Sabine Witkowski, Sie sind 46 und Artistic Director beim Comicverein Fumetto, wer ist Ihr Superheld?
Jimbo, von Gary Panter.
Was kann der Besonderes?
Nichts, er ist ein Antiheld. Ein anarchischer Muskeltyp mit wenig Hirn. Die frühen Geschichten waren punkig, jetzt sind sie fast literarisch, zum Beispiel lehnt sich das neueste Jimbo-Abenteuer an die «Göttliche Komödie» an.
Was genau macht ein Comicverein?
Wir veranstalten das jährliche internationale Comicfestival Fumetto in Luzern. Vom 16. bis 24. April verwandelt sich die Stadt in eine Comicwelt. Es gibt 20 Ausstellungen, einen Wettbewerb zum Thema Heimat und vieles mehr. Wir rechnen mit 50 000 Besuchern.
Alles Mitglieder?
Nein, noch nicht. Wir sind 175 Mitglieder, die sich der Förderung der «neunten Kunst» verpflichten. Wir sehen Comics als eine gleichwertige Ergänzung zu den klassischen acht Künsten.
Ihr Konkurrent, «Comic Verein Siders Festival», ist kürzlich aufgelöst worden. Stehen Sie damit zunehmend allein da?
Anders als Siders konzentrieren wir uns auf Ausstellungen. Wir zeigen auf unserem Festival Kunst, Comic und Grafik. 50 Prozent der Besucher sind übrigens gar keine Comicleser!
Mit Verlaub, bei Comics denkt man doch an Kinderzimmer. Was können Sie in Ihrem Alter noch Comics abgewinnen?
Ich liebe die Literatur und die bildende Kunst. Comic ist eine wunderbare Synergie aus beiden Disziplinen, in der keine ohne die andere funktioniert.
Wie bei Mickey Mouse?
Der Name Comic ist unglücklich, uns fehlt im Deutschen ein Begriff, der die Breite dieses Mediums vermittelt. Es gibt viel mehr als bloss witzige, bunte Bildergeschichten. Der weltweit erste Comiczeichner, der Schweizer Rudolf Töpfer, war ein Bekannter von Goethe.
Geben Sie uns einen Grundkurs: Welche fünf Comics sollte man gelesen haben?
Frans Masereel «Mein Stundenbuch», Lyonel Feiniger «Little Nemo», Art Spiegelman «Maus», David B. «L’ascension du haut Mal», Joann Sfar «Die Katze des Rabbiners».
www.fumetto.ch