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NZZ Folio 05/06 - Thema: Fussball-WM   Inhaltsverzeichnis

Hervé Le Tellier: Frankreich wird Weltmeister

© Pixathlon, Alex Morton
Kein Bildtitel
Thierry Henry und Zinedine Zidane, Frankreich Linktext

Frankreich Fussballweltmeister? Etwas anderes würde mich schon sehr wundern. Denn es liegt doch auf der Hand, schliesslich gehören wir in die engere Auswahl. Hat man je einen Weltmeister gesehen, der nicht auserwählt gewesen wäre? Nein, niemals. Aber das ist noch nicht alles. Unsere Mannschaft zählt eine ideale Zahl an Spielern: elf, das ist weder zu viel noch zu wenig. Ich hätte freilich nichts gegen zehn Spieler mehr, aber mein elfjähriger Sohn - elf, abermals ein Wink des Schicksals - erklärt mir, dass dies nicht erlaubt sei. Sei’s drum, dann gewinnen wir halt zu elft. Obwohl sich unter diesen elf auch ein alter Mann namens Zidane befindet.

Der Ball, der bei dieser Weltmeisterschaft zum Einsatz kommt, hat eine sphärische Form. Das ist ein ganz entscheidender Vorteil für uns, denn schon seit Monaten trainieren unsere Spieler insgeheim mit einem Ball von dieser Form. Auch unser Zidane hat sich damit vertraut gemacht und stellt mit ihm Dinge an, über die man sich noch wundern wird.

Ein Fussballfeld besteht aus Rasen. Das ist ein Gras, das der Franzose gut kennt, gedeiht es doch prächtig in unseren Breiten (einzusäen im März, dann regelmässig giessen). Es heisst, dass auch Zidane es im Park seines Landsitzes angepflanzt hat.

Darüber hinaus dauert ein Spiel anderthalb Stunden. Für einen Franzosen ist das eine Kleinigkeit: wir essen zwei Stunden lang zu Mittag, drei Stunden zu Abend und brauchen vier fürs Souper. Zidane isst die ganze Zeit.

Und schliesslich ist «football» ein typisch französisches Wort, das sich aus englisch «foot» und englisch «ball» herleitet. Aber «foot» ist viel eher französisch als englisch, denn die Franzosen sind das einzige Volk, das, wenn es läuft, «footing» betreibt. Und was «ball» angeht, so kommt das Wort von «balle», einem Wort, das so französisch ist, dass es in unserer Sprache den verblichenen Franc bezeichnete.

Gewiss, Zidane ist kein wirklich französisches Wort, aber sein Diminutiv, Zizou, ist es dafür umso mehr. Ganz ehrlich, mir tun die anderen leid. 1998 wurden wir Weltmeister, weil Zidane in unserer Mannschaft spielte. 2006 werden wir Weltmeister, obwohl Zidane in unserer Mannschaft spielt.

Hervé Le Tellier ist Journalist und Schriftsteller; er lebt in Paris. Zuletzt erschien von ihm der Prosaband «Cités de mémoire» (Berg International 2003).


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