ROBOTERSKLAVEN, die die schmutzige Arbeit für uns erledigen, sind eine der attraktivsten Herausforderungen für Wissenschafter und Ingenieure. Bis zum Zweiten Weltkrieg fehlten jedoch die entsprechenden technischen Voraussetzungen. Es waren vor allem drei Innovationen, die den Ingenieuren die nötigen Werkzeuge in die Hand gaben: Servomechanismen, binäre Logik und Festkörperphysik.
Vorhang auf für Unimate, den ersten Industrieroboter der Geschichte! Man schrieb das Jahr 1956, ich arbeitete gerade als Physiker an der Entwicklung von Kontrollsystemen für Kernkraftwerke und Düsentriebwerke, da begegnete mir auf einer Cocktailparty der Erfinder George Devol. George erzählte etwas von einem Patent für «Programmierten Warentransfer», das er gerade erhalten hatte.
Ich war schon ein wenig angeheitert und sagte: «Das hört sich irgendwie nach Roboter an.» Aber auch in der kalten grauen Morgendämmerung hörte es sich noch nach Roboter an, und so erwarb ich eine Lizenz auf Devols Patent.
Weshalb sind mir damals Roboter in den Sinn gekommen? War es, weil die Voraussetzungen stimmten? Ein wenig Inspiration aus der Science-fiction-Literatur, ein grundlegendes Patent und ein Team von Top-Ingenieuren in Sachen Kontrollsysteme? Wie sich zeigte, war es genau das, was es brauchte. Eine Firma mit dem Namen Unimation Inc. wurde gegründet. Der Name war die leicht erkennbare Abkürzung von «Universal Automation». Bereits 1960 wurde der erste Prototyp des Unimate im Labor eingesetzt.
Vielleicht ist es an dieser Stelle angezeigt, ein paar Worte Roboterlatein zu verlieren. Eine Maschine, die nur eine Verrichtung ausführt, ist noch lange kein Roboter, sondern bloss ein Automat. Ein Fabrikroboter muss fähig sein, unterschiedliche Tätigkeiten auszuführen. Dafür benötigt er verschiedene Programme und unter Umständen mehrere Greifarme.
Um konkrete Anwendungen für den Unimate zu entwickeln, besuchten die Mitarbeiter von Unimation sechs Fabriken der Ford Motor Company, fünf von General Motors, vier von Chrysler und zwanzig weitere Fabrikationsanlagen in Bridgeport, Connecticut. Der Unimate sollte einen vielseitig einsetzbaren Arm mit fünf Gelenken besitzen und sich dadurch programmieren lassen, dass man den Arm von einem Punkt zum anderen führte.
Zum ersten praktischen Einsatz kam unser Roboter in der Spritzgiesserei von General Motors in Ternstedt, New Jersey. Er war ideal für gefährliche Arbeiten in sehr grosser Hitze und schuftete täglich zwei Schichten. Der erste Unimate absolvierte 50 Mannjahre, bis er in Rente ging und im Smithsonian National Museum of American History ausgestellt wurde.
Die Öffentlichkeit vom Segen der neuen Technik zu überzeugen war eine ganz andere Sache. Ich kehrte dem Labor den Rücken und ging mit dem Unimate in verschiedenen Fernsehshows hausieren. In der Johnny Carson Show beispielsweise musste Unimate einen Golfball einlochen, in einer Bierreklame auftreten und das Orchester dirigieren. Es war unheimlich schwer, an Entwicklungskapital heranzukommen.
Der Durchbruch kam, als General Motors für ihre Autofabriken 66 Unimates bestellte. Bald darauf erwachten auch die Japaner aus dem Dornröschenschlaf. Ihre Regierung lud mich ein, vor 500 Managern in Tokio eine Vorstellung zu geben. Die Japaner stürzten sich mit Leidenschaft in die Robotertechnik und hatten schon bald die USA überflügelt. Wir vergaben eine Lizenz an Kawasaki Heavy Industries, die bis heute zu den führenden Roboterproduzenten gehören.
Inzwischen macht die Branche weltweit einen Umsatz von 7 Milliarden Dollar. Die meisten der ursprünglichen Unimate sind bis heute in Betrieb, wenngleich die späteren Generationen vielseitiger einsetzbar sind.
Ich selbst habe mich der Idee eines Roboters für Alte und Gebrechliche verschrieben. Er soll mobil sein, zwei Arme haben, sehen, hören, fühlen und alltägliche Verrichtungen ausführen können, die für bettlägerige oder behinderte Personen schwer zu bewerkstelligen sind. Er würde es vielen Menschen ermöglichen, länger unabhängig zu leben.
Doch begonnen hat alles mit jenem Unimate, der schon damals nichts anderes im Sinn hatte, als der Menschheit zu dienen, indem er Devol und mir Cocktails servierte, was er tatsächlich machte - wenn man ihn dafür programmierte.
Joseph Engelberger gilt als Vater des Industrieroboters. Heute arbeitet er unter anderem als Berater für seine 1984 gegründete Firma Help Mate Robotics, die autonome Roboter für den Gesundheitsbereich entwickelt.