NZZ Folio 04/06 - Thema: Alt und Jung   Inhaltsverzeichnis

Guter Rat -- Wege, das Leben zu verlängern

Von Christian Ankowitsch

Unter den zahllosen Handbüchern, die in den Buchhandlungen stehen, behandelt ein Grossteil die Frage, wie wir denn, wenn schon nicht ewig, so doch deutlich länger leben können als vorgesehen. Die Verwirrung ist gross, denn jedes Buch empfiehlt etwas anderes.

Da tut es gut, einen Schritt zurückzutreten und in Georg Christoph Lichtenbergs «Sudelbüchern» (1765) zu lesen, welche Möglichkeiten wir grundsätzlich haben, das Ziel zu erreichen. Zwei, sagt Lichtenberg. Die erste besteht darin, «dass man die beiden Punkte geboren und gestorben weiter voneinanderbringt und also den Weg länger macht».

Während diese Strategie nur auf den Punkt bringt, wovon die eingangs zitierten Ratgeber raunen, bietet die zweite einen philosophischeren Weg. Sie besteht darin, dass man sich in sein biologisches Schicksal fügt – also «die beiden Punkte stehen lässt, wo Gott will» –, dafür jedoch seinen Schritt verlangsamt; man kann dann gar nicht anders, als den Eindruck zu haben, länger zu leben. Am besten erreicht man diese Entschleunigung seines Lebens, indem man «botanisieren geht, zickzack, hier versucht, über einen Graben zu springen und dann wieder herüber, wo es rein ist und es niemand sieht, einen Purzelbaum wagt und so fort».

Sollten Sie gewisse Vorbehalte gegen diese Empfehlungen haben, bleibt Ihnen immer noch der Ausweg, sich ein paar neue Socken zu kaufen, denn, so Lichtenberg: «Jedermann kennt das Vergnügen und die angenehme Sicherheit, mit welcher man in neuen Strümpfen ausgeht.»


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