NZZ Folio 11/97 - Thema: Hund und Katz   Inhaltsverzeichnis

Patienten mit vier Beinen

Hund und Katz beim Arzt.

Von Bettina Büsser

NEIN, HÄXLI WILL SICH NICHT HINLEGEN, Häxli will auch nicht lieb und nicht ruhig sein, Häxli will bloss eines: weg von hier. Die 13jährige schwarze Pudelhündin hat gute Gründe dafür, das beweist der blaue Verband, den sie um den Bauch trägt. Das letztemal, als sie hier war, wurde sie narkotisiert, operiert, und ihr wurde ein Tumor entfernt. Weshalb also sollte sich Häxli an diesem Ort wohl fühlen?

Im Gegensatz zu ihrer Hündin, die ungnädig knurrt, als der Tierarzt Enrico Clavadetscher sie ins Behandlungszimmer holt, hat Häxlis Meisterin volles Vertrauen zu dem Mann. Deshalb ist sie auch aus dem Zürcher Oberland nach Dübendorf gefahren, in die Kleintierklinik, die Clavadetscher mit einer Kollegin betreibt. Hier wurde Häxli schon einmal operiert, als sie an einer eitrigen Gebärmutterentzündung litt, ausgelöst durch einen Eierstocktumor.

Damals, so erinnert sich Häxlis Meisterin, habe sie kaum bemerkt, dass die Hündin krank sei. «Sie ist eben ein besonderer Hund. Sie hat normal gefressen, ist herumgerannt wie immer und hat auch nicht geklagt.» Den Tumor an Häxlis Bauchwand entdeckte sie beim Bürsten: «Ein Knoten, der immer grösser wurde. Zuerst habe ich gedacht, dass gar nichts mehr zu machen ist.» Doch nun - die Operation ist gut verlaufen - sind die Aussichten nicht schlecht, dass Häxlis Bild in die Fotogalerie der dankbaren Patientinnen und Patienten eingereiht werden kann.

Diese Galerie an der Wand des Wartezimmers zeigt Hunde, aber vor allem Katzen. Auch von Munggeli hängt hier ein Bild. Die schwarzweisse Hauskatze ist jetzt wieder in der Klinik, sitzt im Tragkorb auf dem Schoss ihrer Besitzerin im Wartezimmer. Sie hat, so wird sich später herausstellen, eine Magen-Darm-Grippe. Munggelis Besitzerin ist pausenlos damit beschäftigt, sie durch das Gitter des Korbs hindurch zu kraulen; die Katze schnurrt laut. Wird sie nicht gekrault, miaut sie, ebenso laut.

Es sind vornehmlich Katzen, die in der Dübendorfer Kleintierklinik behandelt werden. «Dübendorf ist eine Schlafgemeinde, hier halten sich viele Leute Katzen als Lebenspartner», sagt Clavadetscher. Neben Katzen und Hunden sind Patienten wie Vögel, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Ratten seltener. Auch an diesem Nachmittag sind ausschliesslich Hunde und Katzen im Wartezimmer versammelt, ein prächtiger schwarzer Kater etwa mit einer Bisswunde auf dem Rücken; oder eine schwarze Königspudelin, die wegen eines verletzten Zehennnagels kaum mehr gehen kann und im Veloanhänger zur Praxis gebracht worden ist; oder ein Golden Retriever, der wahrscheinlich an einer Medikamentenallergie leidet: Sein Rücken ist übersät von Pusteln, doch er liegt geduldig wartend da.

Weniger ruhig ist die kleine Tochter seiner Meisterin. Sie geht herum, bietet allen Menschen Kaugummi an, streichelt alle Hunde - die Katzen nicht, weil die in Transportkäfigen stecken - und will wissen, was den Tieren fehlt. Die Wartenden geben gerne und ausführlich Antwort, man plaudert über kranke Tiere, gesunde Tiere, Eigenheiten und Vorlieben. Nachdem das Mädchen die Runde gemacht hat, blättert es in einem Büchlein mit Kinderzeichnungen, das auf dem Wartezimmertisch liegt - ein kleines Dankeschön der ersten Klasse aus Wetzikon, die Clavadetschers Praxis besuchen durfte. Die Kinder haben nicht nur gezeichnet, sondern auch geschrieben. Fabio beispielsweise hat eine Frage: «GHomen Die kaze Auch EInen Schpruzen Uper?»

Natürlich erhalten die Katzen Spritzen. Sie werden, wie die Hunde auch, regelmässig geimpft. Impfungen sind die häufigsten Behandlungen in Clavadetschers Praxis, dann folgen Floh- und Wurmbehandlungen sowie die Pflege von Bisswunden - Routinesachen. Krankheiten, die ein komplexes tiermedizinisches Wissen erfordern, sind vergleichsweise selten. Überhaupt, meint Clavadetscher leicht ironisch, sei das fachliche Wissen des Tierarztes nicht die wichtigste Basis einer gutgehenden Praxis. Kürzlich, an einem Managementseminar für Tierärzte, habe der Referent erklärt, Laien könnten das medizinische und therapeutische Wissen der Tierärzte nicht nachvollziehen, deshalb verkaufe ein Tierarzt nicht in erster Linie sein Wissen, sondern Vertrauen, Hoffnung, Tierliebe - und ein schönes Wartezimmer. Von diesem Seminar hat Clavadetscher auch Zahlen über die geschätzten Tierarztkosten für Hund und Katz mitgebracht: Pro Jahr kostet eine Katze rund 500 Franken, ein Hund rund 740 Franken. Werden diese Zahlen mit der geschätzten Haustierpopulation der Schweiz hochgerechnet - rund eine Million Katzen, rund eine halbe Million Hunde -, ergeben sich 833 Millionen Franken jährlich.

Ob diese Schätzungen stimmen, kann die Gesellschaft Schweizer Tierärzte (GST) weder bestätigen noch verneinen. Umsatzzahlen kennt der Geschäftsführer Beat Josi nicht, doch er kann angeben, wie viele Tierärztinnen und Tierärzte in der Schweiz arbeiten: Fast alle sind sie in der GST organisiert, und die Vereinigung zählt 1102 praktizierende Mitglieder. Davon sind nur gerade 362 Kleintierpraktiker, doch auch die 684 Grosstier- und Gemischtpraktiker behandeln natürlich Haustiere.

IN JÜNGSTER ZEIT hat auch in der Tiermedizin die Spezialisierung Einzug gehalten, und Komplementär-Tiermedizin, vor zehn Jahren noch kaum ein Thema, wird heute von Tierhaltern vermehrt gewünscht. So existiert bereits eine Fachsektion der GST, die Schweizerische tierärztliche Vereinigung für Akupunktur und Homöopathie, mit rund 100 Mitgliedern. Eines davon ist Bettina Keller in Zürich. Zehn Jahre lang hat sie mit schulmedizinischen Methoden gearbeitet und sich daneben in chinesischer Medizin und Homöopathie aus- und weiterbilden lassen. Heute arbeitet sie ausschliesslich mit diesen Methoden, wählt, je nach Wunsch der Tierhalter und je nach Erkrankung, zwischen Homöopathie und Akupunktur. Beides bewähre sich beispielsweise bei Lähmungserscheinungen, Atemwegserkrankungen, Verdauungsproblemen und Ekzemen. Bei Verhaltensproblemen setzt Bettina Keller häufig homöopathische Mittel ein: «Hier hat die Schulmedizin nichts zu bieten, der psychische Bereich ist eine klare Stärke der Homöopathie.»

Akupunktur und Homöopathie werden bei Tieren im Prinzip gleich eingesetzt wie bei Menschen. Die meisten Tiere lassen sich laut Keller problemlos mit Nadeln behandeln, werden ruhig, sobald die erste gesetzt ist. Beim Einsatz von homöopathischen Mitteln geht der Behandlung ein längeres Gespräch mit dem Tierhalter voraus, in dem Verhalten, Vorlieben, Stärken und Schwächen des Patienten festgehalten werden. Diese indirekte Art der Befragung macht die Arbeit der Homöopathin zwar etwas schwierig. Doch lügen Tiere nicht, was manches wieder einfacher macht.

Obwohl sie ausschliesslich komplementärmedizinische Methoden einsetzt, rät Bettina Keller ihrer Kundschaft, etwa für Impfungen einen schulmedizinischen Tierarzt aufzusuchen. Im Bereich Kleintiere habe die Schultiermedizin in den letzten zehn, zwanzig Jahren grosse Fortschritte gemacht, bedingt durch die bessere Ausbildung, aber auch durch den veränderten Stellenwert der Tiere: «Haustiere sind dem Menschen wichtiger geworden. Früher wäre ein Bauer doch nie mit einer Katze zum Tierarzt gegangen. Heute geht er zwar auch nicht - aber er schickt seine Frau.»

DASS HAUSTIERE und ihr Wohlbefinden eine weit wichtigere Rolle spielen als früher, zeigt sich auch in den Medien. Tierärztliche Beratung, vor zwanzig Jahren ausserhalb von spezialisierten Zeitschriften kaum denkbar, findet sich heute in populären Printprodukten. Im Internet kann sich ebenfalls informieren, wer mit Tigerli oder Bello Probleme hat. Unter dem Stichwort «Tierarzt» etwa finden sich gegen 600 deutschsprachige Einträge - vor allem österreichische Tierärzte haben das Internet als Werbemedium entdeckt. Schweizer Tierärzte sind noch zurückhaltender - diejenigen, die via Internet medizinische Beratung anbieten, möchten lieber nicht genannt werden. Für Ratsuchende spielt diese Anonymität keine Rolle, vorausgesetzt, die Beratung ist seriös.

Das ist sie zweifellos beim Internet-Katzenarzt Dr. Cato: Trägerin der Web-Seite ist die Schweizer Stiftung Pro Büsi, die bereits seit 30 Jahren existiert. Stiftungsrätin Katja Zuniga ist für den Internetauftritt der Stiftung zuständig und das Sprachrohr von Dr. Cato: «Ich beantworte die Anfragen, werde dabei aber von einem Tierarzt beraten und unterstützt. Auf häufig gestellte Fragen weiss ich natürlich mittlerweile auch ohne Beratung eine Antwort.»

Eher eine Rarität dürfte Monikas Anfrage sein: Als sie ihren Kiwibusch stutzte, kaute ihre Katze auf den abgeschnittenen Blättern herum, «bekam grosse Pupillen und wurde regelrecht benommen». Seither, so fürchtet sie, lutscht die Katze regelmässig am Kiwibusch, «da sie immer öfter regelrecht high in der Wohnung herumtorkelt und anschliessend fast apathisch dämmert. Ist unser Verdacht begründet, können Katzen von Kiwi berauscht werden, sind gesundheitliche Folgen bekannt?» will Monika nun von Dr. Cato wissen. Der muss sie weiterverweisen. Dafür weiss er Antwort auf die für Laien kaum verständliche Frage eines «Herrn Kollega»: «Kater, nicht kastriert, ca. 2 Jahre alt, draussen lebend, hat etwa seit 2 Tagen Hämaturie. Stuhl und Schleimhäute z. Zt. o. B. Habe wegen V. a. Ingestion v. Phencoproumon 1/4 ml Vit. K. i. m. injiziert. Sind andere Ursachen wahrscheinlich, z. B. Nephritis, Urolithiasis?» Nein, meint Dr. Cato, aber möglicherweise eine Zystitis, die mit Retardon- oder Relardontropfen therapiert werden könnte.

So sec sind die wenigsten Anfragen bei Dr. Cato - bei manchen geht es eher um Unterstützung und Trost als um medizinische Beratung. Bei der «verzweifelten Katzenbesitzerin aus Nürnberg» etwa, die erfahren hat, dass ihr Kater Tiger unter der tödlichen Krankheit FIP leidet. Obwohl der Tierarzt zum Einschläfern rät, will sie Tiger mit Aufbauspritzen behandeln lassen, denn schliesslich frisst er «zumindest seine Leckerli, ein bisschen Kalbsleberwurst und hie und da auch einen Löffel Dosenfutter». Doch Dr. Cato kommt zum selben Schluss wie sein Kollege.

Fragen zur Hundegesundheit sind, wie es der Name vermuten lässt, nicht Dr. Catos Sache, doch Rat dazu findet man möglicherweise auf Yorkies Homepage. Deren Betreiber, Rolf Gautschi, wollte ursprünglich nur eine Homepage einrichten, um die Bilder seines Yorkshireterriers zu zeigen, doch mittlerweile ist eine ganze Reihe von Rubriken dazugekommen, ein Ratgeber etwa, den Gautschi mit Hilfe seines Tierarztes betreibt, und ein Diskussionsforum, in dem oft Gesundheitsfragen besprochen werden. Was hilft, wenn ein Retrieverwelpe nach dem Aufwachen einen Schluckauf hat? Wenn der Westie unter Akne leidet? Was tun bei entzündeten Zehen? Bei Bienenallergien? Bei Hinken? Bei Schuppen? Nützt rohes Sauerkraut bei Wurmbefall?

Natürlich gibt es im Internet weit mehr Anlaufstellen zum Thema Tiergesundheit, die Palette reicht von Informationen über Tierfutter, meist von Futterherstellern dargeboten, über tierärztliche Studien bis hin zur Information über Tierphysiotherapie. Sogar für den schlimmsten Fall, für den Tod eines Haustiers, findet sich die entsprechende Web-Seite: Ein Hersteller bietet Särge für Haustiere an unter dem Motto «Tschüss, treue Freunde».

Der Tod eines Haustiers ist für Tierhalter meist ein harter Schlag. Dennoch besteht in der Schweiz, im Gegensatz zu den USA, keine Nachfrage nach Telefon-Hotlines, bei denen gramgebeugte Hinterbliebene Trost finden. «In der Schweiz kann man offenbar damit leben, die meisten Leute scheinen den Tod eines Haustiers richtig einzustufen», sagt Gaby Elsener. Sie hat, zum Abschluss ihrer Ausbildung an Dennis Turners Institut für Ethologie und angewandte Tierpsychologie, eine Arbeit über die Trauer nach dem Verlust eines Haustiers geschrieben. Seither ist die gelernte Tierarzt- und Arztgehilfin in Zürich als tierpsychologische Beraterin tätig. Ihre Fälle werden meist von Tierärzten vermittelt - Hunde und Katzen mit Verhaltensstörungen. Markieren und Unsauberkeit in der Wohnung seien die häufigsten Katzenprobleme. Oft müssten sie als Zeichen der Verunsicherung gelesen werden, etwa durch Familienprobleme, neue Leute im Haushalt oder ein neues Möbelstück.

In Gesprächen mit den Katzenhalterinnen und Katzenhaltern versucht die Tierpsychologin, der Ursache auf den Grund zu gehen. Dazu gehört auch, dass sie möglichst viel über das bisherige Leben des Tiers erfährt: Wo, unter welchen Umständen ist es aufgewachsen, was hat es bisher erlebt, wie lebt es jetzt? Dieselben Fragen stellt sie, wenn ein Hund behandelt werden muss, meist wegen Aggressivität gegen Menschen oder andere Hunde. Ausser dem Lebenslauf des Tieres spielen natürlich das Verhalten des Halters und seine Erwartungen an das Tier eine zentrale Rolle. «Häufig begünstigt der Besitzer das Fehlverhalten am Anfang. Darum ist die Therapie eigentlich auf den Besitzer zugeschnitten. Es geht darum, ihm zu erklären, was er im Umgang mit dem Tier falsch macht.» In kleinen Schritten wird dann das Verpasste nachgeholt - bei aggressiven Hunden etwa das Erlernen des eigentlich natürlichen sozialen Verhaltens unter Hunden.

DAS SOZIALE VERHALTEN von Hunden lässt sich besonders gut in den Wartezimmern von Tierärzten studieren; wer Gekläff und Aufregung erwartet, täuscht sich. So ist es auch in der Kleintierklinik des Zürcher Tierspitals, wo im nüchternen Warteraum neben drei Katzen gleich fünf Hunde warten. Zwar beschnüffeln sie sich - so weit, wie es Leine und Besitzerin zulassen -, doch meist ist die Sache schnell klar, die Hunde legen sich hin.

«Die Tiere sind hier besonders ruhig», hat Rosmarie Niederhäuser festgestellt. Sie fährt seit 14 Jahren Tierambulanz und hat schon viele Tiere ins Spital gebracht - «manchmal, bei Unfällen und Vergiftungen, trifft es mich immer noch ganz hart» - und wartet jetzt, bis ihr heutiger Transportgast, ein schwarzer Labrador, behandelt wird. Wahrscheinlich, mutmasst sie, spüren die Tiere die Besorgnis ihrer Besitzerinnen und Besitzer. Denn im Tierspital werden die ernsten Fälle behandelt. Nur der Boxer Dago, mit seinen 17 Monaten noch ein Junghund, lässt sich von der ernsten Stimmung nicht beeindrucken. Er zappelt, wedelt und stolpert vor Aufregung beinahe über die eigenen Pfoten. Dabei sollte er sich nicht zu wild gebärden, denn er hat einen Herzfehler, eine angeborene Aortaverengung, und muss deswegen Betablocker schlucken. «Man muss ihn bremsen», sagt seine Meisterin, die mit Dago Hundesport treibt, «obwohl er so viel erreichen könnte. Es ist einfach schwer einzuschätzen, wie stark ich ihn belasten darf.» Zu starke Belastung erträgt Dagos Herz nicht; die meisten Hunde mit diesem Geburtsfehler sterben bereits in den ersten drei Lebensjahren. Dennoch hoffen seine Besitzer: «Wir sagen uns jeweils: Die Ärzte haben schon viel erzählt. Vielleicht wird er auch vier Jahre alt.»

Dago ist einer von rund 5000 Hunden und Katzen, die jedes Jahr an der medizinischen Abteilung der Kleintierklinik behandelt werden; am häufigsten führen Herzerkrankungen, Infektionen, Magen-Darm-Probleme und Tumoren zur Überweisung an diese Abteilung des Tierspitals. Auf den weiteren Abteilungen der Kleintierklinik - übrige Heimtiere, Chirurgie, Ophthalmologie, Gynäkologie - werden jährlich gegen 9000 Tiere behandelt. Die Kleintierklinik bietet mittlerweile fast alle Leistungen der Humanmedizin auch für Tiere an: Röntgen, Ultraschall, Hüftgelenktransplantationen, Computertomographie, Bestrahlung und Chemotherapie. Dennoch werden gewisse Behandlungen und Eingriffe nicht vorgenommen. Denn die Tiermedizin setzt andere Grenzen als die Humanmedizin. «Oberstes Prinzip bei der Entscheidung ist das Wohl des Tieres», sagt Claudia Reusch, Leiterin der Klinik und Professorin für innere Medizin der Kleintiere an der Universität Zürich. «Deshalb schlagen wir Behandlungen nur dann vor, wenn zu erwarten ist, dass damit eine vernünftige Lebensqualität für das Tier erreicht wird.» Zudem setzen auch die Kosten einer Behandlung Grenzen - Tierkrankenkassen gibt es kaum.

Wie es künftig um Susis Lebensqualität stehen wird, ob Susi überhaupt eine Zukunft hat, ist noch nicht entschieden. Die neunjährige Tigerkatze hat viel Pech gehabt: Zuerst hat sie sich rechts die Hüfte ausgerenkt, dann auch noch links das Sprunggelenk gebrochen - Susi kann sich nicht mehr fortbewegen. Eigentlich habe sie die Katze nach dem Bescheid des Tierarztes einschläfern lassen wollen, sagt Susis Besitzerin, doch ihre jüngste Tochter, fünfzehnjährig, habe sich vehement dagegen gewehrt: «Es hat einen richtigen Familienkrach gegeben. Und ich habe natürlich nachgegeben. Mal sehen, was sie im Tierspital dazu meinen.»

Susi liegt derweil ganz still in ihrem Tragkorb. Sie bewegt sich nicht, sie miaut nicht. Aber ihre Augen beobachten die Umgebung, neugierig und gleichzeitig etwas ängstlich. Schliesslich ist sie hier nicht zu Hause. Und es sind auch Hunde im Warteraum.

Bettina Büsser ist freie Journalistin in Zürich.


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