Zuchtanstalten liefern schon heute 20 Prozent der weltweit gehandelten Speisefische und Meeresfrüchte. Bis ins Jahr 2015, so schätzen die Experten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen, wird dieser Anteil auf 50 Prozent steigen.
Lachse und Forellen werden seit Jahren kommerziell gezüchtet. Meeresfische stellen höhere Anforderungen an die Züchter, da ihre kleineren Eier weniger lang überleben und die Larven mit Lebendfutter aufgezogen werden müssen. Anfang der siebziger Jahre wurde in England erstmals Steinbutt gezüchtet. Ihm folgten Goldbrasse und Wolfsbarsch. Diese Fischarten werden heute von insgesamt 550 Produktionsstätten in 15 Ländern angeboten, und die Industrie wächst schnell.
Bei Goldbrassen und Wolfsbarschen liegt der Marktanteil des Zuchtfischs inzwischen bei 80 Prozent. Man hält die Tiere in geschützten Buchten des Mittelmeers in 5 bis 10 Meter tiefen Käfigen aus kräftigen, elastischen Netzen. Die Fische werden geimpft und mit Antibiotika behandelt, wenn Krankheiten ausbrechen.
Der Steinbutt, der an kälteres Wasser gewöhnt ist, wird an der Atlantikküste gezüchtet, und zwar meist in mit Meerwasser gespeisten Betontanks. Er muss mit frischem Fisch gefüttert werden.
Der Gelbschwanzfisch wird in Japan in grosser Zahl aufgezogen. Die Jungfische werden im Meer gefangen, da die Reproduktion in Gefangenschaft noch nicht kommerziell betrieben werden kann. Bei Fischen wie der Zahnbrasse, der Seezunge und der Rotbarbe soll es bald soweit sein. Bisher überlebten nicht genügend Larven, dauerte die Mastphase zu lange oder ertrugen die Fische eine all zu grosse Dichte nicht.
Wenig erforscht sind die Auswirkungen intensiver Fischzuchten auf die Umwelt. Die gesetzlichen Regelungen sind teilweise ungenügend. Die Ausscheidungen einer Tonne Fisch, so haben Untersuchungen ergeben, belasten das Meer so stark wie die gereinigten Abwässer einer Stadt von 300 000 Einwohnern. Die Anstrengungen gehen dahin, die Zuchtkäfige weiter ins offene Meer hinaus zu verlegen, wo stärkere Strömungen die Ausscheidungen der gefangenen Fische besser verteilen.