NZZ Folio 07/00 - Thema: Mann und Frau   Inhaltsverzeichnis

Heim und Hobby -- Was Hausfrauen und Hausstaub anzieht

Von Joni Müller

DIE FAMILIENFRAU hat es nicht immer leicht oder sogar fast immer schwer. So schwer, dass sie neben Kindern, Kochen und Kehren kaum je Zeit zum Lesen nicht direkt berufsbezogener Lektüre findet, wie sie das vorliegende Periodikum darstellt. Deshalb kann hier ihr volkswirtschaftlich, pädagogisch und haushälterisch wertvolles Wirken weitgehend gefahrlos nicht nur gelobt, sondern aus neutraler männlicher Warte auch einmal kritisch hinterfragt werden.

So darf an dieser Stelle in aller Deutlichkeit gesagt werden, dass es sich beim Putzen meistens nur um ein gleichmässiges Verteilen des Drecks, also um reine Augenwischerei handelt. Was sich etwa als durchgehender Schmuddelstreif aus Schokolade, Eiscrème und Undefinierbarem auf Kinderkopfhöhe durch die Wohnung zieht, wird periodisch mit Lappen, Lust und Lauge über die ganze Wand ausgebreitet und so unsichtbar gemacht. Wobei die Putzmittel dem fragwürdigen Treiben sogar noch einen trügerischen Glanz verleihen. Beim Abstauben ist es ähnlich, hier wird der Staub auf den Möbeln schwungvoll aufgewirbelt, damit er sich nach einiger Zeit auf dem Boden niederlassen kann.

So war es jedenfalls bis zur Erfindung des Microfasertuches, und so geht es heute noch bei all den Familienfrauen zu, die sich dem Fortschritt verschliessen und ihre Lieben in verantwortungsloser Weise den bakteriellen Bedrohungen des dreckigen Alltags aussetzen. Denn das Microfaserzaubertuch vermag nicht nur die Hausfrau an sich zu binden, sondern auch Schmutz in rauen Mengen, der damit prozessorientiert, proaktiv und hygienisch aus dem Heim entfernt werden kann.

«Es gibt Microfasertücher und Microfasertücher», pflegen Eingeweihte bedeutungsvoll zu sagen, womit sie nur allzu Recht haben. Denn es gibt solche für feucht und trocken, für Fett und Staub, für Kind und Katze, für drinnen und draussen, für drei und für dreissig Franken. Doch wer etwas auf sich hält, schwört auf den Rolls-Royce unter ihnen, der wie Tupperware aus-schliesslich an klandestin-konspirativen Bekehrungsparties vertrieben wird. Einen Nachteil allerdings beklagen selbst überzeugte Microfaserianerinnen: Weil kein Putzmittel gebraucht wird, wird es zwar, aber es riecht nicht sauber.


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