Zuvor aber eine andere Frage: Wie bemüht sich das Verkehrshaus der Schweiz um mehr finanzielle Unterstützung? «Aktiv und gezielt» bemüht es sich, laut seinem Informationsblatt. Da dürfen wir stutzen.
Wer einer Bemühung das Eigenschaftswort «aktiv» voranstellt, kann das vernünftigerweise nur tun, wenn er sie gegen jene passiven Bemühungen abgrenzen möchte, die er für normal zu halten scheint (in Wahrheit sind sie wohl eher selten). Und wer gar «gezielt» hinzusetzt, müsste sich auf die Erfahrung stützen, dass ein häufiger Fall die ungezielte, also eine ziemlich bescheuerte und besoffene Bemühung wäre.
Was ist da geschehen? Wohl nur dies: Der Schreiber hatte noch ein paar Silben in Vorrat – aber weder die Witterung, dass sie nichts besagen, noch die Einsicht, dass hohle Wörter Platz, Aufmerksamkeit und Sympathie vergeuden, noch die Charakterstärke, dieser Einsicht gemäss zu handeln. Und er befindet sich in grosser Gesellschaft.
«Qualitativ hochwertige Produkte» bietet Sandoz an – offenbar in der Sorge, man könnte andernfalls die Hochwertigkeit nicht als Qualität begreifen. Und dazu «neue, innovative Pharmazeutika» – im Unterschied zu den altersschwachen innovativen Pillen, an die sonst alle denken würden? Vermutlich hat sich der Urheber beim Schreiben nichts gedacht, nicht einmal sich selber zugehört – und sich dabei der qualitativ minderwertigen Illusion hingegeben, so könne man Leser beeindrucken.
Ähnlich das Leitbild Novotaxi der Stadt Bern: Es rühmt sich seiner «kreativen Ideen» – warum? Damit wir aus Bern keine schläfrigen Ideen erwarten? Hier scheint beredte Eloquenz am Werke; eine Tugend, die zu den seltenen Raritäten zählt.
Klar ist wenigstens, was eine Verzögerung wirklich ärgerlich macht: wenn sie «eine zeitliche Verzögerung» ist wie bei dem Naturerlebnispark, den Grün Stadt Zürich einrichten will. Zeitlich! Eine sensationelle Zusatzinformation. Die zeitliche Verzögerung muss den Textverfasser umso schmerzlicher treffen, als er für das Grünprojekt in Anspruch nimmt, es sei «innovativ, partizipativ und stufengerecht» – wie man so reden wird beim künftigen naturnahen Naturerlebnis. Hoffentlich doch auch ressourceneffizient, bedürfnisorientiert und unhinterfragt?
Dabei sind sich alle Stillehrer einig vom römischen Rhetor Quintilian über Voltaire («Das Adjektiv ist der Feind des Substantivs») bis zu den amerikanischen Klassikern Strunk and White: «Das Eigenschaftswort, das einem schwachen oder ungenauen Substantiv auf die Sprünge helfen kann, ist noch nicht erfunden.»
Fürs Deutsche gilt das noch mehr: Denn der lucky star ist durchaus kein glücklicher Stern, die polizia stradale keine strassliche Polizei, und hinter meisterlichen Sängern würden wir nur schwer die Meistersinger erkennen.
Wer in dem Lied «Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum» jedem der drei Gegenstände ein Adjektiv aufnötigen würde, der hätte es kaputtgesungen. «Streicht zwei von drei Eigenschaftswörtern aus einem scheinbar fertigen Text»: Das ist ein guter Rat für alle, die sich Leser wünschen. Kapriolen schlägt das Adjektiv erst recht bei den flüssigen Textverfassern – Leuten, die von «fossiler Energieverschwendung» schreiben wie Greenpeace Schweiz oder von «gesellschaftlichen Veränderungsprozessen» wie die Freisinnigen oder von «finanziellen Rentabilitätserwägungen» wie der Kanton Zürich in seinem Kulturförderungsleitbild.
Aber nicht die Verschwendung ist fossil (wie es dasteht), sondern die Energie soll es sein (wie es nicht dasteht); die freilaufenden Hühnerhalter müssten allen Schreibern eine Warnung sein. Auch sind Überlegungen zur finanziellen Rentabilität so wenig «finanzielle Rentabilitätsüberlegungen», wie der Vater einer fünfköpfigen Familie einen fünfköpfigen Familienvater abgibt. Man sollte sie endlich begraben, die rostfreien Stahlhändler, am besten zusammen mit den berittenen Polizistenwitwen.