Die Europäische Gemeinschaft hat ihre jüngste Bewährungsprobe noch einmal knapp be-(oder über?-)standen: Die Mehrheit der Franzosen hat für den Vertrag von Maastricht gestimmt. Damit bleiben die Chancen für eine Währungsunion und eine politische Union mit gemeinsamer Aussen- und Sicherheitspolitik, wie dies im Vertragswerk vorgesehen ist, im wesentlichen intakt. Allerdings wird der Einigungsprozess nach dem Votum in Dänemark und dem knappen Stimmenverhältnis in Frankreich kaum im beabsichtigten Schrittmass weitergehen.
Die Schweiz steckt mitten in ihrer eigenen Europadiskussion, die sich notwendigerweise anders gestaltet als jene in EG-Mitgliedstaaten wie Frankreich, Dänemark, Deutschland oder Grossbritannien. Manche Befürchtungen freilich klingen überall ähnlich: immer dann, wenn der «Moloch», der «Apparat Brüssel» nationale Souveränität zu beschneiden droht. Wohin man sich wendet, bekommt man im Herbst 1992 den Eindruck, dass niemand mit der EG wirklich zufrieden ist. - Doch könnten sich selbst die Gegner der Europäischen Gemeinschaft einen «Weg zurück» ernsthaft vorstellen?
Wie stets in Zeiten heftiger Abstimmungskämpfe triumphieren die Schlagworte, und wie immer ist es schwierig, der differenzierteren Argumentation Gehör zu verschaffen. Das vorliegende Heft ist nicht als Votum in der Debatte um einen EWR- oder gar EG-Beitritt der Schweiz gedacht. Vielmehr möchte es Grundlagen für die Diskussion liefern - in Form von Fakten über die Europäische Gemeinschaft. So führt es etwa die Geschichte dieses Einigungswerkes, an deren Beginn unter anderem Winston Churchills historische Zürcher Europa-Rede von 1946 stand, vor Augen. Wie sich die Gegenwart präsentiert, zeigen Beiträge über Institutionen der Gemeinschaft und ihre Arbeitsweise, über ihre Mechanismen und deren Auswirkungen, die später der holländische Gemüsehändler, der portugiesische Automobilarbeiter oder der französische Werbefachmann zu spüren bekommt.
Mit der Schweiz hat dieses Heft selbstverständlich trotzdem zu tun, ist unser Land doch wirtschaftlich längst in Europa - und das heisst auch in die Europäische Gemeinschaft - eingebunden.