Im Bauerndorf Villianur, zehn Kilometer von der ehemals französischen Kolonie Pondicherry entfernt, sitzt Anandhalakshmi vor dem Computer und schneidet mit der Maus eine Karte aus einer Website der US-Marine. Auf ihr ist zu sehen, wie hoch die Meereswellen in der Gegend gerade sind. Kurze Zeit später wissen es die Fischer vom nur wenige Kilometer entfernten Dorf Veerampattinam: Über Lautsprecher am Strand sind die Informationen, die Anandhalakshmi der Filiale per Fax gesandt hat, ins Meer hinausposaunt worden.
Die Zentrale, in der die Biologin Anandhalakshmi ehrenamtlich arbeitet, ist eines von zehn «Village Knowledge Centres», die Computerpower aufs Land bringen. Sie wurde vor drei Jahren gegründet und ist mit einer Satellitenschüssel und einer Solaranlage ausgestattet, dank der die fünf Computer auch bei einem der häufigen Stromausfälle bis zu acht Stunden in Gang gehalten werden können. Der Anschluss ans Internet erfolgt über Satellit, für den Radioempfang sorgt eine zehn Meter hohe Antenne. Drei Telefone und ein Funkgerät machen die Ausrüstung komplett.
Sie mag für westliche Begriffe bescheiden sein, hier auf dem armen Land ist sie Gold wert. Nicht nur des Wetterberichtes wegen. Villianur, die Leitstelle all dieser Informationszentren, arbeitet mit einer ganzen Anzahl von Korrespondenten zusammen, die in den wichtigsten Verwaltungsbehörden sitzen und die Warenmärkte verfolgen. Jeden Morgen geben sie die aktuellen Preise für Getreide, Rohstoffe, Gemüse und Fisch durch, die von den staatlich kontrollierten Vermarktungsgenossenschaften bezahlt werden. «Früher wurden die Bauern von den Grosshändlern geschröpft, aber seit sie die Preise kennen, verkaufen sie ihre Produkte selbst am Markt», erklärt Herr Rajamohan, einer der beiden festangestellten Sozialwissenschafter der M. S. Swaminathan Research Foundation (MSSRF), die die «Village Knowledge Centres» auf die Beine gestellt hat.
Velmurugan ist einer der Fischer, für die die neue Dienstleistung ein Segen ist. «Früher hatten wir unsere Informationen über das Wetter aus dem Fernsehen oder Radio, aber die Vorhersagen stimmten oft nicht, und das fanden wir erst heraus, als wir schon auf See waren», erzählt er lachend, während er sein Netz flickt am Strand, der sich am Rand des Dorfes in einem sanften Bogen hinzieht. «Heute sind die Informationen viel genauer, und wir halten uns streng an jede Warnung, nicht hinauszufahren.» Vor allem für die kleinen Katamarane, mit denen viele Fischer unterwegs sind, können grosse Wellen rasch lebensgefährlich werden. Jetzt sind die Prognosen gut, am nächsten Morgen will Velmurugan wieder in See stechen.
Die meisten der 7000 Einwohner von Veerampattinam sind Fischer. Villianur hilft ihnen mit seinem Informationsdienst nicht nur bei der täglichen Arbeit, sondern hat ihnen auch ermöglicht, verschiedene staatliche Förderprogramme in Anspruch zu nehmen, von deren Existenz sie bisher keine Kenntnis hatten - wie etwa Beihilfen für die Anschaffung von Netzen und Tauen oder Subventionen für den Wohnungsbau.
Auch die Familien der Fischer profitieren von der Kommunikationszentrale. Frauen wie Radhai, die ein Studium in angewandter Informatik absolviert, benutzen das Zentrum, um am PC zu üben - ein Luxus, den ihnen ihr Ausbildungsinstitut nicht vergönnt. Und selbst der kleine Lawrence, der noch eine ganze Weile auf den Stimmbruch warten muss, ist bereits ein eifriger und regelmässiger User geworden: «Ich habe hier tippen und zeichnen gelernt», sagt er schüchtern, bevor er sich wieder zu seinen Gefährten gesellt, die am Strand herumtollen.
Die MSSRF lancierte das Dorfinformationsprojekt 1998 mit Hilfe von Geldern des International Development Research Centre (IDRC), einer vom kanadischen Staat finanzierten Entwicklungshilfeorganisation. Einzige Bedingung für die Teilnahme am Projekt war, dass die Dörfer sich bereit erklärten, das nötige Land zur Verfügung zu stellen, das Zentrum mit Strom zu versorgen und mit Hilfe von ehrenamtlichen Mitarbeitern zu unterhalten. Die Anfänge waren so ermutigend, dass aus den fünf Infodörfern von Pondicherry rasch zehn wurden; weitere sind in Planung.
Die MSSRF wurde 1987 als unabhängige, gemeinnützige Stiftung zur Förderung von Forschung und Bildung gegründet und hat sich eine primär auf die Schaffung von Arbeitsplätzen ausgerichtete Wirtschaftsförderung zum Ziel gesetzt. Mit der Entwicklung und Verbreitung umweltverträglicher Technologien in ländlichen Gebieten sollen vor allem die Armen und die Frauen unterstützt werden.
Monkombu Sambasivan Swaminathan, der die nach ihm benannte Stiftung ins Leben gerufen hat und ihr heute noch vorsteht, ist einer der Väter der «grünen Revolution» in Indien. Dem heute siebzigjährigen Agrarwissenschafter, der einst an der Spitze des indischen Landwirtschaftsdepartements stand und später Direktor des Internationalen Reisforschungsinstituts (IRRI) in Manila wurde, ist es zu verdanken, dass Indien heute Nahrungsmittel exportieren kann und nicht mit Hungersnöten, wie dies einst Schwarzmaler prognostizierten, Schlagzeilen macht. Dies dank der Kultivierung besonders resistenter Getreidesorten, Verbesserungen bei der Vermarktung der Produkte und einer Politik der öffentlichen Hand nach dem Motto «Trade, not Aid» («Handel statt Hilfe»).
Die meisten Familien in der Umgebung von Pondicherry leben unter der Armutsgrenze; die Hälfte der Bevölkerung verdient weniger als einen Dollar pro Tag. Die Mehrzahl gehört zu den Dalits oder zur Stammesbevölkerung, die von den höheren Kasten als unberührbar angesehen werden. Das MSSRF-Projekt versucht nun herauszufinden, inwiefern die neuen Informationstechnologien zur Bekämpfung der Armut beitragen und von den Armen auf dem Land als Mittel zur Emanzipation eingesetzt werden können. Dabei geht es nicht primär um die Technologie an sich, sondern um die Nutzung von Inhalten. Gemäss Umfragen der MSSRF machen rund die Hälfte der Bewohner in den jeweiligen Einzugsgebieten Gebrauch vom Angebot.
Und die Bauern und Fischer lernen schnell. Im Schnitt brauchen sie zwei Wochen, um den Umgang mit Windows 95 zu erlernen. In der Datenbank mit den wichtigsten Informationen, die für die Dörfler nützlich sein können, sind neben Wetterinformationen und Warenpreisen auch Regierungsverlautbarungen zu finden, tägliche Nachrichten, Daten über Krankenhäuser, Ärzte, Ausbildungsprogramme, Fortbildungskurse für Schüler, staatliche Wohlfahrtsprogramme, Busfahrpläne, die Adressen örtlicher Landwirtschafts- und Fischereiexperten, Listen aller Familien unter der Armutsgrenze, Detailinformationen zur Bodenbeschaffenheit und zur optimalen Fruchtfolge.
Die erste Phase des Projekts, die sechs Millionen Rupien kostete, dauerte von 1998 bis 2000. Jetzt, in der zweiten Phase, müssen die Nutzer für Telefongebühren und Dienstleistungen wie Softwareschulungen, Schreibarbeiten, Surfen im Internet und das Abfragen von Prüfungsergebnissen bezahlen, so dass jedes der Zentren 1000 bis 1500 Rupien im Monat einnimmt. Nicht überall war dem Projekt Erfolg beschieden. In zwei Dörfern, Mangalam und Nettapakkam, wurden die Zentren wieder geschlossen, weil sie nicht gut ankamen und die Einrichtung beschädigt wurde. In einem Fall hatte man den Dalits verboten, das Zentrum zu betreten.
Nicht nur die Fischer, auch die Bauern wissen das neue Angebot zu schätzen. Im Bauerndorf Kizhur, achtundzwanzig Kilometer von Pondicherry entfernt, hat einer der bessergestellten Landwirte den vorderen Teil seines Hauses für die Errichtung eines Informationszentrums zur Verfügung gestellt. Auch diese Region ist arm, rund ein Drittel der Dorfbewohner besitzen kein Land. Viele kommen ins Zentrum, um sich über Regierungszuschüsse und Armenbeihilfen zu informieren; zwei frischgebackene Universitätsabsolventen, Ezhilarasi und ihr Bruder Jaikrishnan, stehen den Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite. Speziell für die ländliche Kundschaft hat Jaikrishnan eine Datensammlung über Arztpraxen, organische Düngung, natürliche Krankheits- und Schädlingsbekämpfung und Mittel gegen Schlangenbisse angelegt.
Vor allem ärztliche Hilfe ist jetzt viel unkomplizierter zu bekommen. Man kann vom Zentrum aus anrufen und einen Termin ausmachen, was eine Menge Zeit und Energie spart gegenüber früher, als man nach Fachärzten erst lange herumfragen musste. Auch nach solchen für Tiere, wie Panjali, die gleich gegenüber dem Zentrum wohnt, erzählt. Ihr einziger Besitz ist eine Milchkuh, und als diese vor zwei Jahren Schwierigkeiten beim Kalben hatte und der nächste Tierarzt nicht zu erreichen war, bekam sie Panik. «Ich habe fünf Tage gewartet, aber die Kuh hat es nicht alleine geschafft», erzählt Panjali. Schliesslich wurde Ezhilarasi in der Datenbank fündig. Acht Kilometer entfernt gab es einen Veterinär, dessen Assistent sogleich nach Kizhur eilte und das Kalb auf die Welt brachte. Der Einsatz hat Panjali 1800 Rupien gekostet, aber die Kuh konnte gerettet werden und sorgt nun weiter für den Lebensunterhalt ihrer Besitzerin. Sechs Liter gibt das Tier am Tag; für den Liter bekommt Panjali in der nahen Kooperative acht Rupien.
Information ist überlebenswichtig und oft die Voraussetzung für den Start ins Berufsleben. Als eine Fachschule einen Lehrgang für junge Schneiderinnen ausschrieb, packten ein paar Mädchen aus Kizhur, die im Zentrum davon erfahren hatten, die Gelegenheit beim Schopf. Noch sei die Ausbildung in Gang, aber einige von ihnen hätten bereits Stellenangebote von Textilfirmen in der Tasche, berichtet Ezhilarasi, die das Ausbildungsprogramm koordiniert und die Teilnehmerinnen ausgesucht hat.
Lakshmi, die auch in Kizhur wohnt, baut mit Hilfe des Computerzentrums ein Unternehmen auf, nachdem sie in einem fünftägigen Ausbildungskurs zusammen mit zehn anderen Frauen gelernt hat, wie man Räucherstäbchen herstellt und vermarktet. Die Industrie- und Handelskammer des Distrikts griff ihnen dabei finanziell unter die Arme mit Förderdarlehen von 10 000 Rupien pro Person; zwei Drittel der Summe werden sie zurückzahlen müssen, sobald das Geschäft läuft.
Nesam («Freund») heisst die Produktionseinheit, die die Frauen gegründet haben. Lakshmi hat ihr Darlehen eben erhalten und plant, nach Beendigung des Monsuns mit der Herstellung der Räucherstäbchen zu beginnen, weil diese viel Sonne zum Trocknen brauchen. «Der grösste Teil des Geldes ging für die Herstellung der Verpackungen mit unserem Markennamen drauf. Aber ich bin zuversichtlich, dass es dafür einen Markt gibt, weil in dieser Gegend nur sehr wenige Leute Agarbattis produzieren», meint Lakshmi.
In Tirukanchipet, einem ungefähr fünfzehn Kilometer von Pondicherry entfernten und überwiegend von Unberührbaren bewohnten Dorf, interessieren sich die Bewohner vor allem für die Reis- und Gemüsepreise, um für die Lohnverhandlungen gewappnet zu sein. Es sind in der Mehrzahl Landarbeiter, die auf grösseren Farmen angestellt sind. Erst anhand der vom Zentrum gelieferten Informationen haben sie zweifelsfrei festgestellt, dass sie für ihre Plackerei viel zu wenig Geld erhalten, während ihre Produkte auf dem Markt gute Preise erzielen.
Jedes Zentrum bedient drei bis fünf umliegende Dörfer, aus denen die Leute mit allen möglichen Fragen kommen. Während ein Bauer wissen möchte, was er gegen die Schädlinge auf seinen Auberginenpflanzen tun kann, erkundigt sich ein anderer nach dem aktuellen Goldpreis; dritte wiederum nutzen das Zentrum als Marktplatz für den Kauf und Verkauf von Vieh, Geflügel, Backsteinen und verschiedenen Neu- und Gebrauchtwaren. Junge Männer kommen, um sich Hochzeitseinladungen ausdrucken zu lassen, ein Kunststudent informiert sich über die Möglichkeiten der Fortbildung in Modedesign und versucht sich in Computeranimationen. Mit dem Übungscomputer können sich die Dörfler mit Programmen wie Word und Power Point vertraut machen.
Morgens um 10 Uhr 30 hängt jedes Informationszentrum ein Nachrichtenbulletin aus mit den neuesten Zeitungsmeldungen und den aktuellen Getreide-, Gemüse- und Fischpreisen. Aus- und Weiterbildungsangebote und Frauenförderungsprogramme der Regierung, Mitteilungen über neue Verdienstmöglichkeiten und Gesundheitsinformationen finden gerade bei den Frauen ein grosses Interesse.
Obschon die Frauen von den Zentren besonders profitieren, gelingt es nicht allen, die Hemmschwelle zu überwinden. Viele lassen sich von der Technik einschüchtern und betrachten sie wie ein Wunder. «Wir gehen hin, um uns alles anzusehen, und dann gehen wir wieder nach Hause», meint etwa Amuda, die sich trotzdem noch rasch die Prüfungsergebnisse ihrer Kinder aufrufen lässt.
Andere zeigen mehr Mut und Initiative. «Durch das Zentrum haben wir eine Gruppe von zehn landlosen Frauen zu einem halbjährigen Lehrgang in der Kokosfaserherstellung zusammengebracht», berichtet Santhi, die die Gruppe unterrichtet. Jetzt stellen die Frauen rund 250 Seile am Tag her.
Rani wiederum informiert sich im Zentrum über die aktuellen Gemüsepreise, damit sie beim Einkaufen nicht übers Ohr gehauen wird. Nur Adima, die am Rande der einzigen, matschigen Strasse, die durch das Dorf führt, sitzt und Kokosnüsse putzt, um sie danach in die Ölpresse zu geben, weiss mit der neuen Technologie gar nichts anzufangen. «Wir können die Computer nur anschauen. Wenn man nicht lesen und schreiben kann, nützen einem diese Geräte überhaupt nichts», beklagt sie sich.
Im Dorf Embalan ist das Zentrum in einem kleinen Raum untergebracht, der früher einmal der Seiteneingang zum alten Tempel der Göttin Parvati war. Der Tempel selbst wird bis heute von den Unberührbaren gemieden, doch das Computerzentrum steht ihnen offen. Es wird von zwei Frauen, Amrutham und Selvarani, geleitet und besonders von Schülern frequentiert, die den Umgang mit Computerprogrammen lernen wollen. Der Präsident der US National Academy of Sciences, Bruce Alberts, hat die Patenschaft für dieses Infodorf übernommen und zur Eröffnung persönlich einen PC überreicht. Einige Besucher, berichtet Amrutham, kämen auch nur wegen der Busfahrpläne, um ihre Reisen besser planen zu können. «Doch wenn wir uns mit dem Aushang der täglichen Nachrichten verspäten, fragen die Leute danach.»
Santha Kumar, diplomierter Maschinenbauingenieur, will sich in der nahen Lastwagenfabrik um eine Stelle bewerben und nun hier seine Bewerbungsunterlagen tippen. «Im Zentrum bekommen wir Informationen über freie Stellen im ganzen Land», sagt er, «das ist sehr hilfreich.» Wie Imaya Verman, ein Reismühlenbesitzer, der hereingeschneit kommt und sich nach den Reispreisen erkundigt, scheint er nicht zu den Männern zu gehören, die sich von der weiblichen Leitung abschrecken lassen. Die beiden Betreuerinnen haben nämlich herausgefunden, dass Männer in der Regel aus diesem Grund das Zentrum nur widerstrebend nutzen. Eine der Bedingungen der Projektleitung war von Anfang an eine Frauenbeteiligung von fünfzig Prozent.
Wenn die Stiftung sich zurückzieht, sollen sich die Zentren selbst tragen. «Deshalb versuchen wir auch ein Kontrollgremium einzurichten, dem die lokalen Entwicklungsbeamten, der Dorfrat, örtliche Institutionen sowie Frauen- und Jugendvertreter angehören und das die Tätigkeit des Zentrums überwacht und auf eine tragfähige Basis stellt», führt der Sozialwissenschafter Rajamohan aus. Zurzeit treffen sich nur die Ehrenamtlichen, die Berichterstatter und die Angestellten des MSSRF jeweils am letzten Samstag im Monat, um die Aufgaben des nächsten Monats, die Beschaffung der benötigten Daten und Weiteres zu besprechen und zu planen. Zahlreiche Dörfer der Region haben bereits Interesse an einem eigenen Informationszentrum bekundet.
Laut Professor Swaminathan, dem Vorstand der MSSRF, beruht das Projekt auf dem Gedanken der «Antyodaya», was so viel wie «Emporhebung der Gedrückten» heisst. Partizipatorisch angelegt, soll es die Dörfer dazu bringen, Verantwortung für ihr Zentrum zu übernehmen. Das Informationsangebot richtet sich nach der Nachfrage und geht so genau wie möglich auf die örtlichen Bedürfnisse ein. «Wir bekommen zahllose Anfragen aus anderen Dörfern, dort ähnliche Informationszentren zu eröffnen», sagt Swaminathan. «Da wir nur eine kleine NGO sind, können wir der enormen Nachfrage nicht entsprechen. Aber die Regierung von Pondicherry plant inzwischen, alle 275 Dörfer des Union Territory an solche Zentren anzuschliessen.»
Die Stiftung ist jetzt gerade dabei, sich aus den ersten Dörfern zurückzuziehen. «Natürlich stehen wir ihnen nach wie vor als Freund und Helfer zur Seite. Und da das System nach dem Modell einer Radnabe mit Speichen aufgebaut ist, wird unsere Zentrale in Villianur die Filialen auch weiterhin unterstützen», sagt Professor Swaminathan. «Die Familien auf dem Land sind sehr unternehmungsfreudig und einfallsreich. Solange das Modell nicht auf Patronage beruht, sondern auf Partnerschaft, wird die Sache gut gehen.»
Der entscheidende Beitrag der Stiftung besteht in der Bereitstellung der Soft- und Hardware, hybrider Systeme, die drahtlose und Kabelkommunikation, Strom aus Sonnenzellen und Steckdose miteinander verbinden. «Unsere <Anrechtsdatenbank> zum Beispiel macht den Frauen und Männern in den ländlichen Gebieten auf überschaubare Weise die Förderungsmöglichkeiten aus den über 145 Regierungsprojekten zur Bekämpfung der Armut zugänglich. Früher sind sie von Pontius zu Pilatus gelaufen, um an diese Informationen zu kommen, und das ging nicht ohne ein gerüttelt Mass an Bestechung ab», sagt Swaminathan.
Per 31. Dezember 2000 verfügte Indien über eine Computerausstattung von fünf Millionen PCs. Was die Internetnutzung anbelangt, liegt Indien laut National Association of Software and Service Companies mit 1,8 Millionen Internetanbindungen und 5,5 Millionen Nutzern zwar weit hinter anderen asiatischen Ländern, aber schon die Schätzungen für Ende 2001 gehen von 2,3 Millionen Anschlüssen und sieben Millionen Nutzern aus. Und es ist keineswegs abwegig anzunehmen, dass sich darunter auch einige Dörfler aus der Gegend von Pondicherry befinden werden.
Computer sind nicht die magische Lösung des Problems der Armut oder der sozialen Ungleichheit. Experimente wie dasjenige in Pondicherry beweisen jedoch, dass Indien im Zeitalter der Informationstechnologie nicht rückständig zu bleiben braucht. Es ist lediglich die Frage, welche Kommunikationsstrategien entwickelt und zu welchem Zweck sie eingesetzt werden.
Meena Menon ist freie Journalistin in Bombay.