischen Sehnsüchte. Die Sowjets nahmen den notorischen Grenzgänger fest und verurteilten ihn als französischen Agenten zu fünfundzwanzig Jahren Arbeitslager, von denen er fast sechs Jahre in der berüchtigten Strafanstalt Bautzen in Ostsachsen verbrachte.
Hans Voelkner ist ein Verächter jeglicher Mystik. Aber wenn es ein Karma gibt, ein Spionkarma zum Beispiel, dann ist er der lebende Beweis. Auf seine Weise sagt er es selbst: «Ein Pfarrer forderte mich bei einer Diskussion auf, Reue zu zeigen und Busse zu tun. Ich werde keine Reue zeigen und keine Busse tun.» Er ist seinem inneren Gesetz gefolgt, das ist alles. Seine Mutter hatte es einst verkündet. Sie soll, nachdem die Nazirichter ihr Todesurteil verkündet hatten, mit erhobener Faust und einem Lächeln geantwortet haben: «Ich bin glücklich und stolz, etwas für den Kommunismus getan zu haben.» Ihr fünfzehnjähriger Sohn antwortete ihr, sprachlich unsicher, doch festen Sinnes, mit einem Gedicht, einer Art Gelöbnis, wie er sagt: «Magst Du auch sterben / Das schwöre ich Dir / Du findest in mir / Keinen besseren Erben!»
Auf die Frage, warum er die französische Eliteschule und damit eine sichere bürgerliche Karriere in den Wind geschlagen habe, murmelt er: «Da habe ich wohl geglaubt, ich würde meine Eltern verraten.» Und Bautzen? Wer dort inhaftiert war, verliess das Zuchthaus als glühender Antikommunist. Hans Voelkner dagegen trat anschliessend in die SED ein und ein paar Jahre später in die Dienste der HVA. Mit gewöhnlicher Logik hat das nichts zu tun, vielleicht doch mit Karma. Das Bewusstsein, ein ihm aufgegebenes Unausweichliches gelebt zu haben, ist es wohl, was ihm seine eigenartige stoische Unversehrtheit gibt. Scham empfindet er angesichts des Irrsinns des politischen Systems, dem er gedient habe, aber nicht Schuld. Eine gewisse naserümpfende Verächtlichkeit gegenüber den politischen Chefs, die nie im Ausland waren und von der Welt dort draussen nichts wussten ausser ihren groben Vorurteilen, war unter den Auslandsaufklärern der HVA gang und gäbe. Es dürfte aber kaum einen gegeben haben, der so intim kannte, was er verriet, wie Hans Voelkner. Ein nur oberflächlich ideologisch Gebundener wäre längst umgefallen. Diese Erfahrung musste auch die HVA machen. Den Spagat zwischen Sympathie für den Gegner und Spionage hält wohl nur durch, wer seinen sehr eigenen Kampf kämpft.
Welchen Zweck verfolgt mein Gegenüber mit der Information, die er mir gibt? Ist, was er über sich sagt, wahr, halbwahr oder ein Kostüm aus dem Repertoire seiner Identitätslegenden, die er mit sich führt wie ein Reisender seine Kreditkartensammlung? Wer Umgang mit Spionen hat, gerät früher oder später in den Sog ihres Denkens. Er begegnet dem dritten Mann. Stets sitzt er am Tisch, unsichtbar. Der dritte Mann ist der Klabautermann der Spione, das Hausgespenst im Haus der Geheimnisse. Er weiss alles.
Auch die Geschichte der untergegangenen HVA weiss der dritte Mann zu erzählen. Es ist die Geschichte einer déformation professionnelle. Da waren zum Beispiel PID und PUT. Der erste Gedanke, es handle sich um eine Clownsnummer, ist nicht ganz falsch. Der greise Staatssicherheitschef Erich Mielke glaubte sich vom Feind umzingelt. Ständig forderte er von seinen Spionen, den grossen Generalvernichtungsplan gegen die DDR zu finden. Um ihnen auf die Sprünge zu helfen, schuf er PID und PUT - die politisch-ideologische Diversion und die politische Untergrundtätigkeit. Dieses Joker-Duo meinte den Westen schlechthin: Bundesregierung, Parteien, Kirchen, Wirtschaft, Wissenschaft, Massenmedien - alles. Der Schöpfer von PID und PUT träumte von der Spionage als Gesamtkunstwerk. Davon, die Aussenarbeit seiner HVA so zu generalisieren wie die Arbeit seiner Stasi nach innen. Er träumte von der jederzeitigen flächendeckenden Simulation der Wirklichkeit. Sein Kontrollwahn richtete die DDR zugrunde, und hätte sich noch länger existiert, hätte er auch die HVA zugrunde gerichtet.
Natürlich nistet dieser Wahn in jedem Geheimdienst. Schmunzelnd erzählt unser dritter Mann von einem Déjà-vu. Die Auswerter der HVA entdeckten in den Interna des Bundesnachrichtendienstes die kleinen Tricks, mit denen die Westkollegen ihre Suppe streckten. Aus einem Vorgang wurden durch Informationssplitting und dreifache Datierung drei Berichte und damit drei Vorgänge. Das kannte der Ostauswerter gut. PID und PUT und der Fortschritt im allgemeinen verlangten ihm ein stetig wachsendes Informationsaufkommen ab. Dafür gab es Noten, wie in der Schule, von eins bis fünf. Zur Weihnachtszeit, vor dem Abfassen der Jahresberichte und der Vergabe der Prämien, rannten gestandene HVA-Männer ihren Vorgesetzten die Türen ein. «Bitte, Genosse Oberst, kann ich nicht doch eine Zwei kriegen.»
Das sind Anekdoten. Der dritte Mann könnte Wichtigeres erzählen. Wie es kommt, dass manchen HVA-Leuten der Sprung ins freie Unternehmertum geglückt ist. Woher das Startkapital kam. Wo überhaupt das Bargeld blieb, über das die HVA reichlich verfügte. Denn alle interessanten Zahlungen mussten ja in bar geschehen. Was aus den Firmen wurde, die man in Westdeutschland gründen liess. Und aus den menschlichen Quellen, die im Mai 1990 einen letzten verschlüsselten Funkspruch empfingen. In den Akten, die die HVA ihren Auflösern zur «zentralen Archivierung» übergab, stand, was die HVA über die Gegenseite wusste, den BND. In wessen Zentralarchiv landete dieses Wissen? Dies alles könnte der dritte Mann erzählen. Aber er schweigt.
Wolfgang Büscher ist Journalist in Berlin.