NZZ Folio 02/00 - Thema: Im Netz   Inhaltsverzeichnis

Crash-Kurs für Newbies

Eine kleine Einstiegshilfe für Einstiegswillige.

Von Daniel Weber

Noch sind die Internetbenutzer auch in den hochtechnisierten Ländern eine Minderheit. Damit das nicht so bleibt, wird einem heute der Anschluss ans Netz immer leichter gemacht. Wer sich als Newbie, als Neuling, ins World Wide Web begeben möchte, braucht vorher weder kompliziertes Expertenwissen noch eine professionelle Ausrüstung zu erwerben.

Was man braucht, ist ein Computer mit einem gängigen Betriebssystem (Windows 95 oder 98 beziehungsweise Mac OS). Damit verfügt man über ein Gerät, das leistungsfähig genug sein sollte, sich im Internet zu bewähren - Fachsimpeleien über die Taktrate des Prozessors, die Megabytes des Arbeitsspeichers und die Gigabytes der Festplatte kann man getrost den Technikfetischisten überlassen.

Das wichtigste Programm, das man fürs Internet benötigt, ist der Browser, der die Webseiten auf den Bildschirm bringt. Ein Browser (am gebräuchlichsten sind der Microsoft Internet Explorer und der Netscape Navigator) wird bei den erwähnten Betriebssystemen mitgeliefert. Neben dem PC die einzige Hardware, die man sich anschaffen muss, ist das Modem: es verbindet den Computer mit der Telefonleitung. Zeitgemässe Modems entsprechen dem V.90-Standard, der eine maximale Daten-Übertragungsgeschwindigkeit von 56 000 Bit pro Sekunde verspricht. (Ein Bit ist die kleinste Informationseinheit, also eine 0 oder eine 1.) Noch schneller ist man mit einem ISDN-Adapter (64 000 oder 128 000 Bit pro Sekunde), aber der entscheidende Vorteil von ISDN liegt anderswo: Mit einem herkömmlichen Telefonanschluss kann man entweder surfen oder telefonieren, mit einem ISDN-Anschluss kann man beides gleichzeitig, weil man mehr als eine Leitung zur Verfügung hat - in einem Mehrpersonen-Haushalt ein nicht zu verachtender Komfort.

Damit ist die Ausrüstung komplett. Was jetzt noch fehlt, ist der Provider, die Firma, die einem Zugang zum Internet verschafft. Theoretisch ist die Wahl des Providers eine einfache Sache, ausschlaggebend sind nur wenige Kriterien: Preis (wie hoch ist die Grundgebühr, und welcher Telefontarif wird beim Surfen verrechnet?); Geschwindigkeit (wie leistungsfähig sind die Leitungen ins Internet?); Zusatzleistungen (bekommt man eine E-Mail-Adresse, eine Gratis-Homepage, Zugang zu Diskussionsforen, gibt es eine Telefon-Helpline?). In der Praxis ist es ebenso mühsam, Provider-Angebote zu vergleichen wie die Tarife der Telefonfirmen.

Es gibt in der Schweiz Dutzende von Providern unterschiedlicher Grösse und Qualität. Und an Providertests, die von Fachzeitschriften veröffentlicht werden, herrscht kein Mangel. Aber die Tests sind umstritten, weil sie die Bewertungskriterien unterschiedlich gewichten. Der schnellste Provider ist kaum auch der billigste, und der billigste wird plötzlich teuer, wenn man Zusatzleistungen beansprucht.

Bis vor einem Jahr bewegte sich die Grundgebühr für den Internetzugang um 200 Franken jährlich, dazu kamen die Telefonkosten, üblicherweise der Lokaltarif. Mit der Liberalisierung des Schweizer Telecom-Marktes gingen zahlreiche Provider dazu über, den Internetzugang zum Nulltarif anzubieten. Es empfiehlt sich jedoch, diesen geschenkten Gäulen genau ins Maul zu schauen: Mit den Gratisangeboten wollen die Telecom-Unternehmen in erster Linie Kunden für den Telefonverkehr in ihre Netze locken. Nur wer beim entsprechenden Anbieter auch telefoniert, bekommt beim Surfen den günstigsten Tarif.

Zudem bleiben die Leistungen der kostenlosen Zugänge aus naheliegenden Gründen hinter jenen der kostenpflichtigen zurück. Für Interneteinsteiger, die bei technischen Problemen auf Unterstützung angewiesen sind, ist zum Beispiel eine kompetente Telefon-Helpline viel wert. Ein Test des «PC Guide» vom letzten Herbst ergab, dass gerade dieser Service bei fast allen Gratisanbietern mangelhaft war. Wird man für zwei Franken pro Minute schlecht beraten, erweist sich der Gratiszugang bald einmal als zu teuer.

Eine Alternative zu den Providern sind Online-Dienste wie Compuserve, die allerdings eine höhere Grundgebühr verlangen. Online-Dienste haben den Vorteil, dass sie weltweit Zugangspunkte haben, so dass man sich fast überall zum Lokaltarif einwählen kann. Davon profitiert vor allem, wer oft im Ausland unterwegs ist. Ausserdem haben die Online-Dienste Bereiche eingerichtet, die nur ihren Mitgliedern offenstehen: Diskussionsforen, Einkaufs-, Informations- und Unterhaltungsangebote.

Ob Blue Window (ein Tochterunternehmen der Swisscom), Diax, Sunrise, Swiss Online - um nur ein paar grosse Provider zu nennen - oder Compuserve: Am besten fährt man, wenn man sich von Freunden und Bekannten beraten lässt, die bereits ihre Erfahrungen mit Zugangs-Anbietern gemacht haben. Hat man sich entschieden und telefonisch angemeldet, liefert einem der Provider die persönliche E-Mail-Adresse und eine Installations-CD-ROM, mit der man problemlos auf dessen Homepage kommt.

Und dann ist man also online, und im Netz warten Abermillionen von Webseiten darauf, besucht zu werden. Man braucht nur die richtige Adresse ins Eingabefeld zu tippen. Aber wo anfangen? Wer Englisch versteht, ist eindeutig im Vorteil, weil viele der interessantesten Websites in der Weltsprache gehalten sind. Aber das Internet spricht inzwischen viele Sprachen, und Deutsch ist weit verbreitet.

Starten könnte man also zum Beispiel bei einer Tageszeitung (www.nzz.ch) - Zeitungen halten online für Surferinnen und Surfer interessante Zusatzangebote bereit. Oder man könnte ein deutschsprachiges Webverzeichnis (www.yahoo.de) besuchen, das eine Fülle von Websites thematisch strukturiert. Natürlich kann man sich auch mit Hilfe der umfangreichen Ratgeber-Literatur orientieren, die für alle möglichen Bedürfnisse Brauchbares bereithält.

Möchte man sich in Diskussionsforen engagieren, in sogenannten Newsgroups, für die es eigene Verzeichnisse gibt (www.deja.com), ist es ratsam, sich zuerst mit der Netiquette (www.ping.at/guides/netmayer) vertraut zu machen, den Sitten und Gebräuchen, die im Internet herrschen. Die Netzgemeinde ist zwar Neulingen gegenüber immer noch vergleichsweise tolerant und hilfsbereit; sie weiss es aber zu schätzen, wenn ein Newbie die FAQ konsultiert, bevor er mit seinen Fragen offene Türen einrennt - die Frequently Asked Questions geben Auskunft auf immer wieder gestellte Anfängerfragen. Sinnvollerweise beschränkt man sich darauf, zunächst als Zuschauer dabeizusein.

Zurückhaltung zahlt sich auch im Umgang mit den persönlichen Daten aus. Seine E-Mail-Adresse sollte man nicht allzu bereitwillig weitergeben - man riskiert sonst leicht, zur Zielscheibe unerwünschter Werbung zu werden. Entschärfen lässt sich das Problem, indem man sich eine zweite E-Mail-Adresse besorgt. Bei Yahoo, Hotmail und anderen Diensten bekommt man sie gratis. Seine Kreditkartennummer sollte man ebenfalls nur dann preisgeben, wenn man sicher ist, dass man es mit einem seriösen Unternehmen zu tun hat - im Netz gibt es nicht weniger Betrüger als in der wirklichen Welt.

Wer sich von dieser Folio-Ausgabe zum Einstieg ins Netz ermuntern liess, findet übrigens die Adressen aller Websites, die in den Artikeln vorkommen, in der Online-Ausgabe von NZZ-Folio: www.nzz.ch/folio.




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