ES GIBT alltägliche Phänomene, die in der Welt der Wissenschaft einfach nicht den nötigen Widerhall finden. So beklagt der Autor der Arbeit «Beine übereinanderschlagen: Vorkommen und Vererbung» (Neuropsychologia, Vol. 32, S. 747-750), dass es über das Händefalten 186 Studien gebe und über das Armeverschränken 112, dass aber das Übereinanderschlagen der Beine von den Forschern bisher schnöde Nichtbeachtung erfuhr. Da gibt es Nachholbedarf. 292 Studenten der Universität Halle wurden für die Studie untersucht, davon ziehen 62 Prozent vor, das rechte Bein über das linke zu schlagen, während 26 Prozent der umgekehrten Haltung den Vorrang geben. 12 Prozent haben keine bevorzugte Beinposition. Die Wissenschaft muss natürlich auch nach der Funktion dieser menschlichen Gewohnheit fragen: «Warum die Beine übereinanderschlagen? Der Einfluss gängiger Haltungen auf die Aktivität der Bauchmuskulatur» (Spine, Vol. 20, S. 1989-1993). Dabei stellte sich heraus, dass «die Aktivität der schrägen Bauchmuskeln durch das Übereinanderschlagen der Beine signifikant gesenkt wird». Die Autoren schliessen daraus auf den physiologischen Nutzen dieser Beinposition und regen an zu prüfen, «ob das Übereinanderschlagen der Beine im Design des Arbeitsplatzes integriert werden könnte».